URL dieser Seite: https://igbce.de/-/TVI

14.11.2018

20.000 Beschäftigte stehen zusammen

Bundesweiter Aktionstag in den Braunkohlerevieren

Schwarze Pumpe und Garzweiler mögen so weit auseinanderliegen wie Hamburg und München. Und doch sind sie sich näher denn je: Mit einem bundesweiten Aktionstag in den Braunkohlerevieren haben die Beschäftigten gemeinsam ein Zeichen für eine Energiewende mit Vernunft gesetzt.

Rainer Weisflog

Betriebsversammlung im Industriepark Schwarze Pumpe in der Lausitz Beschäftigte auf der Betriebsversammlung im Industriepark Schwarze Pumpe in der Lausitz

Auf gut 20 parallel stattfindenden Betriebs- und Abteilungsversammlungen in der Lausitz, in Mitteldeutschland und im Rheinland informierten sich gut 20.000 Menschen über den Stand der Verhandlungen in der Kommission für „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“, die einen Pfad für das Auslaufen der Kohleverstromung beschreiben und Konzepte für einen nachhaltigen Strukturwandel der Reviere vorlegen soll.

Zentraler Programmpunkt war eine Rede von Michael Vassiliadis, dem Vorsitzenden der IG BCE, im Industriepark Schwarze Pumpe in der Lausitz, die live an alle Standorte übertragen wurde. „Die Reviere stehen zusammen“, sagte Vassiliadis unter zustimmendem Applaus und betonte: „Wir sind geeint in der Entschlossenheit, uns nicht abspeisen zu lassen von einer selbstgefälligen Politik.“

Rainer Weisflog

Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE

Der IG-BCE-Vorsitzende, selbst Mitglied der Kommission für „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“, machte deutlich, dass eine Energiewende nur sozialverträglich für Beschäftigte und Regionen möglich sein wird. „Es ist uns gelungen, unsere zentralen Forderungen durchzusetzen“, sagte Vassiliadis in Bezug auf den Zwischenbericht der Kommission.

Er machte zudem deutlich, dass es mit Blick auf die Einhaltung der deutschen Klimaziele in der Energiewirtschaft keinen akuten Handlungsbedarf gebe. Die Vorgabe einer Einsparung von 40 Prozent CO2 zwischen 1990 und 2020 werde die Branche einhalten. Hinsichtlich der Ziele für 2030 und 2050 sei zunächst abzuwarten, wie stark der Ausbau der erneuerbaren Energien, der Leitungen und Speicher sowie der Strukturwandel in den Regionen vorangekommen sei. Fest stehe allerdings jetzt schon: „Der Strukturwandel braucht deutlich mehr Geld als bisher angenommen. Je schneller das Auslaufen der Kohleverstromung vollzogen werden soll, desto teurer wird es.“ Er hob hervor: „Kein einziger Beschäftigter darf Nachteile erleiden. Diejenigen, die heute anständige Arbeit für die Gesellschaft leisten, dürfen nicht die Leidtragenden sein.“

Im Anschluss an die Betriebsversammlung finden an allen Standorten Aktionen statt. Mehr als 1000 Beschäftigte des rheinischen Reviers demonstrieren heute in Köln. Morgen und übermorgen wollen sich gut 1500 Beschäftigte an bis zu 36 Stunden dauernden Mahnwachen beteiligen, die unter anderem in Berlin, Düsseldorf, Eschweiler und Düren geplant sind.

Donnerstag und Freitag tagt in Berlin erneut die Strukturkommission. Aus der Betriebsversammlung im Industriepark Schwarze Pumpe nimmt Vassiliadis die Botschaft der Beschäftigten mit, dass sie nicht nur Geld, sondern realistische Perspektiven für die Zeit nach der Kohle von der Kommission fordern.