Arbeit 4.0

So sehen Beschäftigte die Digitalisierung

Mehr Zeitdruck, aber Potenzial für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und mehr Entscheidungsspielräume: Die Beschäftigten beurteilen die Auswirkungen der Digitalisierung auf ihre Arbeit sehr unterschiedlich. Das Potenzial werde bisher noch zu wenig im Interesse der Beschäftigten genutzt, sagt Rolf Schmucker, Leiter des Instituts DGB-Index Gute Arbeit.

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 Rolf Schmucker, Leiter des Instituts DGB-Index Gute Arbeit. Rolf Schmucker, Leiter des Instituts DGB-Index Gute Arbeit.
22.01.2018
  • Von: Alexander Reupke
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Welche Branchen sind besonders von der Digitalisierung betroffen?

Vier von fünf Befragten des DGB-Index Gute Arbeit sagen, dass Digitalisierung eine Rolle bei ihrer Arbeit spielt. Das verteilt sich etwa gleich auf die Dienstleistungs- und die Industriebranche. Die Chemiebranche liegt etwas über dem Durchschnitt. Die Art der Digitalisierung unterscheidet sich nach Branchen: Man sieht zum Beispiel in der Chemiebranche oder auch in der Metallbranche, dass dort die Arbeit mit computergesteuerten Maschinen oder Robotern deutlich häufiger auftritt, als in anderen Bereichen. In der Chemiebranche betrifft das fast jeden zweiten Beschäftigten.

Fühlern sich die Beschäftigten gegenüber den zunehmenden Umwälzungen gewappnet?

Es gibt ein großes Defizit bei der Entwicklung der Digitalisierung. Die Beschäftigten werden überwiegend gar nicht einbezogen, wenn es darum geht, den Arbeitsplatz zu verändern. Drei Viertel der Befragten sagen, dass sie gar keinen oder kaum Einfluss darauf haben, wie digitale Technik eingesetzt wird. Wenn Beschäftigte als Experten ihres eigenen Arbeitens nicht gefragt werden, ist die Gefahr groß, dass die Veränderungen zu ihren Lasten gehen.

Führt die Digitalisierung in den Augen der Beschäftigten zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Das ist eines der Themen, bei dem oft davon ausgegangen wird, dass Digitalisierung für Fortschritte sorgt. Unsere Zahlen bestätigen das nur teilweise. Der größte Teil der Beschäftigten sagt, bei der Vereinbarkeit hat sich nichts geändert. Das sind etwa zwei Drittel. Von den Beschäftigten die eine Änderung sehen, sieht die Mehrheit eine bessere Vereinbarkeit. Das sind 21 Prozent. 11 Prozent der Befragten sagen, die Vereinbarkeit sei schlechter geworden. Das Ergebnis zeigt, dass da Potenzial vorhanden ist. Stichwort mobiles und flexibles Arbeiten. Bisher wird das noch zu wenig im Interesse der Beschäftigten genutzt.

Erleichtern die digitalen Werkzeuge den Beschäftigten ihre Arbeit?

Der Befund ist relativ eindeutig: 46 Prozent sagen, dass die Arbeitsbelastung größer geworden ist und nur 9 Prozent sagen, dass sie geringer geworden ist. Die Hoffnung, dass die digitale Technik zu Erleichterungen führt, hat sich für einen großen Teil der Beschäftigten nicht bestätigt. Im Gegenteil – sie nehmen eher eine Arbeitsintensivierung wahr. Diejenigen, die in hohem Maße digital arbeiten, klagen deutlich häufiger über Zeitdruck bei der Arbeit als diejenigen, die nur in geringem Maße oder gar nicht digitalisiert arbeiten.

Sehen die Beschäftigten in der Digitalisierung eher eine Chance oder ein Risiko für ihren eigenen Arbeitsplatz?

Wir haben momentan eine gute Arbeitsmarktlage, wo die Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz relativ schwach ausgeprägt sind. 11 Prozent der Befragten sagen, sie machen sich große Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Wenn man sich die Gruppe der digitalisiert Arbeitenden anguckt, dann sieht man, dass dieser Anteil leicht erhöht ist. Das hängt vor allem mit dem Qualifikationsniveau zusammen. Vor allem diejenigen machen sich Sorgen, die ein niedrigeres Qualifikationsniveau haben. Bei den Helfertätigkeiten macht sich ein Viertel große Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz. Bei den Spezialisten liegt der Anteil unter 10 Prozent. Es scheint vor allem mit der Qualifikation zu tun zu haben, stärker noch als mit der digitalen Technik selbst. In den Branchen, die sehr stark digitalisiert sind, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, sind die Sorgen um den Arbeitsplatz am stärksten ausgeprägt. Auch im Fahrzeugbau ist das deutlich überdurchschnittlich. Die Chemiebranche liegt hier etwa im Durchschnitt der Befragten.

Gibt es Sorgen bei den Beschäftigten, was die Kontrolle durch den Arbeitgeber angeht?

Diese Sorgen sind recht stark ausgeprägt. Fast die Hälfte sagt, die Überwachung und Kontrolle ihrer Arbeit ist größer geworden. Das sind 46 Prozent. Nur vier Prozent sagen, es ist weniger geworden. Das überrascht wenig, wenn man bedenkt, dass durch digitale Technik jeder einzelne Arbeitsschritt erfassbar und kontrollierbar ist.

Hat der Gesetzgeber genug getan, um die Beschäftigten zu schützen?

Aus unserer Sicht ist es notwendig, den Datenschutz genau für diesen Aspekt der Digitalisierung in der Arbeit durch einen verstärkten Arbeitnehmerdatenschutz zu verstärken. Der gläserne Beschäftigte kann nicht das Ziel sein. Das entspricht nicht den Vorstellungen von Guter Arbeit.

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Entscheidungsspielräume der Mitarbeiter aus?

Wir haben insgesamt mehr Beschäftigte, die in der Digitalisierung eine Erweiterung ihrer Entscheidungsspielräume in der Arbeit sehen. Das ist ein positiver Aspekt für die Arbeitsgestaltung, wenn die Beschäftigten Autonomie und Handlungsspielraum haben. 27 Prozent der Befragten sagen, sie haben mehr Entscheidungsspielräume in ihrer Arbeit; 13 Prozent sagen, der Spielraum ist kleiner geworden; 60 Prozent sagen, es hat sich gar nichts geändert. Auch hier gilt. Es gibt eine Tendenz, dass größere Handlungsspielräume für die Beschäftigten entstehen.

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