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24.01.2012

Von: Rolf Winkel

Rechtsratgeber

Arbeitszeugnis

Wenn Sie demnächst Ihren Arbeitsplatz wechseln oder verlieren, sollten Sie sich in jedem Fall um ein gutes Arbeitszeugnis bemühen. Auch dann, wenn Sie bereits einen neuen Job haben oder zunächst an einer Weiterbildungsmaßnahme teilnehmen möchten.

Grundsätzlich haben Sie bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Dies regelt § 109 der Gewerbeordnung

Danach muss das Zeugnis „mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit“ enthalten. Steht im Zeugnis nicht mehr, so handelt es sich um ein so genanntes „einfaches Zeugnis“, das allerdings nicht besonders aussagekräftig ist.

Bei Stellenbewerbungen sollten Sie ein qualifiziertes Zeugnis vorlegen. Dieses enthält auch Angaben zur Ihrer Leistung und zu Ihrem Verhalten im Job. Wenn vom Arbeitszeugnis die Rede ist, meint man meist diese qualifizierte Variante. In vielen Fällen wird Ihnen Ihr Arbeitgeber von sich aus ein solches Zeugnis ausstellen – er muss es aber nicht. Im Grundsatz müssen sie es „verlangen“.

Nach der arbeitsgerichtlichen Rechtsprechung muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer eine wohlwollende und an objektiven Maßstäben ausgerichtete Beurteilung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses ausstellen.

Ob dies tatsächlich der Fall ist, erschließt sich häufig nicht auf den ersten Blick. »Herr Müller hat sich immer um die gute Bedienung unserer Kunden bemüht.« Das klingt doch gut, oder? Falsch: »Er hat sich bemüht«, bedeutet in der Zeugnissprache nichts anderes als »er hat es nicht geschafft«. Es gibt immer noch eine Reihe von feststehenden Regeln zur Interpretation von Arbeitszeugnissen, obwohl man in etlichen Unternehmen bzw. in deren Personalabteilungen solche Geheimcodes für veraltet hält. Dazu gehört auch eine verschlüsselte Notengebung. Beispiel: Der Formulierung »hat die an ihn gerichteten Anforderungen erfüllt« entspricht allenfalls der Schulnote »4«. Zu einer »1« wird diese Redewendung erst durch den Zusatz »stets zu unserer vollsten Zufriedenheit«.

Kundige Leser von Arbeitszeugnissen achten vor allem auch auf das, was nicht im Dokument steht. Für Kundenbetreuer ist beispielsweise der Kontakt zu Kunden entscheidend. Steht hierzu nichts im Zeugnis, so wird man davon ausgehen, dass der Betroffene mit Kunden nicht allzu gut umgehen konnte (selbst wenn die Firma, die das Zeugnis ausstellt, das gar nicht beabsichtigte).

Wenn Sie nicht zu den wenigen Experten im »Zeugnis-Chinesisch« gehören, sollten Sie das vom Betrieb ausgestellte Papier immer von jemandem gegenlesen lassen, der sich damit auskennt. Wer Mitglied der IG BCE ist, kann sich auch von der Gewerkschaft hierüber beraten lassen.

Oft wird Ihr (Noch-)Arbeitgeber überhaupt nichts dagegen haben, wenn Sie auch eigene Formulierungsvorschläge für das Zeugnis machen. Sie können auch – am besten allerdings nach Vorankündigung – einen kompletten eigenen Zeugnisentwurf vorlegen (wichtig aber: vorher von Fachleuten überprüfen lassen!). Sie haben zwar keinen Rechtsanspruch darauf, dass man Ihre Texte übernimmt. Allerdings: Wenn Sie nicht gerade im größten Krach aus Ihrer Firma ausscheiden, wird man Ihnen häufig entgegenkommen. Betont werden sollten in Ihrem Zeugnis besonders solche Arbeitsinhalte und Fähigkeiten, die Ihnen im Hinblick auf Ihre berufliche Zukunft wichtig sind – die anderen können weggelassen oder nur kurz erwähnt werden.

Wenn Ihre Versuche scheitern, auf gütlichem Wege eine Änderung des Arbeitszeugnisses zu erreichen, können Sie noch immer versuchen, eine Berichtigung oder Ergänzung des Zeugnisses vor dem Arbeitsgericht zu erreichen – wenn ihre Klage hinreichend erfolgversprechend ist, auch mit Rechtschutz der IG BCE.

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