IG BCE aktuell 01-15

Energiewende: Zustimmung bröckelt

Die Mehrheit der Bundesbürger steht noch hinter der Energiewende, aber ihre holprige Umsetzung lässt die Zustimmung sinken. In der energieintensiven Industrie nimmt die Sorge um Versorgungssicherheit und Preisstabilität zu, der Vertrauensverlust ist dramatisch.

iStock, José Luis Gutiérrez

Kompass
28.01.2015

Die Mehrheit der Bevölkerung und der Unternehmen in Deutschland steht weiter hinter den Zielen der Energiewende. Allerdings geht die Zustimmung stark zurück. Dies hat die jüngste Erhebung zum "Deutschen Energie-Kompass" ergeben. Der "Energie-Kompass" beruht auf einer repräsentativen Befragung, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest im November im Auftrag des Innovationsforums Energiewende (If.E) durchgeführt hat.

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Bewertung der Energiewende

Ablehnung droht

Demnach befürworten 57 Prozent der Bevölkerung die Ziele der Energiewende. Im Jahr 2013 lag die Zustimmung noch bei 68 Prozent. Der Rückgang hat nicht zuletzt damit zu tun, wie die Umsetzung der Energiewende gesehen wird: Nur 19 Prozent der Befragten bewerten das politische Management als gut. 78 Prozent finden, dass das Großprojekt nur mäßig bis sehr schlecht umgesetzt wird. "Wenn sich dieser Trend verfestigt, dann wird aus der prinzipiellen Zustimmung zur Energiewende eine reale Ablehnung", warnt der If.E-Vorsitzende Michael Vassiliadis, zugleich Vorsitzender der IG BCE. 

Auch bei der Gewichtung der Ziele gibt es Unstimmigkeiten: Während sich die Politik vor allem auf das Erreichen von Klimaschutzzielen konzentriert, sind für die Bürgerinnen und Bürger auch drei andere Punkte von besonderer Bedeutung. Ihnen geht es auch um die Schaffung und Sicherung von guten Arbeitsplätzen, sie wollen die Belastung künftiger Generationen vermeiden und wünschen sich, dass die Landschaft nicht durch Anlagen und Leitungen entstellt wird.

Noch stehen die Unternehmen insgesamt zu 57 Prozent hinter der Energiewende, die Betriebsräte sehen das Projekt mit 47 Prozent Zustimmungen zurückhaltender. Das politische Management findet hingegen sowohl bei Unternehmen (9 Prozent) als auch bei den Betriebsräten (5 Prozent) nur sehr wenig Zustimmung.

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Bewertung Umsetzung der Energiewende durch Politik

Vertrauensverlust bei energieintensiver Industrie

Viel Vertrauen hat die Energiewende bei der energieintensiven Industrie eingebüßt. Nur noch ein Viertel (26 Prozent) dieser Unternehmen sehen das Projekt positiv. Das sind 13 Prozentpunkte weniger als noch 2012. Nur vier Prozent stellen der Bundesregierung bei der Umsetzung ein positives Zeugnis aus. Zu erklären ist dieser Vertrauensverlust auch mit den Diskussionen über weitere CO2-Einsparungen und die Stilllegung fossiler Kraftwerke. "Eine ausschließliche Orientierung der Energiepolitik an überaus ambitionierten Klimazielen würde zu einem weiteren, wirtschaftlich und sozial nicht zu verantwortbaren Anstieg der Strompreise führen", sagt Michael Vassiliadis.

Die Ergebnisse der Befragung zeigen: Der beschlossene Atomausstieg und die Diskussion um die Kohleenergie verursachen auf Seiten der Unternehmen schon heute Sorgen um Preisstabilität und Versorgungssicherheit auf dem Strommarkt. "Wir erwarten, dass die Bundesregierung in der weiteren Gestaltung der Energiewende mehr Wert auf stabile Preise und gute Arbeit legt", sagt Michael Vassiliadis. Das sei wirtschaftlich wie sozial geboten, und zudem die Voraussetzung, dass die Energiewende in Zukunft wieder mehr Akzeptanz in der Bevölkerung und insbesondere in der energieintensiven Industrie finde.

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