Internationale Wochen gegen Rassismus

„In Betrieben werden Fremde zu Freunden“

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus hat die IG BCE zu einer Podiumsdiskussion in Essen eingeladen. Petra Reinbold-Knape fand deutliche Worte für mehr Toleranz und gegen Hetze. Evonik-Personalvorstand und Betriebsrat unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung zur Stärkung kultureller Vielfalt und Integration von Flüchtlingen.

Frank Rogner

Sajid Khan ist Gast bei der Poduimsdiskussion anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Sajid Khan (2.v.l) und Petra Reinbold-Knape (5.v.l) zu Gast bei der Poduimsdiskussion anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus.
17.03.2017
  • Von: Nadine Gewehr
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Sajid Khan ist 21 Jahre alt und angehender Chemie-Laborant. Der junge Mann macht eine Ausbildung bei Evonik Industries. Was sich zunächst anhört wie der typische Start eines jungen Menschen ins Berufsleben, ist für Sajid Khan etwas ganz Besonderes. Vor vier Jahren ist er mit seiner Familie aus Bangladesch als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Er sprach kaum ein Wort Deutsch, hatte keine Zukunftsperspektive. Doch er hat hart gearbeitet, eine Chance bekommen – und diese genutzt.

Seine Geschichte hat Sajid Khan am Donnerstag in Essen erzählt, bei einer Podiumsdiskussion anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus, zu der die IG BCE geladen hatte. Petra Reinbold-Knape, Mitglied im geschäftsführenden Hauptvorstand, teilte sich das Podium dabei mit Thomas Wessel, Personalvorstand und Arbeitsdirektor bei Evonik Industries, Volker Kemper, Leiter der kaufmännischen Ausbildung bei Evonik, Axel Brössel, Betriebsratsvorsitzender bei Axalta Coatings, und Sajid Khan.

Wie wichtig es ist, junge Menschen wie Sajid zu fördern, machte Petra Reinbold-Knape deutlich: „Wir zeigen auf, wie die Integration in unseren Betrieben funktioniert.“ Beispiele gelungener Integration seien das beste Mittel gegen Hetze und rechte Meinungsmache. „In den Betrieben werden Fremde zu Freunden.“

So ist es auch bei Sajid Khan. Er kann sich noch gut an seinen ersten Tag erinnern, als er am Werkstor des Chemieparks Marl stand und darauf wartete, dass man ihn abholt. „Es war alles so groß, überall neue Eindrücke.“ Doch schon beim ersten Zusammentreffen mit den neuen Kollegen war seine Nervosität verflogen. „Ich wurde sofort aufgenommen und herzlich willkommen geheißen, das hat mir sehr viel bedeutet.“

Frank Rogner

Sajid Khan ist Gast bei der Poduimsdiskussion anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Sajid Khan ist Gast bei der Poduimsdiskussion anlässlich der Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Sajid Khan ist über das Programm „Start in den Beruf“ an seinen Ausbildungsplatz bei Evonik gekommen. Die IG BCE unterstützt dieses Projekt, in dem explizit auch junge Flüchtlinge durch Sprachkurse und andere Qualifizierungsmaßnahmen gezielt gefördert werden.

Und das Engagement der Evonik Industries AG geht weiter: Am Donnerstag unterzeichneten Personalvorstand Thomas Wessel und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ralf Hermann eine gemeinsame Erklärung zur Stärkung kultureller Vielfalt und Integration von Geflüchteten. „Beschäftigte mit ausländischer Staatsangehörigkeit beziehungsweise Beschäftigte mit Migrationshintergrund ergänzen das Know-how um sprachliche und kulturelle Kompetenzen und schaffen somit Wettbewerbsvorteile in einem globalisierten Umfeld“, heißt es darin. Die „Wertschätzung von Vielfalt gilt auch für die Gruppe der nach Deutschland Geflüchteten und eröffnet dadurch die Chance, das Potenzial, das diese Menschen mitbringen, zu nutzen.“

Frank Rogner

Internationale Wochen gegen Rassismus Thomas Wessel (links), Personalvorstand und Arbeitsdirektor bei Evonik Industries, IG-BCE-Vorstandsmitglied Petra Reinbold-Knape und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ralf Hermann unterzeichnen eine gemeinsame Erklärung zur Stärkung kultureller Vielfalt und Integration von Flüchtlingen.

