Schuhindustrie

Es geht voran

Die Verhandlungen in der Schuhindustrie sind in vollem Gang. Ein erster Abschluss liegt bereits vor — weitere sollen folgen. Doch der Arbeitgeberverband blockiert bisher die Verhandlungen.

Adidas

In der Schuhindustrie arbeiten 13 000 Beschäftigte, die auf eine Lösung in den Verhandlungen warten. In der Schuhindustrie arbeiten 13 000 Beschäftigte, die auf eine Lösung in den Verhandlungen warten — eine Einigung ist greifbar.
28.03.2017
  • Von: Alexander Reupke
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Der Frühling ist da, die Winterkleidung wird im Schrank verstaut und die Frühlingsschuhe können etwas luftiger sein. Bei vielen der 13 000 Beschäftigten in der Schuhindustrie mag die Frühlingsstimmung aber noch nicht recht aufkommen. Denn die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern sind noch in vollem Gang – aber es zeichnen sich Einigungen ab. Und ein Abschluss liegt bereits vor.

Rückblick: Ende vergangenen Jahres kündigte die IG BCE den Manteltarifvertrag für die Branche der Schuhindustrie. Deutlich zu lange Arbeitszeiten, überholte Inhalte und zu wenig Geld in den Taschen der Beschäftigten – so sah der Vertrag aus. Und der Arbeitgeberverband blockierte jahrelang alle Modernisierungsversuche. Deshalb entschied sich die IG BCE Ende 2016 zur Kündigung und für Haustarifverhandlungen mit den einzelnen Arbeitgebern. Einige der bundesweit zehn Tarifkommissionen haben bereits Forderungen aufgestellt. Der Arbeitgeberverband blockiert allerdings bisher jegliche Verhandlungen. Er hat seine Mitglieder dazu aufgerufen, keine Haustarifverträge mit der IG BCE abzuschließen.

Ein erster Abschluss liegt vor

Trotzdem gibt es bei der Salamander Industrie-Produkte in Türkheim, einem inhabergeführten Unternehmen, den ersten erfolgreichen Abschluss. "Die Inhaber haben sich nicht an der Blockadehaltung des Verbandes beteiligt", sagt Frieder Weissenborn, IG-BCE-Verhandlungsführer. Der Abschluss steht: Die Löhne und Gehälter werden in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent erhöht. Der Vertrag läuft bis zum 30. September 2019.

Die Gespräche verliefen zuvor zäh; beinahe wäre es zu Arbeitskampfmaßnahmen gekommen, doch dann bewegte sich die Arbeitgeberseite. Salamander zahlte in der Vergangenheit eine Zulage in Höhe von 25 Prozent auf den Stundenlohn. Unser wichtigstes Ziel war es, diese freiwillige Zulage für alle Mitarbeiter tariflich zu garantieren«, sagt Rupert Gleich, Betriebsratsvorsitzender bei der Salamander Industrie-Produkte. Jetzt steht fest: Die Salamander-Zulage wird rückwirkend ab 1. Januar 2017 Bestandteil des Stundenlohns. Damit wird sie bei Tariferhöhungen berücksichtigt und wirkt sich auch bei der Berechnung von Zulagen positiv aus.

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Die Verhandlungen mit den einzelnen Schuhherstellern laufen. Die Verhandlungen mit den einzelnen Schuhherstellern laufen.

Doch Salamander ist ein Sonderfall: Schon seit Jahren werden dort keine Schuhe mehr produziert, sondern Kunststoffprodukte, etwa Kunststofffenster, oder bei der Salamander Bonded Leather GmbH Ledereinbände für Bücher. Langfristig sollte bei Salamander der Tarifvertrag für die Kunststoffindustrie in Bayern greifen, der wesentlich moderner ist und den Beschäftigten mehr Geld bringt als der bisherige Schuhtarifvertrag. Die Tarifkommission wird nun bis Ende 2018 über einen hausinternen Manteltarifvertrag verhandeln. Der gekündigte Manteltarifvertrag der Schuhindustrie bleibt bis dahin in Kraft.

Bei Puma und Adidas sollen die Verhandlungen ebenfalls aufgenommen werden. Noch gibt es keine offiziellen Tarifverhandlungen mit den Unternehmen, aber es gibt Sondierungsgespräche. »Ich bin optimistisch, dass wir am Ende gute Ergebnisse erzielen werden«, sagt Roland Nosko, IG-BCE-Bezirksleiter in Nürnberg. Bei Lloyd im niedersächsischen Sulingen liegt bereits eine Forderung auf dem Tisch. Die Tarifkommission fordert 6 Prozent mehr Entgelt, zwei zusätzliche Urlaubstage für Gewerkschaftsmitglieder sowie den Wiedereinstieg in eine rein arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung. Ein Sondierungsgespräch hat schon stattgefunden. »Wir stehen kurz vor der Aufnahme von Tarifverhandlungen«, sagt Gerhard Beich, Betriebsratsvorsitzender bei Lloyd. Sollten die Gespräche doch scheitern, sind Tarifaktionen bereits vorbereitet und bei der Stadt Sulingen angemeldet.

Auch in die Verhandlungen mit dem Schuhverband kommt endlich Bewegung. Die Forderungen der IG BCE sind klar: Eine Trennung zwischen Angestellten und gewerblichen Beschäftigten wie im gekündigten Manteltarifvertrag soll es künftig nicht mehr geben. Die Arbeitszeiten sollen weniger starr, sondern flexibler für die Beschäftigten ausgestaltet sein. Der Verband hat sich auf die Position der IG BCE zubewegt, eine Entscheidung lag zu Redaktionsschluss (23. März) noch nicht vor.

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