5 Fragen an Edeltraud Glänzer

Die Arbeit der Zukunft gestalten

Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis haben zwei Jahre lang zur „Arbeit der Zukunft“ geforscht. Jetzt haben sie ihren Abschlussbericht vorgelegt. Wir sprachen mit Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, über die Arbeit der Kommission, deren Mitglied sie ist.

Franz Bischof

06.07.2017
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Welche Frage(n) hat die Kommission besonders umgetrieben?

Die Kommission hat sich in insgesamt sieben Sitzungen mit ganz unterschiedlichen Fragen beschäftigt. Es ging uns um Arbeitszeit und Einkommen, die Frage, wie Arbeit und Leben in Balance gehalten werden können, wie wir mit der Erosion des Normalarbeitsverhältnisses umgehen und welche Vorschläge wir für Jugend, Migration und Qualifizierung machen. Das Spektrum war also enorm. All diese Fragen haben wir anhand von vier Perspektiven diskutiert: Digitalisierung, Feminisierung, Demografie und Werte.

Wie groß war der Konsens bei 32 Mitgliedern aus unterschiedlichen Bereichen – und worin besonders?

Es gab und gibt natürlich eine Reihe von ganz unterschiedlichen Auffassungen. Das ist normal, wenn Gewerkschafter/-innen, Betriebspraktiker/-innen, Wissenschaftler/-innen und Politik zusammen kommen. Schon innerhalb der Gewerkschaftsbewegung gibt es ja unterschiedliche Schwerpunktsetzungen. Für uns zum Beispiel ist das Thema Wanderarbeiter/-innen überhaupt kein Thema. Bei den Kolleg(inn)en der IG BAU dagegen schon. Das hat die Debatten in den Kommissionssitzungen insgesamt belebt und spannend gemacht. Außerdem hatte das für alle Beteiligten auch einen Lerneffekt – wir haben nicht nur voneinander gelernt, sondern insbesondere der Politik und der Wissenschaft unsere Erfahrungen näher bringen können.

 Wie befruchtend für die Diskussion war die Zusammensetzung der Kommission, deren Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Disziplinen kommen, und in welcher Weise?

Entwicklung setzt voraus, dass sich unterschiedliche Disziplinen an einen Tisch setzen und ihre Argumente austauschen. Wir müssen raus aus unseren eigenen Strukturen, wenn wir Megathemen im Sinne unserer Kolleginnen und Kollegen anpacken wollen. Deshalb bin ich der Hans-Böckler-Stiftung und dem DGB auch sehr dankbar, dass sie diese Kommission ins Leben gerufen haben. Und dass wir mit Ralf Giesen, Alfred Geisler, Wolfgang Daniel (teilweise) und mir die Kommissionsarbeit mitgestaltet konnten.

Worin besteht, als ein Ergebnis der Beratungen, der größte Handlungsbedarf für die Zukunft?

Das lässt sich leicht beantworten: Digitalisierung und Arbeiten 4.0. Genau deshalb haben wir dieses Thema zum Schwerpunkt unserer Arbeit gemacht. Das gilt für unsere Offensive Mitbestimmung mit den vielen verschiedenen Veranstaltungen genauso wie für den industriepolitischen Bereich und die Arbeits- und Tarifpolitik.

Worin bestehen vor allem die Aufgaben der Gewerkschaften?

Zum Beispiel beim Thema Betriebsrätequalifizierung: Das gilt aktuell ganz besonders, weil wir mit den Vorbereitungen auf die Betriebsratswahlen im kommenden Jahr bereits begonnen haben. Und da spielen solche Punkte wie, wie schaffen wir es ausreichend und gut qualifizierten Nachwuchs zu finden, wie bilden sich verändernde Belegschaftsstrukturen in den Gremien ab und vieles mehr, eine große Rolle.

Herausforderungen durch die Veränderungen in der Arbeitswelt erfordern Gestaltungswillen und Gestaltungskraft. Beides haben wir! Wir müssen aber noch viel mehr tun. Wir brauchen mehr Mitbestimmung, um diese Herausforderungen auch rechtlich meistern zu können. So sind wir seit längerem in der Diskussion mit der Politik und erwarten ein klares Bekenntnis zur Mitbestimmung. Nach den Bundestagswahlen kommt dann hoffentlich wieder mehr Dynamik in die Debatte. Außerdem brauchen wir Expert(inn)enkreise, die unsere Betriebsrätinnen und Betriebsräte – insbesondere aus dem KMU-Bereich – bei diesen Herausforderungen unterstützen. Mit der Hans-Böckler-Stiftung und unserer Mitbestimmungstagung sind wir hier schon Schritte in die richtige Richtung gegangen. Dies gilt es weiter zu intensivieren.

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