Demonstration in Köln

Zeigen, was hinter der Dose steckt

Rund 500 Beschäftigte der RWE-Power demonstrierten in Köln am Rand des Braunkohlentags mit Menschenkette und Kohle-Tüten gegen die geplante Klima-Abgabe.

Markus Feger

Mit Menschenkette und Kohle-Tüten gegen die geplante Klima-Abgabe: Rund 500 Demonstranten waren am 21. Mai in Köln.
21.05.2015

An der Braunkohle führt kein Weg vorbei. Ältere Paare, Kindergarten-Gruppen, Mitarbeiter der Müllabfuhr, jeder bekommt heute ein bisschen. An der Domplatte in Köln nimmt Andreas Miketta ein durchsichtiges Tütchen mit ein paar Stücken Braunkohle und drückt es einer Passantin mit Pferdeschwanz in die Hand. „Wissen Sie, was das ist?“, fragt er, „so sieht Braunkohle aus.“ Die Passantin lacht und antwortet: „Weiß ich, mein Großvater war auch Bergmann, viel Glück!“

Andreas Miketta, Ingenieur im Technikzentrum Tagebaue in Frechen, und sein Kollege Jürgen Spürkel verteilen heute zusammen mit rund 500 anderen RWE-Beschäftigten Tüten mit Braunkohle und Infoflyer an Passanten. Auf die Beine gestellt haben die Demonstration am Rande des Braunkohlentags die
IG BCE und Beschäftigte der RWE-Power aus den Tagebauen und Braunkohlekraftwerken. Um elf Uhr morgens war Start an der Domplatte, wo sie eine Menschenkette bildeten, dann zogen die Demonstranten trommelnd zum Maternushaus weiter und nahmen dort die Teilnehmer des Braunkohlentags in Empfang. Und das Dutzend Greenpeace Aktivisten, die dort mit schwarzen Luftballons und einem Banner gegen die Braunkohle demonstrierten. „Wir wollen uns zeigen“, sagt Jörg Erkens, Gewerkschaftssekretär im IG-BCE-Bezirk Alsdorf und einer der Organisatoren der Veranstaltung. Sich zeigen und die Braunkohle zeigen, die hinter dem unsichtbaren Strom aus der Steckdose steht, darum geht es heute. 5.000 Beutel haben sie gefüllt.

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    Markus Feger

    Rund 500 Demonstranten versammelten sich am 21. Mai in Köln, um ...

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Klaus Emmerich, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender des Tagebaus Garzweiler hat die Tüten mit vorbereitet. Auf Englisch erklärt er einem Touristen mit Rollkoffer, dass die aktuelle Politik ihre Arbeitsplätze zerstört. Der fragt interessiert nach und nimmt Flyer und Braunkohle-Tüte mit Richtung Bahnhof. „Wir sind ja nicht gegen etwas hier heute“, erklärt Emmerich, „sondern wollen die Leute sensibilisieren.“

Anders als bei der Groß-Demonstration in Berlin vor einem Monat sind diesmal nur 50 Kollegen pro Standort angereist, um den Forderungen nach Rücknahme der geplanten Kohleabgabe Nachdruck zu verleihen. Denn nach wie vor gibt es keine Entscheidung zum Eckpunktepapier aus dem Wirtschaftsministerium und damit die Abgabe für ältere Kohlekraftwerke, die zehntausende Arbeitsplätze bedrohen würde.  Deshalb auch immer noch das Motto: „Wir elektrisieren Deutschland.“

Markus Feger

Trommelnd zogen die Demonstranten von der Domplatte bis zum Maternushaus in Köln und nahmen dort die Teilnehmer des Braunkohlentags in Empfang.

Auch Andreas Miketta und Jürgen Spürkel wollen die Passanten informieren über Braunkohle als zuverlässigen Energieträger. „Viele kennen sich gar nicht mit den Details aus“, sagt Spürkel und öffnet den Flyer, in dem aufgelistet steht, wie sich der Braunkohle -Strompreis  zusammensetzt. Er und sein Kollege ärgern sich über die vielen negativen Presseberichte über Braunkohle. Denen wollen sie entgegentreten, auch mit anderen Bildern: In den Flyern sind Fotos von renaturierten Tagebau-Flächen zu sehen. „Wir stellen die Landschaft beim Renaturieren nicht nur wieder her“, sagt Miketta, „wie verbessern sie oft sogar.“

Das schlechte Image der Braunkohle will auch Janina Tirtey wieder zurechtrücken. Die 27-Jährige ist Betriebsrätin und Sekretärin des Betriebsrats in der RWE Power-Zentrale in Köln und verteilt in gelber Warnweste ihre Tüten und Flyer. „Wir wollen die Leute wieder für diesen heimischen Energieträger gewinnen“, sagt sie, „vor allem Touristen haben viel Verständnis für das Thema. Eben hat sie sich mit einer Bulgarin darüber ausgetauscht, wie wichtig sicherer Strom ist. „Leute aus Ländern, in denen es oft zu Stromausfällen kommt“, sagt Tirtey, „verstehen unsere Argumente direkt.“

Für sie wie die anderen jungen Kollegen steht besonders viel auf dem Spiel. Am Maternushaus, dem Ziel des Demonstrationszuges, übernimmt Daniel Mertens, 22-jähriger Konstruktionsmechaniker im Tagebau Garzweiler, mit einem Kollegen das große Banner des Tagebaus Garzweiler. „Gabriel vergisst die Menschen, die jeden Morgen dafür aufstehen, dass der Strom aus der Steckdose kommt“, sagt er, „man kann nicht von jetzt auf gleich das Licht auszumachen.“

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