Einer von uns

Stein-Sound für die Ewigkeit

"Die Zufriedenheit in den Gesichtern der Menschen gibt mir viel.", sagt Stefan Schramm Instandhalter bei B. Braun Melsungen - und baut in seiner Freizeit Boxen aus Spezialbeton.

Heiko Meyer

30.06.2014
  • Von: Alexander Reupke
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Wohltemperierter Jazz füllt den Raum – aus ungewöhnlichen Lautsprecherboxen. Stefan Schramm, gelernter Maschinenschlosser, hat sie aus Spezialbeton hergestellt. »Das sind alles Unikate«, sagt der 49-Jährige und deutet in den Ausstellungsraum, in dem verschiedene Lautsprecher zu sehen sind. »Größe, Formoder Farbe: Wir können auf jeden Kundenwunsch individuell eingehen.« Ein weiß meliertes Boxenpaar ist ihm in besonderer Erinnerung geblieben. Es glänzte wie glatter, heller Marmor.

Den Herstellungsprozess hat er in den vergangenen 30 Jahren nahezu perfektioniert: »Kleine Verbesserungen sind immer möglich.« Nur mit einer exakten Arbeitsweise, die Schramm von seinem Beruf als Instandhalter kennt, wird aus dem tristen, grauen Beton ein kleines Klangwunder. Beim geringsten Haarriss allerdings landet das Material in der Tonne – bereits Abweichungen von einem Zehntelmillimeter reichen dafür aus. Mindestens 150 Arbeitsstunden, etwa sieben Wochen braucht Schramm für ein Paar Lautsprecher samt Subwoofer.

Der leidenschaftliche Bastler spielt auch Saxofon. Dabei kam ihm die Idee mit den Betonboxen. Da das Material keine Eigenschwingung besitzt, lässt sich ein perfekter Sound erzeugen. Ein Lautsprecher kann mit einer geringen Wattzahl eine hohe Leistung erzielen – weil im Inneren nichts »verloren« geht.

Viele zeitaufwendige Schritte sind bis zum fertigen Produkt nötig: Zunächst wird eine Form gefertigt, in die der Spezialbeton gegossen wird. Die sechs verschiedenen Zutaten sind geheim. Anschließend wird gerüttelt, um die Formn vom Beton zu trennen. Als Schramm noch mit normalem Beton und nicht mit einem einzigen Guss gearbeitet hat, gab es dabei viele Risse und Brüche. Seit dem ersten Einsatz des neuen Betons vor etwa zehn Jahren klappt alles fast fehlerfrei. Dann wird getrocknet, imprägniert, wieder getrocknet und makellos glatt poliert. Schramm, der seit 33 Jahren Mitglied
der IG BCE ist, ist Beständigkeit wichtig. »Die Zufriedenheit in den Gesichtern der Menschen, wenn sie dem Sound aus den Boxen lauschen, gibt mir viel«, sagt er. Die Musik werde die Besitzer ein Leben lang erfreuen.

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