Tagebau Garzweiler

Bitte friedlich bleiben

Die Beschäftigten in den Braunkohle-Tagebauen sind immer wieder mit Protesten und Anfeindungen konfrontiert. Die Situation ist belastend. Dennoch sind sie stolz auf ihre Arbeit. Und sie wissen: Für eine sichere und verlässliche Energieversorgung bleibt die Braunkohle als Brückentechnologie unverzichtbar.

© Blitzfang Medien
23.08.2017
  • Von: Désirée Binder
Schlagworte

„Wir leben in Symbiose mit der Bevölkerung und vor allem mit den Vereinen hier im Revier“, sagt Klaus Emmerich. Der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende im Tagebau Garzweiler sieht, wie die ganze Region von der Kohle lebt. „Wir haben hier wirklich viele Vereine, die den Tagebau nutzen. Einen Golfclub zum Beispiel, der in einem rekultivierten Bereich einen Platz angelegt hat. Oder einen Motocross-Club. Auf unserer Tagbeaustrecke finden regelmäßige Weltmeisterschaften statt. Außerdem haben wir hier den größten Windpark Nordrhein-Westfalens.“

Rund 1500 Mitarbeiter sind im Tagebau Garzweiler beschäftigt, noch mehr Beschäftigte arbeiten in den drei umliegenden Kraftwerken, die aus Braunkohle Energie erzeugen. Klaus Emmerich weiß, dass die Leute im Revier durch den Tagebau auch Belastungen ausgesetzt sind. Deshalb wird im Betrieb mit Hilfe von Wasserspritzanlagen darauf geachtet, nicht zu viel Staub aufzuwirbeln. Die Feinstaubgrenzwerte werden außerdem streng eingehalten und die Rekultivierung hat den höchsten Stellenwert. „Außerdem unterstützen wir die Bevölkerung so gut es geht, bei allen möglichen Problemen. Ob beim Bau von Grillhütten oder dem Fußballclub bei seinem neuen Kiesweg“, sagt der Betriebsrat. „Immerhin Arbeiten in der Umgebung rund 60 Prozent der Bevölkerung bei RWE und den von der Kohle abhängigen Industrien. Und in der Kohle gibt es sowieso einen großen Zusammenhalt.“

Die Beschäftigten sind stolz auf diesen Zusammenhalt, die Tradition und ihren Arbeitsplatz. „Die Arbeit macht Spaß und natürlich bin ich stolz, hier arbeiten zu können. Umso wütender machen mich gefährliche Protestaktionen von Aktivisten“, erzählt Melanie Conrads. Die 28-Jährige ist seit 2005 im Tagebau Garzweiler beschäftigt. Schon ihre Ausbildung als Elektronikerin für Betriebstechnik hat sie dort absolviert – und sie ist seitdem geblieben. „Es ist auch einfach Tradition hier zu arbeiten, aus der Familie und dem Freundeskreis arbeiten fast alle hier.“

Die Situation belastet die Beschäftigten

Umso belastender ist der Umgang mit den Anfeindungen von Kohlegegnern – findet auch Christian Koch. Der 27-Jährige weiß, dass die Kohle nur eine Brückentechnologie sein kann und , dass nicht einfach von heute auf morgen damit aufgehört werden kann. „Was mich auch stört, dass bei den ganzen Protesten einfach Informationen und Tatsachen verdreht werden“, sagt der Elektroniker für Betriebstechnik. „Aber am schlimmsten ist die Hilflosigkeit. Viele Kollegen überlegen sich dreimal ob sie erzählen, wo sie arbeiten, vor allem, wenn sie nicht direkt im Revier leben.“

Auch im Arbeitsalltag sind die Proteste belastend. Denn immer wieder kommt es zu Aktionen auf dem Betriebsgelände. „Wir haben wirklich Kollegen, die Angst haben, allein im Tagebau unterwegs zu sein“, sagt Melanie. Denn sie wüssten nie, was sie heute erwartet. So kommt es immer wieder vor, dass sich Aktivisten an Gleise innerhalb des Tagebaus ketten. Für die Lokführer keine einfache Situation. „Was passiert wohl, wenn in so einem Moment die Notbremse in einem Zug nicht richtig funktioniert?“, sagt Christian.

„Wir haben wirklich nichts gegen Proteste“, sagt Betriebsrat Klaus Emmerich. „Vor allem als Gewerkschafter wissen wir, wie wichtig Demonstrationen und Proteste sind. Aber bitte friedlich, ohne Gewalt und ohne Aktionen, die das Leben der Aktivisten und unserer Beschäftigten aufs Spiel setzen.“

Nach oben