IndustriALL Weltkonferenz Chemie

Mit globalen Netzwerken für Arbeitnehmerrechte

Woher nimmt Japans chemische Industrie ihre Energie – nach dem Runterfahren der Atomkraftwerke? Was bewirkt der Druck der Wallstreet-Spekulanten in den Großunternehmen Amerikas? Und wie kann man in Indonesien Tarifverträge durchsetzen, die über die gesetzlichen Grundvoraussetzungen hinausgehen?

Jörg Nierzwicki

IndustriALL Weltkonferenz Chemie / Hannover Auf dem Podium: IndustriALL-Präsident Michael Vassiliadis, Generalsekretär Jyrki Raina und sein Stellvertreter Kemal Özkan (v. r.).
07.05.2015

In Hannover treffen sich vom 4. bis 8. Mai Gewerkschafter der Sparten Chemie und Pharma der internationalen Föderation IndustriALL Global Union, um auch diese Fragen zu beantworten. Die neuen Herausforderungen für die chemische Industrie vor dem Hintergrund der fortschreitenden Globalisierung stehen im Fokus der Tagung.

„Die chemische Industrie gehört zu den energieintensiven Branchen, von daher spielt eine verlässliche und wettbewerbsfähige Energieversorgung eine wesentliche Rolle“, sagte der IG-BCE-Vorsitzende und Präsident der IndustriALL European Trade Union Michael Vassiliadis bei der Begrüßung der Teilnehmer am Mittwoch. Die aktuelle Debatte zur Braunkohle in Deutschland vernachlässige diese Grundbedingung industrieller Produktion. Und das, obwohl gerade die chemische Industrie als Innovationsmotor den Klima- und Umweltschutz vorantreiben könne: „Etwa bei Materialien für die Gebäudedämmung oder Leichtbaukonzepte und Elektroantriebe in der Fahrzeugindustrie.“

Die Weiterentwicklung internationaler Netzwerke werde ein wichtiges Instrument, um Gewerkschaftsinteressen in den wachsenden globalen Konzernen besser vertreten zu können, betonte Vassiliadis im Nachgang zum Treffen von Arbeitnehmervertretern aus den weltweiten Standorten der BASF am Dienstag. Jyrki Raina, Generalsekretär der IndustriALL, unterstützte den Gedanken: „Die Konzerne agieren längst global, dagegen brauchen wir eine entsprechende Gewerkschaftssolidarität.“ 46 weltweite Rahmenabkommen für rund 10 Millionen Beschäftigte seien bislang zustande gekommen.

Jörg Nierzwicki

IndustriALL Weltkonferenz Chemie - Teilnehmerinnen und Teilnehmer Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Unterstützung für die Positionen der IG BCE in der Auseinandersetzung um die Tarifeinheit gab es von Jyrki Raina ebenfalls: „Die Arbeitnehmer brauchen die Zersplitterung nicht, wenn wir uns gegen das globale Kapital stellen wollen.“ Sie schade im Gegenteil. In Deutschland stünden insbesondere zwei große Industriegewerkschaften für Millionen Beschäftigte ein: „Und die Deutschlandmaschine prescht einschließlich Mitbestimmung erfolgreich voran!“

Im Konferenzverlauf werden sich die rund 200 Arbeitnehmervertreter auch mit den Themen prekäre Beschäftigung, Mindestlohn sowie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz beschäftigten. Im kommenden Jahr treffen sich alle Sparten der IndustriALL Global Union zum Weltkongress in Brasilien.

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