Pause

Den Stift hinlegen

Viele Arbeitnehmer verzichten zunehmend auf ihre Pausen, um dem Druck und den steigenden Anforderungen in den Unternehmen gerecht zu werden. Dabei sind Pausen wichtig und notwendig – und gesetzlich vorgeschrieben.

Dirk Kirchberg

Die Deutschen machen bis zu sechsmal täglich Pause – aber sie machen es nicht richtig.
07.03.2013
  • Von: Anette Schröder
  • Kommentare: 0
Artikel bewerten
Danke für die Bewertung
Ihre bereits abgegebene Bewertung wurde aktualisiert.

Wer kennt das nicht? Mal eben vor dem Computer ein Brötchen essen, nebenher ein Problem mit einem Kollegen klären, dann noch schnell einen Kaffee holen und möglichst zügig weiterarbeiten. Durchatmen, Pause machen – das muss warten oder fällt einfach ganz weg.

„Es ist ein weitverbreiteter Irrglaube, dass durch verstärkten Einsatz, also längeres und schnelleres Arbeiten ohne Pause, eine höhere Leistung erzielt werden kann“, sagt Eva Urbantschitsch-Hatlapa, die als Kommunikationstrainerin für die IG BCE arbeitet. In ihren Seminaren zum Stressmanagement und zur Burn-out-Prävention ist der Umgang mit Erholungsphasen während und nach der Arbeit ein wichtiges Thema.

„Pausen sind notwendig, damit sich das Gehirn erholen kann, damit man beim Arbeiten wieder das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden kann, damit kreatives und konzentriertes Arbeiten überhaupt möglich ist“, sagt die 54-Jährige. Dennoch verzichten viele Arbeitnehmer auf Pausen, weil sie meinen, nur so dem Druck und den steigenden Anforderungen in den Unternehmen gerecht zu werden.

Dabei sind Pausen am Arbeitsplatz gesetzlich vorgeschrieben. So müssen Angestellte, die zwischen sechs und neun Stunden arbeiten, eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten einlegen. Diese Pausen können auch in Zeitabschnitte von jeweils 15 Minuten aufgeteilt werden. Wer mehr als neun Stunden tätig ist, muss seine Arbeit für insgesamt 45 Minuten unterbrechen. Länger als sechs Stunden am Stück dürfen Arbeitnehmer nicht ohne Ruhepause beschäftigt werden.

Wo und wie ein Angestellter seine Ruhepausen gestaltet, kann er selbst entscheiden. Bei Continental können die Pausen beispielsweise auch außerhalb des Firmengeländes verbracht werden. Direkt am Arbeitsplatz sollten die Pausen nicht genommen werden, sagt Pressesprecher Vincent Charles. Zum einen aus Gründen des Gesundheitsschutzes, aber auch, um den Erholungseffekt zu gewährleisten. „Daher gibt es an allen Standorten Sozial- beziehungsweise Pausenräume. An einigen gibt es Cafeterias, andere Standorte bieten – produktionsbedingt – auch nachts einen Kantinenservice an“, erläutert Charles.

Bezahlt werden Ruhepausen nicht, da während dieser Zeit nicht gearbeitet wird. Durch Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder einen Einzelarbeitsvertrag kann aber auch eine Vergütung vereinbart werden. So erhalten beispielsweise die Schichtarbeiter bei der Wacker-Chemie AG im Werk Burghausen bei einer Acht-Stunden-Schicht eine bezahlte

Pause von 30 Minuten. „Bei Zwölf- Stunden-Schichten am Sonntag beträgt die Pause 45 Minuten. Darüber hinaus sind in Ausnahmefällen und unter Beachtung der betrieblichen Arbeitsabläufe bezahlte Kurzpausen möglich. Feste Pausenzeiten gibt es nicht, da diese die Produktion unterbrechen würden“, erläutert Edeltraud Holl, Leiterin der Personalbetreuung bei Wacker.

Das Unfallrisiko durch Pausen zu minimieren spielt besonders bei körperlich schwerer oder gefährlicher Arbeit eine wichtige Rolle. Doch zunehmender Stress und stetig steigende Burn-out-Fälle machen deutlich, dass Pausen auch am Schreibtisch wichtig sind. Forscher haben herausgefunden, dass Mitarbeiter, die Pausen machen, insgesamt effektiver arbeiten. Auch der Stresspegel sinkt nachweisbar.

Allerdings kommt es darauf an, wie man pausiert. „Die Deutschen machen bis zu sechsmal täglich Pause zusätzlich zur Mittagspause – aber sie machen es nicht richtig“, hat Diplom- Psychologin Anne Katrin Matyssek festgestellt. „Mal eben die Mails checken ist keine Pause, Surfen ist keine Pause und über die Arbeit schwätzen auch nicht – sogar durch den Wald laufen ist keine Pause, wenn Sie dabei doch die Arbeit im Kopf haben“, schreibt die Beraterin in ihrem Buch „Mensch, mach’ mal Pause“.

Wirkliche Erholung finden Körper und Geist in einem Kontrastprogramm zur Arbeit, ist Psychologin Matyssek überzeugt: „Augen schließen, ein paar Meter laufen, sich auf anderes konzentrieren, also: Körperhaltung ändern – Ort ändern – Kopfinhalte ändern! Die Tätigkeit natürlich auch ändern. Das ist Pause.“

Checkliste

  • Machen Sie nicht nur eine Mittagspause, sondern zusätzlich mehrere kleine Pausen.
  • Sprechen Sie bei der Mittagspause mit den Kollegen nicht über die Arbeit.
  • Verlassen Sie nach Möglichkeit Ihren Arbeitsplatz.
  • Wer die ganze Zeit am Schreibtisch sitzt, sollte sich unbedingt bewegen.
  • Wer körperlich arbeitet, sollte sich eher hinsetzen und ausruhen.
  • Versuchen Sie nicht an die Arbeit, sondern an etwas anderes zu denken.

Moderationszeiten für Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser, Ihre Meinung zu diesem Artikel interessiert uns sehr. Das Moderatoren-Team ist an den Arbeitstagen ab 8 Uhr morgens wieder in der Redaktion und freut sich auf Ihren Kommentar.

Nach oben