Haftung

Kleiner Fehler, großer Schaden

Ein kaputtes Diensthandy, ein Unfall mit dem Firmenwagen oder ein fataler Systemabsturz — so manch kleiner Fehler verursacht einen großen Schaden. Doch wer haftet für das Missgeschick? kompakt erklärt die Rechtslage.

selimcan/iStock

Kleine Fehler großer Schaden
01.12.2017
  • Von: Katrin Schreiter
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Ein loses Kabel, eine schlecht gesicherte Ladung, ein Zahlendreher im Gutachten – Fehler im Arbeitsalltag können passieren, aber auch teure Folgen haben. Wer muss dafür geradestehen?

"Hier spielen einige Faktoren eine Rolle", weiß Till Bender. "Es kommt sowohl darauf an, wie schwer der Fehler wiegt, aber vor allem muss die Frage der Fahrlässigkeit geklärt werden", sagt der Gewerkschaftsjurist beim DGB Rechtsschutz.

"Prinzipiell gilt am Arbeitsplatz wie im Privatleben auch, dass jeder dafür haftet, was er tut." Doch für Beschäftigte gelte das nicht eins zu eins. "Denn die Risiken und Gefahren, denen der Arbeitnehmer mitunter ausgesetzt ist, sind ausschließlich im Rahmen seiner Tätigkeit zu sehen ", erklärt Bender weiter. "Das heißt: Der Mitarbeiter handelt auf Anweisung seines Arbeitgebers und hat dabei keinen Einfluss auf die betrieblichen Abläufe." Außerdem stehe oft der verursachte Schaden in keinem Verhältnis zum Verdienst des Mitarbeiters. Eine Frage der Relation.

"Deshalb hat das Bundesarbeitsgericht für Arbeitnehmer eigene Haftungsgrundsätze entwickelt. Danach müssen sie nicht für jeden Schaden aufkommen", sagt der Gewerkschaftsjurist. Diese Regelungen nenne man beschränkte Arbeitnehmerhaftung oder innerbetrieblichen Schadensausgleich. "Schädigt der Arbeitnehmer also die eigene Firma, haftet er nur beschränkt. In welchem Maße – das hängt vom Grad des Verschuldens ab."

Schäden, die der Arbeitnehmer ersetzen muss

Es müsse also immer auch die Frage geklärt werden, wie der Schaden entstanden ist. "Wurde er vorsätzlich oder grob fahrlässig verursacht, wird der Arbeitnehmer zu 100 Prozent zur Kasse gebeten."

Wann spricht man von Vorsatz? Bender erklärt: "Wenn ein Mitarbeiter wissentlich und willentlich einen Schaden herbeiführt. Zum Beispiel, wenn er aus Frust über die erhaltene Kündigung die gesamte Festplatte seines Firmen-PC löscht, muss er die Kosten für die EDVFirma tragen, die die Daten wiederherstellt."

Was gilt als grob fahrlässig? "Wenn der Arbeitnehmer die ganz naheliegenden Sorgfaltsregeln, die jeder befolgt hätte, außer Acht lässt", sagt der DGB-Rechtsexperte. "Ein Verhalten, bei dem man die Hände über dem Kopf zusammenschlägt." Beispiele: "Der Dienstwagen wird bei einem Unfall beschädigt, weil der Angestellte bei Rot über eine Kreuzung gefahren ist, Alkohol getrunken hatte oder beim Fahren mit dem Handy gedaddelt hat."

Eine kleine Einschränkung gebe es allerdings: »Auch bei grober Fahrlässigkeit machen die Gerichte Ausnahmen von der vollen Haftung, wenn zum Beispiel die Differenz zwischen Verdienst und Schadenshöhe extrem groß ist.«

Schäden, die der Arbeitgeber übernehmen muss

Schäden, die durch leicht fahrlässiges Handeln entstanden sind, müssen vom Arbeitgeber übernommen werden. Was versteht man unter leicht fahrlässig? Bender: "Hier handelt es sich um besonders geringfügige Sorgfaltspflichtverletzungen, die jedem mal passieren können. Dazu gehört das klassische Versprechen oder Vertippen. Auch das versehentliche Umschmeißen einer Kaffeetasse oder Stolpern über ein Kabel gehören dazu."

Schäden, bei denen die Haftung geteilt wird

Bleibt noch der Bereich, der dazwischen liegt. "Handelt es sich um normal fahrlässiges Verhalten, wird der Schaden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt."

Was bedeutet normales oder mittleres fahrlässiges Verhalten? Bender: "Das meint eine Fahrlässigkeit, die weder besonders schwerwiegend noch besonders geringfügig ist." Das heiße aber nicht, dass die Arbeitsgerichte automatisch halbe-halbe machen. "Hier werden alle Umstände des jeweiligen Falls in Augenschein genommen." Zum Beispiel auch, wie gefährlich die Arbeit ist, welche Stellung der Mitarbeiter in der Unternehmenshierarchie hat und wie hoch der Schaden ist.

Keine Haftung für Personenschäden

Und wie sieht es aus, wenn zum Beispiel ein Kollege verletzt wird? "Die Grundsätze der beschränkten Arbeitnehmerhaftung gelten nur bei Sachschäden", klärt Bender auf. "Für Personenschäden muss der Arbeitnehmer grundsätzlich nicht haften – hier greift die gesetzliche Unfallversicherung." Doch auch hier gelte: "Der Arbeitnehmer darf den Kollegen nicht vorsätzlich verletzt haben."

Katrin Schreiter

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