Politischer Festakt zum 125-jährigen Jubiläum der IG BCE

Mitbestimmung und Sozialpartnerschaft stärken

Der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, hat Politik und Arbeitgeber aufgefordert, das deutsche Modell der Sozialpartnerschaft zu festigen und auszubauen. „Es gibt weltweit keinen besseren Ansatz, wirtschafts- und gesellschaftspolitische Herausforderungen wie Industrie 4.0 oder den demographischen Wandel erfolgreich zu gestalten, als eine wirksame und stabile Kooperation der Tarif- und Betriebsparteien“, erklärte Vassiliadis am Freitag (18. September) in Berlin auf dem Festakt zum 125-jährigen Jubiläum der Gewerkschaft.

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18.09.2015
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Um die Sozialpartnerschaft in den Betrieben weiter zu entwickeln und dem sozialen Fortschritt überall in der Arbeitswelt einen Weg zu bahnen, sei es erforderlich, zum einen die Tarifautonomie zu stärken und zum anderem Betriebsverfassungsgesetz zu modernisieren. „Die Mitbestimmung durch Betriebsräte ist der beste Schutz vor einem möglichen Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen“, so Vassiliadis. Notwendig sei es zudem, die Gründung von Betriebsräten zu erleichtern, als Grundlage eines fairen Miteinanders in den Betrieben. „Die Stabilität der Arbeitsbedingungen“, betonte Vassiliadis, sei der „Kern der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Stabilität Deutschlands“.

Gero Breloer

Festakt zum 125-jährigen Jubiläum der IG BCE - Michael Vassiliadis „Die Stabilität der Arbeitsbedingungen ist Kern der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Stabilität Deutschlands“, so der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis in seiner Jubiläumsrede.

Am politischen Festakt zum 125-jährigen Jubiläum der IG BCE nahmen 400 Gäste aus der Politik, den Arbeitgeberverbänden und Unternehmen sowie dem DGB und seinen Mitgliedsgewerkschaften teil. Festredner waren Bundespräsident Joachim Gauck und der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: „Wir stehen hinter Dir.“

Tarifautonomie und Mitbestimmung, Gewerkschaften und Betriebsräte seien konstitutive Bestandteile der wirtschaftlichen Ordnung und des politischen Systems in Deutschland, unterstrich der IG-BCE-Vorsitzende: „Sie sind Grundpfeiler der Sozialen Marktwirtschaft, die die Vorteile einer Wettbewerbswirtschaft mit dem Prinzip des sozialen Ausgleichs verknüpft. Sie sind Voraussetzungen einer entwickelten Kultur, in der sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber im gegenseitigen Respekt und im Wissen um das Gemeinsame begegnen, ohne unterschiedliche Interessen und Aufgaben zu negieren oder gar grundsätzlich infrage zu stellen.“

  • Festakt zum 125-jährigen Jubiläum der IG BCE - Empfang 1
    Foto: 

    Gero Breloer

    Die IG BCE lädt anläßlich ihres 125-jährigen Jubiläums zu einem Festakt in den Berliner Loewe-Saal.

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Solidarität statt Gruppenegoismus

Vassiliadis warnte davor, dass diese Pfeiler an Tragkraft verlieren. In immer mehr Bereichen werden die Arbeitsbedingungen nicht mehr von den Sozialpartnern gestaltet, zugleich wachse eine grundsätzliche Ablehnung von Beteiligung und Mitbestimmung, soziale Standards werden unterlaufen. Auf der anderen Seite ersetzen kleine Klientelgewerkschaften das Prinzip der Solidarität durch den Maximalismus von Gruppenegoismen. „Diesem zerstörerischen Wirken ist die Politik mit dem Tarifeinheitsgesetz begegnet.“

Mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingskrise erinnerte Vassiliadis „an die 125-jährige Tradition der Solidarität und Mitmenschlichkeit“: „Diejenigen, die jetzt nach Deutschland kommen und bleiben, wenn sie es denn wollen und können, dürfen sich auf unsere Unterstützung verlassen.“ Arbeit und Bildung seien die entscheidenden Voraussetzungen zur Integration. „Wir werden dazu unseren Beitrag leisten, da, wo wir mit unseren Sozialpartnern selbst gestaltungsfähig sind, in unseren Betrieben und Branchen.“

Mit ihren Sozialpartnern der Branchen Chemie, Papier, Glas, Solar, Keramik, Kautschuk sowie der Energieversorgung und der Steinkohle ist die IG BCE darüber bereits in konkreten Gesprächen.

