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13.07.2015

Von: Rolf Winkel

Rechtsratgeber

So funktioniert ElterngeldPlus: Halbes Elterngeld doppelt so lange

Ganze 5 Prozent der Elterngeld-BezieherInnen sind derzeit teilzeitbeschäftigt. 95 Prozent sind dagegen „Vollzeit-Mütter/Väter“. Das soll sich mit dem neuen ElterngeldPlus ändern. Wer bis zu 30 Stunden in der Woche Teilzeit arbeitet, soll künftig beim Elterngeld nicht mehr bestraft werden.

Wer neben dem Elterngeld etwas hinzu verdient, bekommt zwar in den einzelnen Monaten weniger Elterngeld, kann dieses aber doppelt so lange beziehen.

Ab dem 1. Juli 2015 gibt es zwei Varianten des Elterngelds:

  • Das „klassische“ Elterngeld. Dieses funktioniert wie bekannt: Im ersten Lebensjahr eines Kindes (und längstens bis zu dessen 14. Lebensmonat) werden in der Regel rund zwei Drittel des Einkommensverlustes des erziehenden Elternteils in der Zeit des Elterngeld-Bezugs ersetzt. Dieses Elterngeld ist für Mütter (oder auch für erziehende Väter) interessant, die nach der Geburt des Kindes eine Zeitlang in ihrem Job ganz pausieren möchten.
  • Das neue ElterngeldPlus. Für dieses sollten sich Eltern entscheiden, die nach der Geburt des Kindes recht bald eine Teilzeitarbeit aufnehmen. Denn die Betroffenen erhalten dann zwar pro Monat – wegen der Anrechnung des Erwerbseinkommens – weniger Elterngeld. Dieses wird aber doppelt so lange gezahlt.

Eltern können sich zwischen den beiden Varianten frei entscheiden und diese auch miteinander kombinieren.

Die Höhe des ElterngeldPlus wird durch zwei Grenzen markiert. Der niedrigere Grenzbetrag ist maßgebend.

Grenze 1:
Es wird in keinem Fall mehr gezahlt als der Betrag, der beim klassischen Elterngeld gezahlt würde. Ein Beispiel: Vor der Geburt (bzw. genauer: vor der Mutterschutzfrist) hat eine Mutter monatlich 2.500 Euro netto verdient, nachher sind es 1.500 Euro. Das macht einen Unterschied von 1.000 Euro. Als Basiselterngeld würden monatlich 65 Prozent des Differenzbetrages ersetzt – das sind in diesem Fall 650 Euro. Mehr als sich nach dieser Rechnung ergibt, gibt es auch als ElterngeldPlus im einzelnen Monat nicht.

Grenze 2:
Zudem soll es in keinem Fall mehr geben als die Hälfte des Elterngeldes, das einem Elternteil zustünde, wenn dieses nach der Geburt eine komplette „Auszeit“ vom Job nehmen würde. Im oben genannten Beispiel würde das Elterngeld der Mutter ohne Einkommensanrechnung 65 Prozent von 2.500 Euro, also 1.625 Euro betragen. Die Hälfte davon sind 812,50 Euro.

Im nächsten Schritt werden Grenze 1 und Grenze 2 verglichen. Der niedrigere Betrag gilt. Das sind in diesem Fall 650 Euro. Dieser monatliche Betrag wird der in Teilzeit arbeitenden Mutter über die doppelte Laufzeit des (noch) bestehenden Elterngeld-Anspruchs gezahlt.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Nehmen wir eine Mutter, deren Kind vier Monate alt ist. In den ersten vier Monaten hat sie das klassische Elterngeld bezogen. Dabei zählt übrigens die Zeit des Mutterschaftsgeld-Bezugs mit. Ihr verbleibt noch ein Anspruch auf acht Monate Elterngeld. Diese acht Monate kann sie in 16 Monate ElterngeldPlus umwandeln und zugleich eine Teilzeitarbeit aufnehmen. Nimmt die Mutter eine Erwerbsarbeit noch später auf, so können jeweils die noch ausstehenden Elterngeld- Monate in ElterngeldPlus-Monate umgewandelt werden.

Wichtig in jedem Fall: Egal ob klassisches Elterngeld oder ElterngeldPlus: Die Leistung gibt es nur für Elternteile, die im Schnitt maximal 30 Stunden in der Woche erwerbstätig sind. Wird diese Grenze überschritten, so fällt das Elterngeld ganz fort.

Vier zusätzliche „Partnermonate“ beim ElterngeldPlus
Vätern wird künftig die stärkere Beteiligung an der Kindererziehung durch eine besondere Förderung der Teilzeit im Job schmackhaft gemacht.

Wie bisher gilt: Wenn sie in den ersten 14 Lebensmonaten ihres Kindes eine zweimonatige Auszeit vom Job nehmen oder ihre Arbeitszeit verkürzen, können sie in dieser Zeit Elterngeld (und künftig auch bei Teilzeitarbeit: ElterngeldPlus) erhalten. Das gilt natürlich umgekehrt auch für Mütter – wenn der Vater, was noch immer die Ausnahme ist – den „Hauptpart“ der Erziehung übernimmt.

Neu ist künftig: Väter können ab Mitte nächsten Jahres vier Extra-Monate ElterngeldPlus erhalten. Dies gilt allerdings nur unter der Voraussetzung, dass nicht nur sie selbst, sondern auch die Mutter des Kindes mindestens vier Monate „am Stück“ in Teilzeit tätig ist – und zwar mit einer wöchentlichen Arbeitszeit zwischen 25 und 30 Stunden. Klar ist dabei: Väter haben (genau wie Mütter) ihrem Arbeitgeber gegenüber einen Rechtsanspruch auf eine Arbeitszeitverkürzung – ob dieser Anspruch aber genau für diesen Arbeitszeitkorridor gilt, ist allerdings mehr als fraglich.

Auch alleinerziehende Elternteile sollen im Übrigen Anspruch auf die vier zusätzlichen „Partnermonate“ beim ElterngeldPlus haben. Eine alleinerziehende Mutter kann damit ElterngeldPlus längstens bis zum 28. Lebensmonat ihres Kindes beziehen.

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