Neues Zentrum für Arbeitssicherheit in der Türkei

"Zuversicht für die Zukunft"

Das schwere Grubenunglück vom 13. Mai 2014 im westtürkischen Soma mit 301 Toten hatte weltweit Trauer und Entsetzen ausgelöst – und eine große Welle der Hilfsbereitschaft. Die IG BCE startete noch am selben Tag eine Spendenaktion, an der sich viele Mitglieder, andere Gewerkschaften und Unternehmen beteiligten. 232.000 Euro kamen dabei zusammen. Sie bildeten den Grundstock für ein komplett neues Bildungszentrum, das Schulungen rund um Arbeits- und Bergbausicherheit bieten und gleichzeitig Angehörigen bei der Suche nach Berufsperspektiven und bei der Traumabewältigung unterstützen soll.

Lars Ruzic

Bildungszentrum Soma Das neue Bildungszentrum in der Bergarbeiterstadt Soma befindet sich in einem fünfstöckigen Gebäude im Herzen der Stadt. Es ist mit diversen Konferenz- und Schulungsräumen ausgestattet.
10.02.2017
  • Von: Lars Ruzic
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„Hier ist ein Wahrzeichen entstanden, das Zuversicht für die Zukunft ausstrahlt“, sagte der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, bei der Eröffnung des „Volksbildungszentrums“ in Soma. Im Zentrum der Bergarbeiterstadt ist ein fünfstöckiges Gebäude mit diversen Konferenz- und Schulungsräumen entstanden. Das Landratsamt der sozialdemokratisch geprägten Region hatte das Grundstück zur Verfügung gestellt, weitere Mittel steuerten die Provinzregierung und die Bergbau-Gewerkschaft Maden-Is, einer langjährigen Partnerin der IG BCE bei. Die Verantwortung für Führung und  Betrieb der Einrichtung liegt bei ihnen. Das Bildungszentrum könne die Grundlagen dafür schaffen, dass kommende Generationen sicherere und bessere Arbeitsplätze bekämen, sagte Vassiliadis.

  • Das Bildungszentrum in Soma
    Foto: 

    Lars Ruzic

    Feierlich wurde das Bildungszentrum in Soma eingeweiht.

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Ein Grubenbrand, womöglich verursacht durch einen defekten Transformator, hatte das Unglück in dem Braunkohle-Bergwerk ausgelöst. Kohlenmonoxid sammelte sich unter Tage, für 301 von 787 zu der Zeit im Bergwerk befindlichen Beschäftigten kam jede Hilfe zu spät. Das Drama von Soma gilt als schlimmstes Grubenunglück in der Türkei. Die genaue Ursache ist strittig und Gegenstand von Untersuchungen. Klar ist jedoch, dass sowohl die Bergbausicherheit als auch der Arbeitsschutz zu nachlässig behandelt wurden. Bis heute hat das Bergwerk seine Arbeit nicht wieder aufgenommen. Von den einst 2800 Beschäftigten hat der weit überwiegende Teil einen Job in den vier anderen Bergwerken der Region gefunden. 300 sind jedoch bis heute auf der Suche nach Arbeit.

Noch am Tag des Unglücks hatte die IG BCE der Partnergewerkschaft Maden-Is ihre Unterstützung angeboten. „Durch diesen Vorfall haben wir unsere wahren Freunde erkannt“, sagte der Vorsitzende von Maden-Is, Nurettin Akcul, bei der Eröffnung des Bildungszentrums. Zuvor hatten beide Gewerkschafter die Gedenkstätte für die Opfer auf dem Friedhof in Soma besucht und Blumen an den Gräbern niedergelegt. Auf 301 schwarzen Steinquadern mit Grubenlampen stehen die Namen der Betroffenen. Im Bergbau müsse Sicherheit das oberste Gut sein, forderte Vassiliadis. „Niemand darf durch seine Arbeit sein Leben verlieren.“

Die Spendensammlung der IG BCE mit einem Startkapital von 25.000 Euro wurde über den Verein Gewerkschaften helfen organisiert und stieß sofort auf großes Interesse – vor allem unter anderen Bergleuten und türkischstämmigen IG-BCE-Mitgliedern. So wurde am Rande von Werks-Fußballturnieren gesammelt, andere Beschäftigte ließen die Spende direkt vom Gehalt abziehen und überweisen. „Das ist ein eindrucksvolles Beispiel für Solidarität und Zusammenhalt der Gewerkschafter“, meinte der IG-BCE-Vorsitzende.

Das neue Bildungzentrum hat seine Arbeit bereits aufgenommen, unter anderem mit Kursen für Hinterbliebene. So kam die Delegation ins Gespräch mit Frauen aus Soma, die eine Weiterbildung im Hauswirtschaftsbereich absolvieren. Künftig soll die Einrichtung ihren Teil dazu beitragen, dass sich derartige Unglücke nicht wiederholen. Fortbildungen rund um Arbeits- und Bergbausicherheit sind bereits in Vorbereitung. Dazu sollen deutsche Bergbau-Experten ihr Know-how beisteuern. Zertifikate sollen gewonnenes Wissen dokumentieren und mittelfristig die Qualität der Ausbildung verbessern. „Alle Partner wollen dieses Haus möglichst schnell mit Leben füllen“, so Vassiliadis.

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