6. Ordentlicher Kongress der IG BCE

Auf in die Zukunft

Gemeinschaft. Macht. Zukunft. Unter diesem Motto steht der 6. Ordentliche Gewerkschaftskongress der IG BCE, der vom 8. bis 13. Oktober in Hannover stattfinden wird. 400 Delegierte werden mit ihren Entscheidungen zu den 368 Anträgen den Weg der Gewerkschaft bis ins Jahr 2021 maßgeblich bestimmen. Kompakt bietet einen Überblick über die Themen, die auf diesem Kongress debattiert werden.

Artmedia/picture alliance

Hier findet der Kongress auch 2017 wieder statt: das Congress Centrum in Hannover. Hier findet der Kongress auch 2017 wieder statt: das Congress Centrum in Hannover.
26.09.2017
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Es geht um: Arbeit, Bildung, soziale Sicherung

Vielleicht ist es ja tatsächlich so. Vielleicht sind wir technologisch bislang mit dem Dreirad unterwegs gewesen wie der Kollege auf unserem Titelbild. Und vielleicht steht die Welt tatsächlich vor einem neuen Quantensprung. Die Digitalisierung stellt viele Arbeitsabläufe und Produktionsprozesse infrage, führt zu völlig neuen Beschäftigungsmodellen. Dieser Herausforderung werden sich auch die Gewerkschaften stellen müssen. "Die IG BCE hat sich dem Wandel noch nie verweigert", sagt ihr Vorsitzender Michael Vassiliadis. "Wir sind wie immer bereit, Veränderungen mitzugestalten – im Sinne unserer Kolleginnen und Kollegen."

Der 6. Gewerkschaftskongress vom 8. bis 13. Oktober in Hannover wird dazu erste Antworten formulieren – wohl wissend, dass wir erst am Anfang der Entwicklung stehen. Aber die Arbeit der Zukunft wird eines der zentralen Themen für die 400 Delegierten werden, die in Hannover über die strategischen Leitlinien der nächsten vier Jahre entscheiden. Nicht ohne Grund drehen sich viele der insgesamt 368 Anträge, über die die Gewerkschafter beraten, um dieses Thema. Aber auch die Positionen zu Tarifpolitik, sozialen Sicherungssystemen, zu Globalisierung und Bildungspolitik und nicht zuletzt zur Zukunft der Gewerkschaft(en) selbst werden eine Rolle spielen. Ein Überblick über die Leitanträge dazu:

Gemeinschaft. Macht. Zukunft.: In Zeiten großer Veränderungen und wachsender Unsicherheit machen sich viele Menschen trotz der augenblicklichen Stabilität in Wirtschaft und Gesellschaft Sorgen um die Zukunft. Sie wünschen sich faire Regeln und eine nachvollziehbare Ordnung, die gerecht, verlässlich und sicher wirken.

Christian Burkert

Der auf dem 5. Kongress frisch gewählte geschäftsführende Hauptvorstand der IG BCE. Der auf dem 5. Kongress frisch gewählte geschäftsführende Hauptvorstand der IG BCE.

Dafür sorgen nicht zuletzt Gewerkschaften. Die IG BCE will, dass die geordneten Verhältnisse in ihren Branchen nicht die Ausnahme, sondern Regel und Vorbild sind. Sie fordert mehr Tarifverträge statt Tarifflucht, mehr Mitbestimmung
statt Behinderung von Betriebsräten, eine Politik für die Arbeitnehmermitte.

Globalisierung sozial gestalten: Nötig sind faire Regeln im Welthandel und für den Wettbewerb zwischen Ländern und Staaten. Dazu gehören bindende Sozial- und Umweltstandards: Arbeitnehmer müssen überall das Recht haben, Gewerkschaften zu gründen und Tarifverhandlungen zu führen, so die Forderung in dem Leitantrag. Kinder- und Zwangsarbeit müssen verboten, Diskriminierung am Arbeitsplatz in jeglicher Form beseitigt werden. Konzerne, die weltweit tätig sind, müssen ihre soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung anerkennen und entsprechend handeln. Die IG BCE fordert die Schaffung rechtsverbindlicher internationaler Regeln, die bei Verstoß auch Sanktionen vorsehen.

Gerüstet für den nächsten Quantensprung

Sozialer Fortschritt für Europa: Die Entscheidung der Briten, die Europäische Union zu verlassen, gefährdet die EU als ein historisches Projekt von Frieden und Wohlstand. Auch die wirtschaftliche Lage Europas ist äußerst angespannt. Gleichzeitig steht die europäische Industrie unter hohem Wettbewerbs- und Kostendruck und ist auf stabile wirtschaftliche Verhältnisse zwingend angewiesen. Europa braucht einen Kurswechsel, fordert die IG BCE: Die europäische Politik muss endlich die Interessen der Beschäftigten in den Mittelpunkt des Handels stellen. Dazu ist eine Investitionsoffensive unerlässlich, die Arbeitsplätze und Wachstum schafft.

Simone M. Neumann

Mit 125.000 Unterschriften fordert die IG BCE eine Neuorientierung in der Energiepolitik. Mit 125.000 Unterschriften fordert die IG BCE eine Neuorientierung in der Energiepolitik.

