Demokratie-Kongress des Bündnisses „Allianz für Weltoffenheit“ in Köln

Gemeinsam für gelebte Demokratie!

„Demokratie fängt nicht erst an der Wahlurne an“, betonte Leonie Koch, „ wir müssen Demokratie in unseren Strukturen leben und diese Werte auch nach außen tragen.“ Die 26-jährige Kölnerin weiß, wovon sie spricht - als Mitglied des Landes- und Bundesjugendausschusses der IG BCE engagiert sie sich aktiv für die gewerkschaftlichen Mitbestimmung. Sie war eine von 350 Teilnehmern, die am 4. Mai  zum ersten Demokratie-Kongress organisiert von der „Allianz für Weltoffenheit“ in Kooperation mit der Bundeszentrale für Politische Bildung ins Kölner Maternushaus gekommen waren. 

Marco Jelic

Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (Mitte) Abraham Lehrer, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland; Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates; Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes; Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland; Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung
04.05.2017
  • Von: Marco Jelic
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Unter dem Leitthema „Gemeinsam für gelebte Demokratie“ standen der Austausch und das Engagement von zahlreichen, vielfältigen, zivilgesellschaftlichen Initiativen im Mittelpunkt, die sich tagtäglich für eine offene, plurale, demokratische und gerechte Gesellschaft einsetzen. Allen voran auch die Gewerkschaften. Das Bündnis „Allianz für Weltoffenheit“,  ein breiter zivilgesellschaftlicher Zusammenschluss aus Kirchen, Arbeitgebern, Wohlfahrts-, Sport- und Naturverbänden, sowie jüdischen und muslimischen Gemeindevertretern, wurde im letzten Jahr auf Initiative des DGB gegründet. Reiner Hoffmann, DGB-Vorsitzender, beleuchtete in einem ersten Podium mit anderen Spitzenvertretern der Allianz, warum es wichtig ist, für eine gelebte Demokratie einzutreten: „Demokratie und soziale Gerechtigkeit müssen in Zeiten eines rasanten gesellschaftlichen Wandels immer wieder neu erarbeitet und erstritten werden.“

Die Stärkung des sozialen Zusammenhalts sei dabei die Voraussetzung für eine demokratische, weltoffene und solidarische Gesellschaft. Nationalismus, Protektionismus und Menschenfeindlichkeit müssten in die Schranken gewiesen werden. „Die Stärke dieser Allianz ist eine breite Mitgliederbasis, und dass sie Orte der Begegnung schafft. Bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Partner steht das Gemeinsame im Vordergrund: der Einsatz für Demokratie“, unterstrich der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann. Die Präses der Evangelischen Synode, Dr. Irmgard Schwaetzer, erinnerte an Artikel 1 des Grundgesetzes und hob hervor, dass Menschenwürde Grundbedingung des Glaubens sei.

Ebenfalls auf dem Podium saß für den Kulturbetrieb der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann. Er machte deutlich, was er von dem Versuch einer „rechten“ Vereinnahmung und „Germanisierung“ der Kultur- und Theaterlandschaft hält: „Wenn wir eines im Kulturbereich nicht brauchen, dann ist es eine Leitkultur.“ Auf die Gefahren des Antisemitismus wies der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, hin. Doch er habe Vertrauen, dass diese Gesellschaft und der Staat Antisemitismus entschieden entgegenwirke.

So vielfältig wie das erste Podium, so vielfältig setzte sich auch der Teilnehmerkreis des Demokratie-Kongresses zusammen – von der Sozialarbeiterin aus Duisburg-Marxloh bis zum Marine-Kapitän der Bundeswehr. „Es ist gut, dass wir Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in dieser Allianz auch mal mit anderen Akteuren aus der Zivilgesellschaft in den Austausch kommen“, schließlich habe man eine gemeinsam demokratische Wertebasis, erklärte Omer Semmo, DGB-Jugendbildungsreferent Köln-Bonn: „Als Gewerkschaftsjugend gilt es für eine offene Gesellschaft einzustehen und Menschenfeindlichkeit den Kampf anzusagen.“ Folgerichtig trat er dem gewerkschaftlichen Antirassismus-Verein „Gelbe Hand“ bei, der ebenfalls auf dem Kongress vertreten war.

In einer zweiten Diskussionsrunde ging es dann um Ursachen und Strategien gegen diese Menschenfeindlichkeit, gegen Rechtspopulismus, aber auch um die Stärkung der Teilhabe und Integration von Migranten. „Stresstest für die Demokratie und Weltoffenheit – was hält unsere Gesellschaft zusammen?“ war die Leitfrage, die ein wieder breites gesellschaftliches Podium bestehend aus Sport- und Arbeitgeberverbänden, muslimischen und katholischen Glaubensvertretern sowie interkulturellen Initiativen anhand von provokanten Einspielfilmen diskutierte. Am Ende waren sich die Diskutanten einig, dass neben der sozialen Frage, die es zu beantworten gelte,  Vielfalt, Austausch und Begegnung gefördert werden müssten, um Vorurteile und Rassismus in der Gesellschaft abzubauen. Der Dialog wurde im Anschluss in fünf  Workshops mit Experten und Teilnehmern in die Praxis umgesetzt. Egal ob Strategien gegen „Hate Speech“ oder das Engagement für Demokratie und Teilhabe – den Teilnehmern wurde das nötige Rüstzeug vermittelt, um auch nach dem Kongress, den Gedanken der gelebten Demokratie in die Betriebe und in die Gesellschaft zu tragen. Für IG BCE-Kollegin Leonie Koch ist klar: „Wir werden uns als Stimme der Jugend für die demokratischen Werte einsetzen!“

Neben dem DGB sind Partner der „Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat - gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt": die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), die Deutsche Bischofskonferenz, der Deutsche Kulturrat e.V., der Deutsche Naturschutzring (Dachverband der deutschen Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen - DNR), der Deutsche Olympischer Sportbund (DOSB), die Evangelische Kirche in Deutschland, der Koordinationsrat der Muslime (KRM) sowie der Zentralrat der Juden in Deutschland.

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