Drei Fragen an Steffen Lehndorff

Arbeitszeitinteressen aufgreifen

Steffen Lehndorff war Leiter der Forschungsabteilung „Arbeitszeit und Arbeitsorganisation“ im Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Der erfahrene Wissenschaftler setzt sich seit mehr als 20 Jahren kritisch mit veränderten Arbeitszeit- und Beschäftigungsstrukturen auseinander. Im Interview spricht er über Arbeitszeitgestaltung und wie Betriebsräte dabei helfen können.

WSI

Steffen Lehndorff Steffen Lehndorff, Leiter der Forschungsabteilung „Arbeitszeit und Arbeitsorganisation“ im Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen.
18.05.2015
  • Von: Axel Stefan Sonntag
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Sie stellen einen wachsenden Einfluss der Unternehmen auf die Arbeitszeitgestaltung fest. Was sind die Ursachen?

Heute arbeiten mehr Menschen in unterschiedlichsten Jobs und Projekten als in der industriellen Massenproduktion mit einem eher klar vorgegebenen Zeitschema. Die Beschäftigung ist flexibler organisiert als früher. Diese ergebnisorientierte Unternehmenssteuerung hat viele Fragen der Arbeitszeitpolitik in den Betrieb verlagert.

Wie können Betriebsräte gegensteuern?

Indem sie versuchen, unterschiedliche Arbeitszeitinteressen einzelner Beschäftigtengruppen aufzugreifen. Viele Arbeitnehmer möchten ihr Pensum im Lebensverlauf variieren. Das greift der  Demografie-Tarifvertrag in der Chemieindustrie bereits auf. Eine anderer Ansatzpunkt sind „Ampelkonten“, die für die „Rotphase“ eine Mitbestimmungsmöglichkeit über die Personalbemessung vorsehen. Dies ist für Projektarbeitende extrem wichtig.

Sie schlagen vor, neue Schichtmodelle einzuführen. Wie könnten die Beschäftigten davon profitieren?

Wenn im Kontischicht-Betrieb von vier auf fünf Schichtgruppen übergegangen wird, entstehen ja kurze gewöhnliche Durchschnittsarbeitszeiten. Die Frage ist dann, wie die Differenz zum tariflichen Wochen zu überbrücken ist. Der übliche Weg sind Einbring- oder Zusatzschichten, aber die sind zu Recht unbeliebt. Vermeiden kann man sie dann, wenn die vertragliche Arbeitsdauer deutlich sinkt – mit vollem oder Teil-Lohnausgleich. Damit entsteht zugleich Spielraum, Auszubildende zu übernehmen.

Steffen Lehndorff ist Referent auf der zweitägigen IG-BCE-Konferenz „Arbeitszeit ist Lebenszeit“ vom 21. bis 22. Mai 2015 in Kassel.

Infos und Anmeldung gibt es hier.

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