DGB-Index Gute Arbeit 2016

"Digitalisierung braucht klare Regeln"

Viele befürchten, dass die Arbeitsintensität durch Digitalisierung zunimmt. Als Folge wüchsen Druck und Stress. Das zeigt der aktuelle DGB-Index Gute Arbeit 2016. Deshalb fordern die Gewerkschaften: Digitalisierung muss gestaltet werden - und zwar gemeinsam mit den Beschäftigten.

Jesco Denzel

DGB Index Gute Arbeit Die Ergebnisse des DGB-Index Gute Arbeit stellen Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, und Reiner Hoffmann, Vorsitzender des DGB, auf der Bundespressekonferenz vor.

Rund 9740 Beschäftigte sind für den neuen DGB-Index Gute Arbeit 2016 zu ihren Arbeitsbedingungen und den Auswirkungen der Digitalisierung befragt worden. Der Index zeigt zunächst einmal Erfreuliches: Eine deutliche Mehrheit der Beschäftigten sieht die eigene Arbeit als wichtigen Beitrag für den Betrieb und die Gesellschaf an. 86 Prozent identifizieren sich mit ihren Aufgaben. Doch viele treiben sich mit der Frage um, wie die Digitalisierung ihren Arbeitsalltag beeinflussen wird. Die Arbeitswelt wird sich verändern. Doch wo Risiken sind, da gibt es auch Chancen. Die gilt es wahrzunehmen, fordert Michael Vassiliadis.

„Die Menschen verlangen faire Teilhabe an den Vorteilen der Digitalisierung. Aber wir sehen: Von allein kommt das nicht“, sagt Michael Vassiliadis.  Zwar müssten Unternehmen die Chancen nutzen, die Industrie 4.0 bietet. Zum Beispiel Chancen, die aus mehr Flexibilität in Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Verwaltung entstehen. "Aber wenn dieser technische Fortschritt zum Anlass für sozialen Rückschritt wird, wenn die Leute immer weiter ausgepresst werden wie eine Zitrone, sind wir alarmiert."

Rund 82 Prozent der Befragten gaben an, dass die Digitalisierung ihren Berufsalltag prägt – durch Mails, Smartphones, computergesteuerte Produktions- und Terminplanung. Insbesondere die Chancen der Digitalisierung müssen den Beschäftigten zugutekommen. "Darüber wollen wir mit den Arbeitgebern und mit der Politik eine grundsätzliche Verständigung erreichen. Wir wollen ein neues Verständnis der Arbeitszeit. Eine tarifvertraglich gesicherte und gestaltete Arbeitszeit, die Rahmenbedingungen schafft für mehr persönliche Wahlfreiheit. Warum sollte es für Schichtarbeiter beispielsweise nicht auch Teilzeit geben?“, fragt Michael Vassiliadis.

Fast jeder zweite gab an, dass durch die Digitalisierung die Arbeitsbelastung zugenommen hat. "Grund dafür dürfte auch sein, dass sie selten mitbestimmen dürfen, wann und wie neue Technologien eingesetzt werden", sagt der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. "Diese Ergebnisse bestätigen unseren Handlungsauftrag: Die Digitalisierung braucht Regeln, damit die Technik dem Menschen dient und nicht der Mensch der Technik."

Durch eine umfassende Arbeitszeiterfassung könnte verhindert werden, dass Beschäftigte unbezahlte Überstunden anhäufen. Außerdem muss den Arbeitnehmenden ein Mitbestimmungsrecht über die Arbeitszeit verschafft werden. Es wird höchste Zeit, neue Regeln zu finden. Und das geht nur gemeinsam: Mit Mitbestimmung!

 

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