Tendenzen Landmarken

Auf lange Sicht

Landmarken sind die Leuchttürme der Bergbauregionen, die den Menschen Orientierung geben sollen. Auch wenn Ende des Jahres die letzte Zeche schließt: Die Symbole bleiben. 

Dieter Ondrazek

Das Geleucht, eine riesige Grubenlampe, gibt weithin bekannt: Hier ist das Ruhrgebiet.
03.05.2018
  • Von: Sascha Schrader
  • Fotostrecke: 3 Bilder
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Auf der Bergehalde Rheinpreußen in Moers erhebt sich eine Landmarke hoch über dem Rhein. Eine 30 Meter hohe, knallrote Grubenlampe: Das „Geleucht“ steht auf der selbst schon 74 Meter hohen Halde. Unweit quert die Autobahn 42 den Fluss. Für jeden Autofahrer und Binnenschiffer ist damit weithin sichtbar: Hier ist das Ruhrgebiet. Hier sind die Bergleute zu Hause. Die begehbare Großskulptur ist ein Paradebeispiel für die Landmarken, die sich auf vielen Bergehalden an der Saar und im Ruhrgebiet finden. Sie geben den Menschen Orientierung für den vor ihnen liegenden Weg und zeigen gleichzeitig, wo sie herkommen. 

Von weitem ist für die Menschen erkennbar: Das hier ist meine Heimat. Ein Symbol der Verwurzelung gewissermaßen. Manchmal aber auch ein Symbol des beständigen Wandels. Das Saarpolygon auf der Bergehalde Duhamel in Ensdorf zum Beispiel hat aus jeder Himmelsrichtung eine andere Form. Mal ist es ein auf der Spitze stehendes Dreieck. Das Geleucht, eine riesige Grubenlampe, gibt weithin bekannt: Hier ist das Ruhrgebiet. mal ein rechteckiger Torbogen, mal ein X mit Querbalken. Von oben ist die stählerne Konstruktion ein gigantisches Z. Die Architekten erschufen ein kraftvolles Symbol der Veränderung der Region. Nichts bleibt, wie es ist. Gerade im Steinkohlenbergbau: Jahrzehntelang schloss eine Zeche nach der anderen. Ende 2018 ist mit dem Aus für Prosper-Haniel in Bottrop bundesweit endgültig Schicht im Schacht. Die Landmarken bleiben. 

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    BeckerBredel/picture alliance

    Das Saarpolygon ändert seine Form je nach Blickwinkel und steht damit symbolisch für den Wandel im Saarrevier.

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Innehalten. Sich mit sich und seinem Standort beschäftigen. Das verlangt die „Bramme für das Ruhrgebiet“ geradezu vehement. Der amerikanische Künstler Richard Serra hat in die Essener Schurenbachhalde eine 15 Meter hohe und viereinhalb Meter breite Stahlbramme rammen lassen. An der Stelle, wo in den Alpen das Gipfelkreuz prangt, steht hier ein Zeichen für das Ruhrgebiet. „Die Skulptur versetzt den Betrachter in die soziale Realität ihres Standortes und verlangt, sich die Geschichte der Region bewusst zu machen“, so der Künstler. Dabei sind die kunstvollen Landmarken nicht nur zum Betrachten da. Sie sind berührbar, begehbar und benutzbar. Die Aussichtsplattformen auf den Großskulpturen belohnen die Menschen mit atemberaubenden Blicken über ihre Kulturlandschaft. Bei gutem Wetter teilweise mehr als 50 Kilometer weit. 

iStockphotos/lilly3

Das gigantische Horizontalobservatorium auf der Halde Hoheward ist ein modernes Stonehenge.

Kultur erlebbar macht das Amphitheater auf der Halde Haniel in Bottrop. Es lockt regelmäßig bis zu 800 Menschen auf den künstlichen Berg. Ob “Aida“, „Sommernachtstraum“ oder „Der fliegende Holländer“ — Theater und Oper haben hier ein spektakuläres Zuhause mit Ausblick. Auf der Halde Hoheward zwischen den Städten Herten und Recklinghausen hingegen wird Kulturgeschichte anschaulich. Dabei wird der Bogen im wahrsten Sinne des Wortes sehr weit gespannt. Das Horizontalobservatorium auf dem nördlichen Gipfel besteht aus zwei Bögen mit den gigantischen Radien von jeweils 45 Metern. Sie spannen sich wie Meridian und Himmelsäquator über ein abgesenktes, rundes Forum. So ermöglicht die moderne Version von Stonehenge astronomische Beobachtungen wie die Sonnenwenden oder die Tagundnachtgleiche. Auch Mondwenden und die Bewegung der Erdachse um den Erdmittelpunkt lassen sich ablesen. Auf dem südlichen, etwas tieferen Plateau der Halde ergänzt ein Obelisk als Sonnenuhr das monumentale Observatorium. Auch diese Landmarken bieten weit mehr als bloße Orientierung.

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