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08.03.2019

8. März 2019 - Edeltraud Glänzer zum Internationalen Frauentag

"Denn wir haben längst noch nicht alles erreicht!"

Im Jahr 1911 fand der erste Internationale Frauentag statt – organisiert von Clara Zetkin und Käthe Duncker, um das Frauenwahlrecht durchzusetzen. Mit Erfolg, doch trotz Durchsetzung des Frauenwahlrechts sind sie in vielen Bereichen immer noch unterrepräsentiert.  Edeltraud Glänzer, stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende, verantwortlich unter anderem für den Bereich Frauen, spricht im Interview über Erfolge und weiterhin bestehende Probleme.

Stefan Koch

Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE

Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Warum sollten wir diesen Tag würdigen?

Gerade in diesem Jahr haben wir viele Gründe, stolz zurückzublicken und kraftvoll nach vorn zu schauen. 2019 wird das Grundgesetz 70 Jahre alt und damit auch Artikel 3, dessen 2. Absatz lautet: "Männer und Frauen sind gleichberechtigt." Das ist starken, beharrlichen Frauen wie der Juristin und SPD-Politikerin Elisabeth Selbert zu verdanken. Der 8. März ist ein Anlass, diese und andere Verdienste zu würdigen. Der Frauentag ist aber auch Ansporn, weiterzumachen. Denn wir haben noch längst nicht alles erreicht.

Wo ist die Ungleichbehandlung besonders eklatant?

Es gibt nach wie vor Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Allerdings gibt es auch hier deutliche Fortschritte durch gute Tarifverträge und starke Betriebsräte. Das unterstreicht: Wir machen gute Arbeit. Aber wir sind weiter gefordert. Denn Maßnahmen wie etwa das 2018 eingeführte Entgelttransparenzgesetz reichen nicht, um diese Unterschiede zu egalisieren. Dass viele Frauen noch immer deutlich weniger verdienen, liegt nicht nur an mangelnder Transparenz, sondern auch daran, dass sie viel häufiger in teilweise unfreiwilliger Teilzeit arbeiten. Hier ist mit der sogenannten Brückenteilzeit Abhilfe geschaffen worden. Die IG BCE hat lange und intensiv für das Gesetz gekämpft. Es ist nicht ganz das, was wir erreichen wollten, aber ein entscheidender Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit.

Sind solche Erfolge nicht ein Grund, zufrieden zu sein?

Zweifellos. Sie zeigen, dass es vorangeht. Aber wenn wir etwa in den Bundestag schauen, sehen wir, dass der Frauenanteil gegenüber 2017 gesunken ist. Der Anteil weiblicher Führungskräfte in den DAX-Konzernen ist kaum gestiegen, die Medienlandschaft ist nach wie vor in männlicher Hand. Dort, wo wichtige Entscheidungen getroffen und öffentliche Meinung geprägt wird, sind Frauen also noch immer unterrepräsentiert. Das müssen wir ändern, wir brauchen noch mehr engagierte Frauen.