Beste Bildung ein Leben lang: Das Bildungssystem soll unabhängig von Herkunft, Religion oder Lebensweise gerechte Startchancen für alle Kinder ermöglichen. Betreuungsangebote müssen bereits für die ganz Kleinen ausgebaut und mit qualifiziertem und gerecht bezahltem Fachpersonal ausgestattet werden. Die IG BCE fordert: Ab 2020 darf in Deutschland kein Mensch mehr bis zum 30. Lebensjahr ohne Schul- und Berufsabschluss sein. Notwendig sind mehr Geld und Investitionen in Bildung. Auch damit alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die Chance auf Weiter- und Fortbildung erhalten.

Arbeit der Zukunft: Die Vision einer digitalisierten Wirtschaft prägt die Debatte um die Arbeitswelt von morgen. Auch wenn viele technische Entwicklungen noch in der Entstehungsphase sind, haben erste digitale Elemente die Produktions-, Verwaltungs- und Labortätigkeiten in unseren Branchen verändert. Die IG BCE will die Chancen der Digitalisierung nutzen, ihre Risiken reduzieren. Das bedeutet mehr Wahlfreiheit bei der Arbeitszeit für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Gleichzeitig wendet sie sich gegen alle Versuche, den Schutz durch das Arbeitszeitgesetz zu unterlaufen. Es darf keine Arbeit auf Abruf geben. Schon jetzt fühlen sich viele Beschäftigte ausgepresst wie eine Zitrone. Die Gewerkschaft will sich gegen einen weiter steigenden Leistungsdruck infolge der Digitalisierung wehren. Vielmehr müssen die technischen Möglichkeiten und Produktivitätsfortschritte dazu beitragen, die Arbeitsbelastung zu verringern.

Stärkung der Tarifbindung: Die Tarifbindung ist in den Branchen der IG BCE überdurchschnittlich hoch – eine gute Voraussetzung für die Verhandlung von Flächentarifverträgen. Doch in vielen neuen Branchen entziehen sich die Arbeitgeber der Tarifbindung. Zudem bieten Arbeitgeberverbände Unternehmen Mitgliedschaft ohne Tarifbindung (OT) an – eine Einladung zur Tarifflucht. Die IG BCE fordert daher vom Bund und den Landesregierungen, die Gestaltungsmöglichkeiten durch Tarifverträge zu unterstützen. Ohne Tarif werden die Beschäftigten schlechter bezahlt, ohne Tarif arbeiten sie länger und ohne Tarif gibt es auch weniger Urlaubstage, weniger zusätzliche Altersvorsorge und weniger Weihnachtsgeld.

Gero Breloer

15.000 Gewerkschafter ziehen vors Kanzleramt und kämpfen für eine sozial gerechte Energiewende und gute Arbeit. 15.000 Gewerkschafter ziehen vors Kanzleramt und kämpfen für eine sozial gerechte Energiewende und gute Arbeit.

Soziale Sicherung festigen: Die IG BCE will das soziale Sicherungssystem stärken und zukunftsfest machen. Vor allem muss das Niveau der gesetzlichen Rente stabilisiert werden und zusammen mit der betrieblichen Altersvorsorge ein gutes Leben im Ruhestand garantieren. Die Gewerkschaft setzt sich außerdem für eine Rückkehr zu paritätisch finanzierten Beitragssätzen bei der Krankenversicherung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein. Ein weiterer Schritt zu mehr Gerechtigkeit ist auch der Umbau der Kranken- und Pflegeversicherung zu einer Bürgerversicherung, in die alle einzahlen.

Zukunftsgewerkschaft: Die IG BCE wird dieses Jahr 20 Jahre alt, kann aber auf eine Geschichte von 127 Jahren zurückblicken. Ziel ist damals wie heute, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern und die Interessen der Mitglieder wirkungsvoll zu vertreten. Dabei orientieren sich die Gewerkschafter an gemeinsamen Werten – Solidarität und Gerechtigkeit. In den Betrieben setzen sie sich für Gute Arbeit ein. Mit der Kraft einer starken Gewerkschaft mit vielen Mitgliedern setzen wir Tarifverträge durch und bestimmen in den Betrieben mit. Damit werden gute Zukunftsperspektiven für die Menschen in Deutschland geschaffen.

Die Bundespolitik wird auf dem Kongress schon traditionell eine große Rolle spielen, auch weil er abermals kurz nach den Bundestagswahlen stattfindet. Ganz gleich, wer die Regierung bildet – die IG BCE wird in Hannover ihre Forderungen an die nächste Bundesregierung klipp und klar formulieren.

Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis: "Wir sind im besten Sinne Referenz für das, was Deutschland nach dem Krieg stark gemacht hat: Mitbestimmung, Tarifverträge, Schutz vor Willkür und der feste Wille, wirtschaftlichen Wohlstand auch gerecht zu verteilen."

  • So sehen Sieger aus
    Foto: 

    Cornelia Lietz

    So sehen Sieger aus: Betriebsräte, die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer (Dritte von rechts), Landesbezirksleiter Francesco Grioli (Erster von rechts).

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An vielen Stellen in Deutschland ist das jedoch nicht mehr prägendes Prinzip. Daher kämpft die IG BCE dafür, dass die wirtschaftliche Stärke Deutschlands dazu genutzt wird, mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Zukunftsperspektiven für Kinder und ein Mehr an gesellschaftlicher Modernisierung erreichen. Damit das ganze Land gerüstet ist für den nächsten Quantensprung.

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