6. Ordentlicher Kongress der IG BCE

Jüngster & ältester Delegierter im Interview

Von 19 bis 74 Jahren: So weit reicht die Altersspanne der 400 Delegierten, die zum 6. Ordentlichen Gewerkschaftskongress angereist sind. Wir haben den Jüngsten und Ältesten nach ihren persönlichen Eindrücken und den für sie wichtigen Themen gefragt.

Helge Krückeberg

Thomas König, 19 Jahre, Vorsitzender der JAV bei Bionorica SE, Neumarkt (links), Gerhard Kreutzer, 74 Jahre, war 14 Jahre BR-Vorsitzender bei Kabel Premium Pulp & Paper GmbH, Hagen.
12.10.2017
  • Von: Axel Stefan Sonntag
  • Kommentare: 0
Artikel bewerten
Danke für die Bewertung
Ihre bereits abgegebene Bewertung wurde aktualisiert.
Schlagworte

Gerhard Kreutzer (Landesbezirk Westfalen), Du bist der älteste Delegierte. Den wievielten Gewerkschaftskongress erlebst Du gerade?
Genau kann ich das gar nicht mehr sagen. Ich war schon Teil des IG-BCE-Gründungskongresses 1997.

Wie haben sich Politik und Themen in 20 Jahren verändert?
Wo damals noch klar und eindeutig war, wofür christliche und wofür soziale Politik steht, verschwimmen heute die Grenzen. Gleichzeitig entstehen neue „Ränder“. Deshalb ist es besonders gut, dass sich hier gerade viele Kollegen aus Ostdeutschland klar gegen Extremismus und Rassismus positioniert haben. Die Anträge wandeln sich natürlich auch. Umweltthemen sind heute deutlich präsenter als damals – und ganz neu ist die Digitalisierungs-Debatte.

Thomas König (Landesbezirk Bayern), Du bist der jüngste Delegierte. Was bleibt Dir vom Kongress in Erinnerung?
Der starke Zusammenhalt aller Delegierten und wie perfekt hier alles organisiert war. Und, ganz klar: Welche Dinge wir der Politik für die nächsten Jahre mit auf den Weg geben. In der Sozialpolitik – vor allem bei der Rente und dem gesamten Sozialversicherungssystem – müssen Dinge angepackt werden. Zugegeben, das sind keine klassischen Jugendthemen. Aber irgendwann betrifft mich das dennoch, irgendwann könnte meine Generation da ein dickes Problem bekommen. Deshalb müssen wir jetzt die Weichen stellen, die Systeme zukunftsfit zu machen.

Am Mittwochabend diskutierten die führenden Vertreter der Parteijugend. Was war Dein Eindruck?
Dass in einer möglichen Jamaika-Koalition viele Reibungspunkte einfach da sind. Die Jungen Liberalen und die Grüne Jugend liegen bei vielem einfach total weit auseinander. Trotzdem war es eine tolle Idee, die „Kongress-Bühne“ nicht nur der Bundeskanzlerin und den Bundespolitikern zu schenken – sondern ebenso dem Parteinachwuchs!

Apropos Bundeskanzlerin. Gerhard, was soll Angela Merkel aus Deiner Sicht aus Hannover mitnehmen?
Das wir dafür kämpfen werden, dass in der klaren Mehrheit der Unternehmen die Tarifbindung weiter Gültigkeit haben muss. Tarifverträge bieten Sicherheit – im Berufsleben wie im Alter. An der Sozialpartnerschaft, der Vorgabe, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen müssen, darf keiner rütteln.

Thomas, wenn Du nur ein Antrag benennen dürftest: Welcher war Dir persönlich am wichtigsten?
Die Digitalisierung in unserem Sinne zu gestalten. Das Feld rückt bei mir im Betrieb immer mehr auf die Tagesordnung. Datenschutz ist ein Riesen-Thema. Ebenso, wann zum Beispiel Beschäftigte Laptop und Handy nutzen sollen oder dürfen – und wann nicht. Wir brauchen da Regelungen. Gleichzeitig müssen wir die Kollegen in der Produktion qualifizieren.

Gerhard, welcher Antrag war Dir persönlich am wichtigsten?
Die Zukunft der Papierindustrie zu sichern. Ich habe lange in der Branche gearbeitet und sehe jetzt, dass es für uns zunehmend schwieriger wird, Rohstoffe zu sichern. Pellets und Spanplatten, aber auch Kartons für all die Online-Einkäufe heutzutage – das war vor Jahrzehnten alles noch kein Thema. Heute aber konkurriert unsere klassische Industrie mit vielen weiteren Zellstoff-Abnehmern.

Sie sind nicht eingeloggt

Nach oben