Einer von uns

Durchhalten bis zum Ziel

Richard Narr fährt leidenschaftlich gern mit dem Rennrad. Der 76-Jährige nimmt noch regelmäßig an Wettbewerben teil.

Helge Krückeberg

"Der innere Schweinhund darf nicht mehr anklopfen", sagt Richard Narr. "Der innere Schweinhund darf nicht mehr anklopfen", sagt Richard Narr.
28.09.2016
  • Von: Alexander Reupke

In diesem Jahr nimmt Richard Narr zum letzten Mal an einem Radmarathon in Österreich teil. Für ihn ist dieser anspruchsvolle Wettbewerb aus einem ganz bestimmten Grund wichtig: Seine Tochter, der Schwiegersohn und seine drei Enkelkinder wohnen in der Nähe der Strecke und feuern ihn jedes Jahr vom Straßenrand aus an – auch seine Frau ist oft mit dabei. "Das ist ermutigend, sonst würde ich wahrscheinlich gar nicht mehr fahren", sagt Narr.

Vor vier Jahren war nicht klar, ob Narr je wieder aufs Rennrad steigen konnte. Er drehte im Harz seine Runden, es ging steil bergab. Plötzlich riss der Ring an seinem Vorderrad, der zuvor die Speichen zusammenhielt. Narr stürzte über den Lenker und verletzte sich so schwer, dass ihn ein Rettungswagen in die Medizinische Hochschule Hannover bringen musste. Drei lange Wochen verbrachte er im Krankenhaus. Die Ärzte ordneten an: Narr dürfe sich für mindestens acht Monate auf keinen Fahrradsattel setzen.

Schon mit 18 Jahren bekam er sein erstes Rennrad. Seitdem nahm er immer wieder an Wettbewerben teil – bis zum Unfall. Doch Richard Narr gab nicht so schnell auf: Er drehte zunächst Runden auf seinem Garagenhof, dann auf Straßen. Letztlich fuhr er sogar wieder Rennen.

"Die Angst schwang schon mit, als ich dicht an dicht mit den anderen gefahren bin", sagt der 76-Jährige. Das regelmäßige Training schaffe ohnehin nur die Kondition, alles andere spiele sich im Kopf ab, so Narr weiter. Sein Motto: "Der innere Schweinehund darf nicht mehr anklopfen."

Noch länger als für Rennräder begeistert er sich für Politik und setzt sich für seine Mitmenschen ein: Vor 60 Jahren tritt er der Gewerkschaft bei, zehn Jahre später der SPD. 1972 wird er Gewerkschaftssekretär bei der IG Chemie-Papier-Keramik, der Vorgängerorganisation der IG BCE. Seit er sich 1999 aus dem Arbeitsleben verabschiedet hat, engagiert er sich weiterhin in zahlreichen Organisationen ehrenamtlich, unter anderem bei der Arbeiterwohlfahrt. "Ich bin schon immer ein politischer Mensch gewesen", sagt er über sich selbst. Sportlich ist er genauso ausdauernd: Seit 1999 fuhr er mehr als 100 000 Kilometer mit dem Fahrrad – umgerechnet zweieinhalb Mal um die Erde.

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