Energiewende bei Vattenfall

Beschäftigte fordern Erhalt der Pumpspeicherwerke und ihrer Arbeitsplätze

Sie sind mit Trillerpfeifen und Pappschildern gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen: Mehrere hundert Beschäftigte von Vattenfall haben am 31. August am Pumpspeicherwerk Hohenwarte gegen den drohenden Verlust ihrer Arbeitsplätze demonstriert.

Michael Bader

Mehrere hundert Beschäftigte demonstrierten gegen den drohenden Verlust ihrer Arbeitsplätze. Mehrere hundert Beschäftigte demonstrierten gegen den drohenden Verlust ihrer Arbeitsplätze.
01.09.2017
  • Von: Wolfgang Lenders
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Mit viel Lärm und der Forderung „Mehr Zeit für Veränderung!“ begrüßten die Versammelten zwei Manager von Vattenfall, die aus Schweden zu Gesprächen mit Vertretern des Gesamtbetriebsrats und der IG BCE angereist waren. Das Unternehmen plant, bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze in seinen Pumpspeicherwerken in Deutschland zu streichen und einen großen Teil der Anlagen ganz zu schließen. Absurd, finden die Beschäftigten, können die Pumpspeicherwerke doch genau das, was in Zeiten der Energiewende mehr denn je benötigt wird: Sie speichern zu viel produzierten Strom und speisen ihn bei Strommangel wieder ins Netz ein.

„Die größten Speicher, die wir haben, zu gefährden, ist ziemlich fahrlässig“, sagte Oliver Heinrich, Landesbezirksleiter Nordost der IG BCE, bei der Kundgebung. Er forderte das Management von Vattenfall dazu auf, mit den Speichern dazu beizutragen, dass die Energiewende in Deutschland ein Erfolg wird.

  • Die Demonstranten setzen ein klares Statement für die Bedeutung der Pumpspeicher für die Energiewende.
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    Michael Bader

    Die Demonstranten setzen ein klares Statement für die Bedeutung der Pumpspeicher für die Energiewende.

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Die Demonstranten arbeiten in einer ganzen Reihe von Pumpspeicherwerken, die Vattenfall betreibt, unter anderem in Markersbach, Goldisthal, Niederwartha, Wendefurth, Bleiloch und Hohenwarte. Seit bekannt ist, dass ein großer Teil der Beschäftigten möglicherweise seine Arbeit verliert, ist die Stimmung in den Pumpspeicherwerken mies. Als „gedrückt“ beschreibt sie etwa Frank Weiland, der aus Sorge um die Zukunft zu der Kundgebung gekommen ist. „Die Leute sind frustriert“, sagt Jens Steiner, der im Betrieb in Hohenwarte arbeitet. „50 Prozent von uns werden persönlich betroffen sein, auch wenn wir noch nicht genau wissen, was passiert.“ Sein Anliegen: „Wir wollen zeigen: Wir werden gebraucht.“

So sieht das auch der Betriebsratsvorsitzende Marko Fischer: „Wir sind nicht der Meinung, dass sich unsere Anlagen sicher betreiben lassen mit dem angekündigten – unserer Meinung nach zu geringen – Personalbestand.“ Er forderte den Konzern auf, zu seiner Verantwortung gegenüber den Beschäftigten zu stehen: „Wir werben dafür, langfristig zu denken, auch an die Ausbildung zu denken, und nicht diese Masse an Personal abzubauen. Wenn Personalabbau unumgänglich sein sollte, dann werben wir dafür, dass das sozialverträglich passiert.“ Eine Möglichkeit dazu sei zum Beispiel Altersteilzeit.

Das Problem von Vattenfall: Die Pumpspeicherwerke machen Verluste. Das liegt vor allem daran, dass der Preisunterschied zwischen Zeiten der Überproduktion von Strom und des erhöhten Bedarfs nicht mehr so groß ist, wie er vor einigen Jahren noch war. Die Pumpspeicherwerke müssen sich aber über genau diesen Unterschied finanzieren. Dies wird nach Ansicht von Oliver Heinrich ihrer Bedeutung für die Stabilität im Netz nicht gerecht. Helfen könnte die Politik: So kritisierte Oliver Heinrich, dass die Pumpspeicherwerke formal wie Kraftwerke behandelt werden und entsprechend Abgaben zahlen müssen, während der Strom aus erneuerbaren Energiequellen – der für einen Großteil der Schwankungen im Netz verantwortlich ist – massiv subventioniert wird. „Wir werden mit aller Kraft dafür kämpfen, dass unsere Pumpspeicher weiter am Markt agieren können, dass sie weiterhin finanziert werden und damit auch die Arbeitsplätze gesichert sind.“

Gefragt ist aber auch Kreativität im Unternehmen: „Wir erwarten, dass sich unser Management aktiv Gedanken über die Generierung von Einnahmen und das Erschließen von neuen Geschäftsfeldern macht“, sagte Marko Fischer. „Es gibt verschiedene gute Ansätze, die kennen wir auch, deren Untersuchung auf Machbarkeit sollte aber schneller zu Ergebnissen führen. Wir haben nicht viel Zeit!“

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