Zudem wird Evonik erneut die Flüchtlingsplätze im Programm „Start in den Beruf“ aufstocken. In den kommenden drei Jahren stellt das Unternehmen pro Jahr 20 neue Plätze an den Standorten Marl und Hanau zur Verfügung. Nach Möglichkeit sollen die Flüchtlinge nach der Förderung durch das Programm auch einen Ausbildungsplatz bekommen. Darüber hinaus wird Evonik pro Jahr 20 zusätzliche Plätze für unversorgte Jugendliche in Deutschland schaffen.

„Wir stehen für Vielfalt und wir hoffen, mit der gemeinsamen Erklärung als Multiplikator zu agieren“, erklärte Evonik-Personalvorstand Thomas Wessel nach der Unterzeichnung. „Die Werte, für die wir stehen, möchten wir ins Land und auch in andere Betriebe tragen. Denn was draußen in der Welt passiert, geht uns als Unternehmen an.“ Neben der Förderung von Flüchtlingen hat sich das Unternehmen auch verpflichtet, sich aktiv für die präventive Bekämpfung von Fluchtursachen zu engagieren. So unterstützt Evonik etwa in Zusammenarbeit mit der Westerwelle-Foundation ein Projekt in Ruanda. Zur Finanzierung des Engagements in Deutschland und Ruanda stellt die Evonik-Stiftung in den nächsten drei Jahren insgesamt drei Millionen Euro zur Verfügung.

Frank Rogner

Petra Reinbold-Knape Petra Reinbold-Knape: "In den Betrieben werden Fremde zu Freunden"

Seine Heimat Bangladesch konnte Sajid Khan seit seiner Flucht nicht besuchen. Die Lage ist zu gefährlich. Um so wichtiger sei es ihm, in Deutschland Fuß zu fassen. Er hat sich mit seinen Kollegen angefreundet, hat sich ein stabiles Umfeld aufgebaut. Im Unternehmen engagiert er sich so sehr, dass er vor kurzem auch in die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) gewählt wurde. „Ich fühle mich sehr wohl“, sagt der 21-Jährige und lächelt herzlich.

Petra Reinbold-Knape erinnerte bei der Podiumsdiskussion am Donnerstag auch an die vielen Geflüchteten, die beispielsweise in Ungarn in Lagern zusammengepfercht werden. „Das ist kein Umgang mit Menschen, die gerade vor dem Krieg geflüchtet sind“, stellte sie klar – gefolgt von langem Zwischenapplaus.

„Wir können vielleicht nicht die ganze Welt retten, aber wir können einen Beitrag dazu leisten“, resümierte Evonik-Betriebsratsvorsitzender Ralf Hermann. Und wie sieht dieser Beitrag aus? Petra Reinbold-Knape setzt auf einen „Dreiklang“, wie sie erklärte: Sprache, Ausbildung und Begegnung vor Ort. Heißt: Die Geflüchteten brauchen Sprachkurse. „Es ist fundamental wichtig, dass ich mich verständigen kann und dass ich verstanden werde“, so Reinbold-Knape. Nur so kann eine fundierte Ausbildung gelingen. Durch Begegnungen, etwa durch gemeinsame Fußballturniere, werden die Geflüchteten zum Teil der Gesellschaft. „So bekommen Hetze und Rassismus keine Chance.“

Michael Wolters

Die Mitglieder des Interkulturellen Bundesarbeitskreises der IG BCE Die Mitglieder des Interkulturellen Bundesarbeitskreises der IG BCE rufen auf zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus.

Bereits am Vortag der Veranstaltung trafen sich Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, und Petra Reinbold-Knape mit den Mitgliedern des Interkulturellen Bundesarbeitskreises der IG BCE. Gemeinsam rufen sie zur Teilnahme an den Internationalen Wochen gegen Rassismus auf. Bundesweit finden bis zum 26. März über 1600 Veranstaltungen statt - viele davon organisiert von IG-BCE-Ortsgruppen, Jugend- und Auszubildendenvertretern oder Betriebsräten.

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