Mindestlohn

Was Praktikanten wissen sollten

Ab dem 1. Januar 2015 gilt erstmals in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn. 8,50 Euro pro Stunde werden damit zur Mindestnorm bei der Bezahlung – im Prinzip für jede Art von Beschäftigung und grundsätzlich auch für Praktikanten. Doch gerade wenn es um Praktika geht, sind wichtige Fragen unklar. Welche das sind und was es zu beachten gilt, haben wir zusammengefasst. 

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Was gilt, wenn ein Praktikum am 1. November 2014 beginnt und bis zum 28. Februar oder bis zum 15. April dauert? Was gilt, wenn ein Praktikum am 1. November 2014 beginnt und bis zum 28. Februar oder bis zum 15. April dauert? Eine eindeutige Antwort darauf gibt es bisher nicht.
31.10.2014
  • Von: Leo Kölzer
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Für welche Praktika gilt der Mindestlohn? 

Der Gesetzgeber unterscheidet bei dieser Frage Praktika, die Teil der Ausbildung sind, von solchen, die eher einem ersten Arbeitsverhältnis gleichen. So muss für ein verpflichtendes Praktikum im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium kein Mindestlohn gezahlt werden. Das ist anders, wenn ein Praktikum länger als drei Monate dauert. Dann haben Praktikanten einen Anspruch auf den Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde - und zwar für die gesamte Laufzeit des Praktikums. Freiwillige Praktika nach Abschluss des Studiums oder vor Beginn einer Ausbildung sind ebenfalls Mindestlohn-pflichtig. Vorausgesetzt, der Praktikant will seine beruflichen Kenntnisse in einem anderen als dem bisher erlernten Beruf vertiefen.

Was ist mit Praktika, die 2014 begonnen haben und 2015 weiterlaufen?

Der Übergang von diesem in das kommende Jahr ist nicht gänzlich klar geregelt. Was beispielsweise gilt, wenn ein Praktikum am 1. November 2014 beginnt und bis zum 28. Februar oder bis zum 15. April dauert? In dem ersten Fall handelt es sich zwar um ein viermonatiges Praktikum, davon fallen aber nur zwei Monate in die Zeit, ab der das Mindestlohngesetz in Kraft ist. Der zweite Fall ist eindeutiger, denn dann handelt es sich um ein Praktikum, das sowieso länger als drei Monate läuft und damit Mindestlohn-pflichtig ist.

Das BMAS selbst erklärt: „Wer einen Praktikanten einstellt, hat unverzüglich nach Abschluss des Praktikumsvertrages, spätestens jedoch vor Aufnahme der Praktikantentätigkeit, die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich niederzulegen.

Es wird also im Einzelfall zu prüfen sein, welche Dauer für welchen Zeitraum dort genau festgelegt ist und ob der Mindestlohn auch dann greift, wenn das Praktikum gemäß vertraglicher Vereinbarung bereits im Jahr 2014 begonnen wurde.“

Es gibt also zumindest die berechtigte Chance, auch für kurze Restlaufzeiten eines Praktikums in 2015 noch den Mindestlohn zu erhalten. Darauf sollten Praktikanten nicht verzichten, sondern im Zweifel eine entsprechende und angemessene Bezahlung einfordern. Schließlich sind 8,50 Euro pro Stunde kein Luxus, sondern eben nur ein Mindestanspruch.

Müssen Praktikanten durch den Mindestlohn Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung zahlen?

Praktikanten gelten gemäß dem Mindestlohngesetz als Arbeitnehmer. Für sie greifen dieselben Vorgaben und Regelungen wie für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Allgemeinen. Das heißt, vom Lohn sind die üblichen Sozialabgaben zu entrichten (Renten- und Pflegebeitrag sowie Beiträge zur Arbeitslosen- und Krankenversicherung). Hinzu kommen Steuern, die in ihrer Höhe vom Bruttoverdienst abhängig sind. Wichtig dabei: Das so genannte Existenzminimum von 8.354 Euro im Jahr (2014) ist steuerfrei.

Was ändert sich sonst noch?

Mit dem Mindestlohn verbunden ist der Anspruch auf einen schriftlichen Praktikumsvertrag. Dies gilt also ausdrücklich für Praktikanten, die einen Anspruch auf Mindestlohn haben. Aus dem Vertrag müssen die wesentlichen Bedingungen wie Urlaubstage, Vergütung, Arbeitszeiten, Vertragslaufzeit und Lerninhalte hervorgehen. Der fertige Vertrag sollte dem Praktikanten vor Beginn des Praktikums unterschrieben ausgehändigt werden. Durch diese Neuregelung wird die Position von Praktikanten gestärkt. Sie bekommen deutlich mehr Planungssicherheit und sind nicht mehr kurzfristig austauschbar.

Bei Fragen zum Thema Praktikum informiert die IG BCE wie gewohnt in den jeweiligen Bezirken. In den Betrieben kümmern sich auch die Jungend- und Auszubildendenvertretung (JAV) sowie der Betriebsrat, wenn Praktikanten einen Ansprechpartner suchen.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat zudem für Fragen zum Mindestlohn ein Bürgertelefon eingerichtet: 030 221 911
 

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