Gero Breloer

Festakt zum 125-jährigen Jubiläum der IG BCE Für diese Werte stehen die IG BCE und ihre Mitglieder.

"Machen Sie weiter so!"

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die Geschichte der IG BCE und die Sozialpartnerschaft: „Wir feiern die kraftvolle Vielfalt einer starken Interessengemeinschaft. Gemeinsam setzen Sie sich ein für sichere Arbeitsplätze, für die Teilhabe der Beschäftigten an Wachstum und Wohlstand, für eine Gesellschaft, die wirtschaftlichen Erfolg und sozialen Fortschritt verbindet.“

Die gemeinsame Suche nach dem Kompromiss und das Bewusstsein der gemeinsamen Verantwortung für Wirtschaft und Gesellschaft, so Gauck „haben unserem Land Wohlstand und sozialen Frieden beschert. Ich möchte Sie deshalb bestärken: Rüsten Sie die Sozialpartnerschaft für die Zukunft.“

Gero Breloer

Bundespräsident Joachim Gauck „Wir feiern die kraftvolle Vielfalt einer starken Interessengemeinschaft", sagte Bundespräsident Joachim Gauck.

Denn innovatives Denken und Handeln sei überall dort gefordert, wo große Aufgaben warten. Etwa beim Thema Flüchtlinge. „Wo Unternehmen Unterkünfte für Flüchtlinge anbieten, wo Betriebe und Gewerkschaften mit Spenden und Sammelaktionen helfen, wo sie Mentoring-Programme und Patenschaften für Flüchtlinge auflegen, da überall sehen wir, wie ernst es der Wirtschaft und den Gewerkschaften mit der Übernahme sozialer Verantwortung ist.“ Gauck verwies auf das langjährige Engagement der IG BCE für eine Kultur des Miteinanders und dem energischen Entgegentreten gegenüber Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. „Dafür danke ich Ihnen und bitte Sie: machen Sie weiter so!“, sagte der Bundespräsident.

  • Werte der IG BCE
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    Gero Breloer

    Die Statements der einzelnen Personen auf den folgenden Bildern.

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Wichtige Rolle der Gewerkschaften bei Integration

Viele der Menschen, die derzeit zu uns kommen, werden lange Zeit bleiben. Deshalb, betonte Gauck, sei es so wichtig, sie auch in das Arbeitsleben aufzunehmen. Hier komme den Arbeitgebern und den Gewerkschaften eine wichtige Rolle zu. „Ich begrüße es deshalb sehr“,sagte Gauck, „dass sich die Sozialpartner der Chemiebranche auf Initiative der IG BCE darauf verständigt haben, ihr Förderprogramm für Schulabgänger, die bislang keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, um zusätzliche Plätze für jugendliche Flüchtlinge zu erweitern. Wenn es gelingt, auf diese Weise neue Auszubildende zu gewinnen – und Sie können ja schon auf schöne Erfolge verweisen –, dann wird damit zugleich Unternehmen geholfen, die über Nachwuchssorgen klagen.“

Der Jubiläumswunsch des Bundespräsidenten verband den Blick in die Zukunft mit der Vergangenheit: „Schöpfen Sie aus dem reichen Reservoir für Innovation und Fortschritt, über das die IG BCE dank ihrer erfolgreichen Geschichte und ihrer vielen unterschiedlichen Gesichter verfügt. Und werben Sie in den Betrieben, bei den übrigen Gewerkschaften, gegenüber Vertretern von Politik und Wirtschaft und vor allem auch bei den Bürgern für Bereitschaft zum Wandel. Je eher wir damit beginnen, desto besser für unser Land!“

„Gewerkschaften sind stabiler Erfolgsfaktor für soziale Demokratie“

Grußworte und Gratulation im Namen aller DGB-Gewerkschaften überbrachte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann: „Ich neige sonst nicht zu Pathos, aber es ist mir eine große Ehre, heute hier zu sein. Ich bin stolz, Mitglied dieser Organisation zu sein."

Gero Breloer

DGB-Vorsitzender Reiner Hofmann „Ihr seid ein starkes Glied in der deutschen Einheitsgewerkschaft. Wir stehen hinter euch", sagte Reiner Hofmann, Vorsitzender des DGB.
Hoffmann unterstrich die Bedeutung der Arbeitnehmervertreter in der Gesellschaft:  "Die Gewerkschaften sind stabiler Erfolgsfaktor für eine soziale Demokratie in Deutschland.“ Und an die IG BCE gerichtet: „Ihr seid ein starkes Glied in der deutschen Einheitsgewerkschaft. Wir stehen hinter euch.“

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