Kündigung

Abschied mit vollen Taschen

Kündigung! Wer als Arbeitnehmer gehen soll, kann in bestimmten Fällen mit einer Abfindung rechnen. kompakt erklärt, wann sich verhandeln und klagen lohnt.

Gazometr/iStock

Abfindung mit vollen Taschen
01.12.2017
  • Von: Katrin Schreiter
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Kündigung? Das klingt nach einer dicken Abfindung. Das ist aber nicht immer der Fall. Bei einer Kündigung erwarten viele Arbeitnehmer automatisch einen Geldregen, der sie über die Trennung hinwegtrösten soll. Doch eine Abfindung ist eine freiwillige Leistung, die der Chef als Entschädigung für den Jobverlust zahlen kann, aber nicht immer muss.

Es gibt drei Umstände, in denen ein Arbeitnehmer ein Entgelt für den verlorenen Arbeitsplatz fordern kann. Michael Wanner vom DGB Rechtsschutz erklärt, wann ein Rechtsanspruch auf eine Abfindung besteht:

1. Es gibt einen Sozialplan

"Wenn im Zuge von Betriebsänderungen ein Sozialplan vereinbart wird, in dem verankert ist, dass es bei einer betriebsbedingten Kündigung eine Abfindung gibt, können die betroffenen Arbeitnehmer diese Extrazahlung einklagen", erklärt Wanner. "Sozialpläne beinhalten häufig einen Anspruch auf eine Abfindung."

2. Nach § 1 a des Kündigungsschutzgesetzes

Auch wenn ein Chef einen Angestellten betriebsbedingt kündigt, könne eine Extrazahlung ins Spiel kommen. Wanner: "In diesem Fall kann der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer sein Klagerecht 'abkaufen'. Dieser würde dann also auf eine Klage verzichten."

3. Auflösung durch das Arbeitsgericht

Schließlich müsse eine Abfindung gezahlt werden, wenn ein Richter das Arbeitsverhältnis auf Antrag des Arbeitnehmers auflöse. Der Gewerkschaftsjurist erläutert: "Der Angestellte erhält eine betriebsbedingte Kündigung, klagt dagegen, gewinnt den Prozess, kann aber aufgrund des gestörten Arbeitsverhältnisses nicht weiter in seinem alten Job arbeiten. Diese Fälle sind allerdings äußerst selten."

Höhe der Abfindung — Pokern erlaubt!

Wie tief muss der Chef in die Tasche greifen? "Eine Frage, die wie auf einem Basar entschieden wird", sagt Wanner. Denn: "Es gibt keine festgelegten Summen, die Beträge sind frei verhandelbar." Generell gelte: "Besteht ein Risiko für den Arbeitgeber, den Kündigungsschutzprozess zu verlieren, steigen die Chancen auf mehr Geld."

"In der Praxis fällt der Kompromiss häufig so aus, dass ein halbes Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr als Abfindung gezahlt wird." Aber auch das Alter des Gekündigten, seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt sowie die Dauer der Betriebszugehörigkeit könne zu Buche schlagen. Dabei würden ältere Arbeitnehmer, die schon viele Jahre im Unternehmen tätig waren, mit einer höheren Summe rechnen können als junge, neue Kollegen.

"Hinzu kommt das sogenannte Verzugslohnrisiko, das für den Chef teuer werden kann." Der Rechtsexperte erklärt, was dahintersteckt: "Wenn einem Arbeitnehmer gekündigt wurde, sich dann aber im Prozess ergibt, dass die Kündigung unwirksam ist, hat er Anspruch auf sein Gehalt, auch wenn er nicht mehr im Unternehmen gearbeitet hat." Eine attraktive Abfindung soll helfen, das zu vermeiden.

Achtung: Kündigungsfrist einhalten!

Viele Betroffene fragen sich, ob die Abfindung beim Arbeitsamt angemeldet werden muss, ob eine Sperrzeit droht und ob sich die Zahlung auf das Arbeitslosengeld auswirkt. "Eine Sperrzeit ist völlig unabhängig von einer Abfindung", stellt Wanner klar. Sie sei nur zu befürchten, wenn der Arbeitnehmer ohne Not einen Aufhebungs- oder Abwicklungsvertrag mit dem Arbeitgeber geschlossen hat. "Das heißt: Wenn er ohne wichtigen Grund seinen Job aufgegeben hat."

Wichtig sei in diesem Zusammenhang allerdings, dass der Arbeitnehmer die Kündigungsfrist beachte. "Hält er diese nicht ein, kann es dazu kommen, dass das Arbeitslosengeld für eine bestimmte Zeit ruht." Grund: "Der Gesetzgeber geht in diesem Fall davon aus, dass in der Abfindung ein Teil des Einkommens steckt, das der Arbeitgeber für die einzuhaltende Kündigungsfrist gezahlt hätte."

Anders als bei einer Sperrzeit bedeute Ruhezeit allerdings nicht, dass der Erwerbslose weniger Geld vom Amt erhalte. Es werde lediglich der Zahlungsbeginn nach hinten verschoben.

"Der Gewerkschaftsjurist verweist vor allem auf Tarifverträge, nach denen einem Arbeitnehmer wegen dessen langer Betriebszugehörigkeit nicht mehr ordentlich gekündigt werden könne. Als Kündigungsfrist sind hier 18 Monate anzusetzen", erklärt Wanner. "Geht der Gekündigte freiwillig eher, muss er damit rechnen, dass sein Arbeitslosengeld für eine bestimmt Zeit ruht."

Das Finanzamt kassiert mit

Übrigens: Eine Abfindung lässt sich auch nicht am Fiskus vorbei verbuchen – das Finanzamt kassiert mit. "Die Extrazahlung muss in voller Höhe versteuert werden", erklärt der Experte. "Sozialabgaben dürfen allerdings nicht abgezogen werden – weder Beträge zur Renten- und Krankenversicherung noch solche zur Pflege- und Arbeitslosenversicherung."

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