Preisverleihung des Jugendwettbewerbs "Die Gelbe Hand 2018/2019" in Dresden

Engagement gegen Rassismus prämiert

Am 18. März  fand in der sächsischen Staatskanzlei in Dresden vor rund 100 Gästen aus Politik, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft die Preisverleihung des bundesweiten Jugendwettbewerbs „Die Gelbe Hand 2018/19“ statt. Der jährlich stattfindende Wettbewerb wird vom gewerkschaftlichen Antirassismus-Verein „Mach‘ meinen Kumpel nicht an! e.V.“ ausgerufen. Prämiert wird das kreative Engagement von Auszubildenden, Berufsschülerinnen und -schülern sowie von den Gewerkschaftsjugenden gegen Rassismus und Rechtsextremismus, für Demokratie, Vielfalt und Solidarität. Die Schirmherrschaft über den Wettbewerb übernahmen in diesem Jahr der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Michael Kretschmer, und die ehemalige Vorsitzende der Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten), Michaela Rosenberger. Den 1. Preis erhielten drei Auszubildende der Deutschen Post AG in Neuss. Der Bezirksjugendausschuss  Dresden-Chemnitz der IG BCE wurde mit dem Sonderpreis der DGB Jugend Sachsen ausgezeichnet.

Jürgen Lösel/Gelbe Hand

Preisträger, Schirmherren, Laudatoren, Redner und Gäste.
26.03.2019
  • Von: Marco Jelic
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"Rassismus ist und bleibt Scheiße – genau das wollten wir zeigen." So prägnant auf den Punkt brachte es Tom Sakschewsky, Mitglied im IG BCE-Bezirksjugendausschuss Dresden-Chemnitz, als er das Video-Projekt vorstellte, dem auf der Preisverleihung des Wettbewerbs "Die Gelbe Hand" der Sonderpreis der DGB Jugend Sachsen verliehen wurde. In ihrem Videosketch zeigen die jungen Mitglieder des BJA Dresden-Chemnitz ein Alltagsgespräch im Pausenraum, in dem ein Kollege eine abfällige, rassistische Bemerkung über im Mittelmeer ertrunkene Geflüchtete macht. Sofort intervenieren die anderen Personen im Raum, indem sie der Äußerung widersprechen, auf mögliche Hilfe für "Rassisten" hinweisen und dabei auf die Internetseite der Gelben Hand verweisen. Mit diesem Sketch stellten die Mitglieder des BJA Dresden-Chemnitz eine typische Situation aus dem betrieblichen Alltag dar und zeigen, wie diesem Rassismus aktiv begegnet werden kann. Ihr Ziel war es, so Sakschewsky, den Grundwert der Solidarität wieder zu stärken. Damit diese Botschaft möglichst viele erreicht, wählten sie das Video-Format, um es schnell und unkompliziert über die sozialen Medien verbreiten zu können. "Das Feedback in den Kommentarspalten unter dem Video war größtenteils negativ – also haben wir alles richtig gemacht!", erklärte Tom Sakschwesky nicht ohne Stolz, denn der BJA Dresden-Chemnitz der IG BCE wolle stets unbequem sein und den Finger in die Wunde legen. Für diese Zivilcourage und die klare Haltung erhielten sie den Sonderpreis der DGB Jugend Sachsen.

Jürgen Lösel/Gelbe Hand

Der Bezirksjugendausschuss  Dresden-Chemnitz der IG BCE wurde mit dem Sonderpreis der DGB-Jugend Sachsen ausgezeichnet.

Den Preis überreichte Marlen Schröder, Bezirksjugendsekretärin des DGB Sachsen. Der Videosketch mit dem rassistischen Alltagsdialog im Pausenraum rege zum Nachdenken an, so Marlen Schröder. Die couragierte Gegenreaktion mache Mut und stärke die Solidarität, "die der Klebstoff für ein demokratisches Miteinander ist".

