Gründungskongress der IG BCE

Startschuss auf dem Weg zur Zukunftsgewerkschaft

„Glänzender Start“, „Zeichen gesetzt“, „Historisch“, – die Liste der Superlative ließe sich noch beliebig verlängern. Das Urteil nicht nur der Medien bezog sich auf den 1. Ordentlichen Gewerkschaftskongress der IG BCE, der vom 6. bis 10. Oktober 1997 stattfand.

Cintula

IG-BCE-Ballon Ein historisches Foto: Der IG-BCE-Ballon startet vor dem Gründungskongress der Gewerkschaft im Oktober 1997 in Hannover.

„Die neue Organisation steht. In großer Geschlossenheit, in beeindruckender Art und Weise haben die Delegierten die personellen Entscheidungen getroffen und die politischen Weichen gestellt“, fasste Hubertus Schmoldt, der erste Vorsitzende der neuen Gewerkschaft seine Eindrücke zusammen. Die 450 Delegierte als Vertreterinnen und Vertreter von damals rund einer Million Mitglieder zeigten nicht nur bei den Vorstandswahlen, sondern auch bei der Beratung der rund 150 Anträge eine beeindruckende Geschlossenheit.

Das, was an jenem 6. Oktober offiziell aus der Taufe gehoben wurde, hatte seinen Ursprung bereits ein halbes Jahrzehnt zuvor. Damals, im Spätherbst 1991, verkündeten IG Bergbau und Energie (IGBE) sowie die IG Chemie-Papier-Keramik die Fusionsabsichten, denen sich die Gewerkschaft Leder etwas später anschloss. Schritt für Schritt folgten dann die weiteren Phasen bis hin zu eigentlichen Fusion. Schmoldt: „Es hat sich gezeigt, wie weitsichtig es war, die Fusion von drei traditionsreichen und selbstbewussten Gewerkschaften nicht übers Knie zu brechen, sondern vernünftig vorzubereiten.“ Hans Berger, letzter Vorsitzender der IGBE, unterstrich nachdrücklich: „Wir sind keine romantischen Träumer, zum Zusammenschluss zur IG BCE hat es keine Alternative gegeben.“

Die Probleme und Herausforderungen, vor denen die Gewerkschaften damals standen, und die die Fusion mit auf den Weg brachten, haben sich im letzten Jahrzehnt kaum verändert: Die Globalisierung der Wirtschaft, der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, wirtschaftsliberales Gedankengut, sowie die Herausforderungen in der Europäischen Union lieferten schon damals die Begründung für eine stärkere Zusammenarbeit, ja letztendlich zur Fusion. Sie sollte vor allem auch ein erster wesentlicher Schritt zur Modernisierung der deutschen Gewerkschaftsbewegung sein. Im „magazin“ hieß es dazu: „Die neue Industriegewerkschaft ist die angemessene und vorausschauende Antwort auf den tiefgreifenden ökonomischen Strukturwandel“. Gleichzeitig werde mit der IG BCE die Organisationsreform im DGB weiter vorangebracht.

Niederschlag fand die organisatorische wie aber vor allem auch der Inhaltlichen Perspektive im vom Kongress nahezu einstimmig verabschiedeten Leitbild, das – so Schmoldt – „programmatische Kernstück unserer Gewerkschaft“ sei. Es setze klare Positionen für gemeinsames Handeln.

Und gemeinsames Handeln war füher wie heute entscheidend für den Erfolg der IG BCE. Noch einmal der damalige Vorsitzende: „Eine Gewerkschaft lebt vom Engagement ihrer Mitglieder und vom Einstehen füreinander. Mit einem Wort: von der Solidarität.“

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