EuroMaint Rail

Schnüffelattacke auf Betriebsrat kostete 47.000 Euro

Bei EuroMaint Rail, einem Eisenbahn-Instandhaltungsunternehmen, setzte die Geschäftsführung einen Privatdetektiv auf den Betriebsratsvorsitzenden an. Die Beschäftigten sind empört, die Gewerkschaften fordern Aufklärung.

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Schmutziges Mittel: Immer häufiger hetzten Arbeitgeber Betriebsräten Privatdetektive auf den Hals. Schmutziges Mittel: Immer häufiger hetzten Arbeitgeber Betriebsräten Privatdetektive auf den Hals.
07.07.2015
  • Von: Bernd Kupilas
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Torsten Falke ist fassungslos: "Wenn das Schule macht", sagt er, "dann können wir die Betriebsratsarbeit in Deutschland einstellen." Falke ist Leiter des Bezirks Augsburg der IG BCE. Was ihn empört, ist ein Skandal bei EuroMaint Rail, einem Eisenbahn-Instandhaltungsunternehmen. Dort hat die Geschäftsführung einen Privatdetektiv auf den Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Franz-Josef Groß angesetzt.

Das Unternehmen ist in einer schwierigen Situation, die Geschäftsführung hat im vergangenen Jahr das Weihnachtsgeld gestrichen - trotzt geltender Tarifverträge. Dagegen wehrt sich die Belegschaft mit einem standhaftem Betriebsratsvorsitzenden und drei beteiligten Gewerkschaften: Neben der IG BCE sind die Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und die IG Metall mit im Boot. Sie bilden dort eine Tarifgemeinschaft, die aus der Geschichte des Unternehmens entstanden ist: Aus fünf Werken mit drei Gewerkschaften entstand mit EuroMaint Rail eine neue Firma. Die IG BCE vertritt die Beschäftigten des Werks im niederbayerischen Oberhausen.

Ziel des Arbeitgebers: Widerstand brechen

Das Kalkül des Arbeitgebers für die Schnüffelattacke ist den Gewerkschaften klar: Ist erst der Kopf der Gegenwehr weg, bricht auch der Widerstand in der Belegschaft zusammen. Das Unternehmen erklärt, es hätte ein Interesse gehabt herauszufinden, „ob der Gesamtbetriebsratsvorsitzende seinen Amtsanforderungen (...) nachkommt, oder ob nicht Drittinteressen während der Arbeitszeit wahrgenommen werden“. Übersetzt heißt das: EuroMaint Rail wollte Groß eine Verfehlung anhängen - um ihn kündigen zu können.

Lange bestritt das Unternehmen die Überwachung, hat sie mittlerweile aber zugegeben und sich bei Groß entschuldigt. Die Hinweise waren zu erdrückend. Den Gewerkschaften liegen Rechnungen einer Detektei über 47.000 Euro vor. Angesichts des gestrichenen Weihnachtsgeldes ist die Empörung im Betrieb groß. Der Personalleiter musste mittlerweile gehen - wenn auch offiziell aus anderen Gründen.

Betriebsrat und Gewerkschaften bei EuroMaint Rail pochen nun darauf, die gesammelten Daten einzusehen und haben einen Anwalt eingeschaltet. Das Unternehmen mauert. "So etwas können wir uns als Gewerkschaft nicht gefallen lassen", sagt IG BCE-Bezirksleiter Falke.
 

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