Den 1. Preis erhielten die Auszubildenden Esra Güven, Kimberly Mager und Julian Neuss der Deutschen Post AG in Neuss mit ihrer Präsentation "Hier stört anders sein nicht". Dabei zeigen sie, welche Stationen ein Brief durchlaufen muss, um von A nach B zu kommen, und wie viele unterschiedliche Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht und Herkunft daran beteiligt sind. Damit senden die Azubis eine klare Botschaft: Vielfalt ist eine Stärke im Betrieb und Rassismus hat dort nichts zu suchen.

Jürgen Lösel/Gelbe Hand

Der 1. Preis ging an  die Auszubildenden der Deutsche Post.

Laudator war Ministerpräsident Michael Kretschmer. Er betonte die Bedeutung des jugendlichen Engagements: "Es ist wichtig, dass wir uns alle tagtäglich gemeinsam für ein gutes Miteinander und Zusammenhalt einsetzen. Für Fremdenfeindlichkeit und Rassismus darf kein Platz in unserer Gesellschaft sein. Der Wettbewerb ‚Die Gelbe Hand‘ unterstützt diese Ziele und fördert die aktive Auseinandersetzung junger Menschen mit diesen Themen am Arbeitsplatz."

Der 2. Preis ging an die Berufsschulklasse der BBS Technik Cloppenburg. In einem selbstgedrehten Video machen sie auf Diskriminierungssituationen  im Alltag - egal ob beim Einkaufen, im Straßenverkehr oder im persönlichen Gespräch - aufmerksam. Der 3. Preis wurde an die Maler- und Lackierer-Azubis der Eugen-Reintjes-Schule Hameln vergeben für ihre Collage "Unsere Nationalität? – Mensch!", die in Form einer großen Schauplatte sichtbar für alle im Schulgebäude angebracht wurde. Für beide Preise hielt Michaela Rosenberger, ehemalige Vorsitzende der NGG die Laudatio: "Als Gewerkschaften leisten wir unseren Beitrag in den Betrieben im Kampf für gleiche Arbeitsbedingungen und gegen Diskriminierung in der Arbeitswelt. Es macht Mut zu sehen, wie viele Beiträge prämiert wurden. Es zeigt, dass junge Menschen die freie und offene Gesellschaft und die Vielfalt am Arbeitsplatz verteidigen!"

Der Sonderpreis Sachsen ging an die Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Schulzentrums Wurzen für ihren internationalen Austausch mit Schulen aus Litauen und Norwegen und der Beschäftigung mit der NS-Zeit im Projekt "Gemeinsame Geschichte und gemeinsame Zukunft in Europa".

Den Sonderpreis der DGB Jugend Nordrhein-Westfalen bekam die DGB Hochschulgruppe Hochschule Rhein-Waal Kleve und Kamp-Lintfort für ihre Aktionswoche #BeVocal, bei der Rassismus in der Hochschullandschaft u.a. mit einer Fotoaktion thematisiert wird. Laudator war Fabian Kuntke, DGB Jugendbildungsreferent Niederrhein: "Diskriminierung und Alltagsrassismus sind ernstzunehmende Probleme. Durch die Aktionswoche soll Rassismus sichtbar gemacht und dafür sensibilisiert werden."

Die Preise wurden jeweils von Schirmfrau und –herr, sowie von den Laudatoren gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Kumpelvereins, Giovanni Pollice, überreicht. Er lobte den Einsatz der Jugend für Demokratie und Vielfalt: "Die Rechten stellen eine ernste Bedrohung für unser demokratisches und soziales Gemeinwesen in Deutschland und Europa dar. Wir Demokratinnen und Demokraten brauchen ein gerades Kreuz. Nicht wegschauen, sondern handeln und sich einmischen! Wir dürfen nicht zulassen, dass Rechtsextreme und Rassisten unser Land erneut kaputt machen! Das Engagement der Jugend macht dabei Mut!" Engagiert zeigten sich die Jugendlichen auch in der abschließenden Diskussionsrunde mit Ministerpräsident Kretschmer, der sich den kritischen Fragen zur Integration von Geflüchteten und Rechtsextremismus in Sachsen stellte. In ihrem Schlusswort verwies die Geschäftsführerin Dr. Klaudia Tietze auf Werte der Vielfalt und Solidarität, die es zu verteidigen gelte. Das Engagement der Preisträgerinnen und Preisträger sei dabei "das Fundament unserer Demokratie".

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