Ratgeber Versetzung

Heute hier, morgen dort...

Ein Albtraum für viele Mitarbeiter: Der Chef ordnet die Versetzung an einen anderen Standort an. In manchen Fällen bedeutet das: Umziehen! Doch muss man wirklich die Koffer packen, wenn der Chef das will? Wir erklären, was bei einer Versetzung wirklich gilt.

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Fahrradfahrer
04.06.2014
  • Von: Katrin Schreiter

Unternehmen verlangen von ihren Arbeitnehmern eine immer höhere Bereitschaft zur Mobilität. »Frau Müller, kommen Sie doch mal bitte in mein Büro!« Manchmal fängt der Albtraum mit solch einer harmlosen Aufforderung an . . .

Wenn die Unternehmensführung umstrukturiert wird oder der neue Geschäftsführer ungeliebte Mitarbeiter loswerden will, hat das oft eine Versetzung zur Folge. Doch einige Arbeitnehmer wollen das nicht so einfach hinnehmen – und streiten vor Gericht um Einsatzorte und oft auch um Aufgabenbereiche. Mal mit, mal ohne Erfolg.

Muss ich meine Koffer packen, wenn der Chef das will?

Das kommt darauf an. Wer wissen will, ob er »versetzungsgefährdet« ist, sollte zunächst einmal in seinen Arbeitsvertrag schauen. »Steht im Arbeitsvertrag, dass der Mitarbeiter an einem bestimmten Standort eingeteilt ist, kann er nicht ohne Weiteres versetzt werden«, sagt Ansgar Claes, Leiter der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht bei der IG BCE. Denn: »Je genauer der Tätigkeitsort im Vertrag festgeschrieben ist, desto weniger Spielraum hat der Arbeitgeber.« Die meisten Arbeitsverträge würden allerdings eine sogenannte Versetzungsklausel enthalten, so der Rechtsexperte. »Damit behält sich der Arbeitgeber das Recht vor, den Mitarbeiter an einem anderen Ort einzusetzen.« Claes rät, diese Versetzungsklausel zu prüfen. Denn: »Viele Arbeitsverträge enthalten unwirksame Regelungen.«

Wichtig: Der Betriebsrat kann bei diesem Thema mitreden. Laut Paragraf 99 Absatz 2 Betriebsverfassungsgesetz können Betriebsräte eine Versetzung etwa ablehnen, wenn diese nachteilig für den Betroffenen oder für seine Arbeitskollegen ist. Lehnt der Betriebsrat die Versetzung ab, muss der Arbeitgeber vor Gericht ziehen. Und bis zur Entscheidung der Richter muss auch niemand umziehen, es sei denn, die Versetzung ist aus sachlichen Gründen dringend erforderlich.

Was kann dem Arbeitnehmer zugemutet werden?

Landet der Fall vor Gericht, geht es immer darum, ob die Versetzung für den
betroffenen Arbeitnehmer zumutbar ist. Betroffene, die am bisherigen Wohnort eine Immobilie abzahlen oder familiär gebunden sind, können sich in vielen Fällen auf eine vorliegende Unzumutbarkeit berufen. Aber auch das Interesse des Arbeitgebers spielt eine Rolle: Wie wichtig ist es für den Betrieb, dass genau dieser Mitarbeiter am neuen Standort tätig wird? Könnte auch ein Kollege, der flexibler ist, diese Aufgabe übernehmen? Gibt es im Arbeitsvertrag keine Versetzungsklausel, gilt das »weite Weisungsrecht gemäß Paragraf 106 Gewerbeordnung «, erklärt Claes. »Danach ist der
Arbeitsort nach billigem Ermessen näher zu bestimmen.« Das bedeutet: »Die Umstände das Falls müssen abgewogen und die beiderseitigen Interessen angemessen berücksichtigt werden.«

Darf der Vorgesetzte neue Aufgaben zuweisen?

»Auch hier lohnt sich der Blick in den Arbeitsvertrag«, weiß Claes. »Der Arbeitnehmer ist nur zu der vertraglich festgeschriebenen Leistung verpflichtet.« Je exakter die Tätigkeit beschrieben ist, desto schwieriger ist es, ihn zu versetzen. »Eine Versetzung ist in der Regel nur möglich, wenn der neue Aufgabenbereich gleichwertig ist und der Qualifikation des Arbeitnehmers entspricht«, sagt Claes. »Unterscheiden sich die Arbeitsbereiche oder vielleicht sogar die zukünftigen Einkommen, ist die Versetzung eher nicht zulässig. In solchen Fällen können allerdings Änderungskündigungen ausgesprochen werden.«

Wie kann sich der Arbeitnehmer gegen Willkür wehren?
Wer sich auf keinen Fall mit dem neuen Einsatzort anfreunden kann, sollte dennoch nicht auf stur schalten und nicht zur Arbeit gehen. »Denn er riskiert sonst eine Abmahnung oder sogar die Kündigung«, weiß Claes und rät, die neue Stelle erst einmal anzutreten, auch wenn der Mitarbeiter dafür pendeln muss.

 Versetzung! Was tun?

1. Ein Blick in den Arbeitsvertrag schafft erste Klarheit: Gibt es Versetzungsklauseln?

2. Der Betriebsrat hilft, wenn es darum geht, diese Klauseln auf ihre Zumutbarkeit zu prüfen.

3. Keine Arbeitsverweigerung auf eigene Faust – sonst drohen Abmahnung oder Kündigung.

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