Kongress-Song

Eine Hymne auf die Vielfalt

Wie aus einer spontanen Idee ein viel umjubeltes Kunstprojekt wurde: Der Demokratie-Song der IG BCE war ein Highlight des Gewerkschaftskongresses. Online kann ihn inzwischen jedermann hören.

Stefan Koch

Auf dem Kongress wurde das Lied als musikalischer Ausklang vom Ruhrkohle-Chor, der Sängerin Samira Saygili und Komponist und Gitarrist Peter Autschbach gespielt.
27.10.2017
  • Von: Sascha Schrader
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Der erste Kontakt des Gitarristen und Komponisten Peter Autschbach zur IG BCE ergab sich bei einem seiner Workshops, bei dem Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE und leidenschaftlicher Gitarrist, im Sommer 2016 teilnahm. Kurz entschlossen wurde Autschbach gefragt, ob er sich eine Zusammenarbeit vorstellen könne und er stimmte, ohne Genaueres zu wissen, gerne zu.

Anfang des Jahres 2017 kam dann eine offizielle Anfrage der Gewerkschaft zur Komposition eines Liedes über Demokratie.

"Das ganze Ausmaß war da noch gar nicht absehbar", erklärt Autschbach. Er ging davon aus, er solle nur einen Song komponieren. Dazu stellte er die erste Roh-Version als MP3 zur Verfügung, auf dem zunächst nur seine Gitarre und die Stimme von Samira Saygili zu hören war. Bei der Gewerkschaft war man zwar begeistert von Text und Melodie, aber mit über sechs Minuten erschien das Lied zu lang. Autschbach war jedoch von seiner Arbeit überzeugt und kämpfte für die volle Länge. "Das Demo ist ja nur eine Skizze, das klingt in einem passenden Arrangement ganz anders", betonte er.

Carsten Weiss vom KulturBüro Weiss, der als kultureller Projektleiter den Gewerkschaftskongress mit organisiert hat, brachte die Chöre ins Spiel. Schnell gefunden und begeistert war der Ruhrkohle-Chor; ein Kinderchor wäre dazu nicht nur eine willkommene Ergänzung, sondern eine echte Bereicherung. »Wir wollten den gediegenen, kraftvollen Männerstimmen die klaren, hellen Kinderstimmen gegenüberstellen«, sagt Weiss. "Es sollte einfach bunt sein."

Autschbach wollte Streicher und eine Band. So wurde aus dem Song langsam, aber sicher eine Hymne. Irgendwann stellten die Beteiligten dann fest, dass es zu komplex wird, wenn keiner verantwortlich leitet. So wurde aus dem Auftragskomponisten Autschbach ein künstlerischer Leiter.

Auch um die Organisation und Koordination kümmerte er sich. "Es war irre schwierig, die Leute unter einen Hut zu bringen. Es gab zwar zahlreiche Proben und Einspielungen, aber die erste wirkliche  gemeinsame Probe war die Generalprobe." Denn bei rund 70 Projektbeteiligten ist es schier unmöglich, gemeinsame Termine mit allen zu finden. Schon gar nicht mit den 21 Kindern der Krupp-Kids aus Duisburg-Rheinhausen, die als Minderjährige besondere Betreuung benötigen.

Helge Krückeberg

Ab sofort kann jeder den Song auf der Website der IG BCE im Stream hören und im Video sehen, am 17. November erscheint die CD "Wir sind Demokratie" mit zwei Bonus-Tracks offiziell im Handel.
Auch musikalisch braucht es Erfahrung, die große Zahl der Beteiligten sinnvoll zu verbinden. "Die besondere Herausforderung bestand darin, den Männerchor harmonisch mit den Frauenstimmen zu kombinieren", sagt Autschbach. Denn die Hauptfiguren sollten Frauenstimmen spielen, da waren sich alle einig. "Die beiden Sängerinnen Samira Saygili und Sabine Kühlich harmonieren perfekt. Sie verstehen sich fast wie Schwestern, ohne jegliches Konkurrenzdenken ", so Autschbach weiter. "Ich habe mich dann dafür entschieden, den Frauenstimmen eine kraftvolle Unterstützung durch den Ruhrkohle-Chor zu geben." In der Schlussphase kommt dann der Kinderchor dazu, "da geht einem das Herz auf".

 In der künstlerischen Leitung wurde ihm große Freiheit gewährt, nicht nur bei der Auswahl der Musiker, auch bei der Komposition und dem grundsätzlichen Inhalt. Den Kern des Songs bildet für ihn die Zeile "Demokratie, das sind wir alle. Du und du und du."

Autschbach: "Das ist mir bei der Recherche ins Auge gefallen und hängen geblieben. Darum herum habe ich dann den Text geschrieben." Und der fand große Zustimmung bei allen Beteiligten. Allerdings gab es die eine oder andere Passage, die überarbeitet werden sollte. "Nicht, weil die Inhalte nicht passten. Manche Formulierung war dann doch zu flapsig", erklärt Autschbach.

Herausgekommen ist eine große Hymne, kraftvoll und emotional. "So ein Song kann Menschen bewegen", stellt Autschbach zufrieden fest. Bei der Eröffnungsfeier hat er die Delegierten und Gäste der IG BCE schon bewegt, es gab minutenlangen und stürmischen Applaus.

Der Demokratie-Song zum Anhören:

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