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11.08.2015

Von: Rolf Winkel

Rechtsratgeber

Altersteilzeit

Das Altersteilzeitgesetz ermöglicht Arbeitnehmern frühestens ab Vollendung des 55. Lebensjahres eine Halbierung ihrer Arbeitszeit. Die Einbußen beim Lohn und bei der Rente halten sich dabei in Grenzen.

Dafür sorgen tarifliche und gesetzliche Regeln. Einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Altersteilzeit (ATZ) gibt es nicht. Ältere Arbeitnehmer sollten sich bei ihrem Betriebsrat erkundigen, was in „ihrem“ Betrieb drin ist. Im Tarifvertrag '“Lebensarbeitszeit und Demografie'', den die IG BCE und die Chemie-Arbeitgeber 2008 abgeschlossen haben, ist z.B. vorgesehen, dass bei einer entsprechender Vereinbarung der Betriebsparteien – also des Betriebsrats und des Arbeitgebers – die ATZ vom 59. bis zum bis 65. Lebensjahr in Anspruch genommen werden kann. Maximal fünf Prozent der Beschäftigten können danach gleichzeitig ATZ beanspruchen.


Blockmodell: Gedacht war die ATZ vom Gesetzgeber ursprünglich als „Gleiten“ in den Ruhestand. Doch davon kann in der Praxis keine Rede sein. Mehr als 90 Prozent der Altersteilzeitler entscheiden sich für die Block-Variante: Sie arbeiten erst einige Jahre voll – etwa von 59 bis 62. Dann werden sie von der Arbeit freigestellt – bei fortbestehendem Arbeitsverhältnis – etwa von 62 bis zum regulären Rentenalter. Die ATZ gliedert sich also in eine „aktive“ und eine „passive“ Phase.

Lohnplus: Der Lohn wird während der gesamten ATZ auf Grundlage eines «halbierten Jobs» gezahlt. Wer vorher 3.000 Euro brutto verdient hat, dem stehen in der Altersteilzeit also 1.500 Euro brutto zu. Hinzu kommen nach dem Gesetz als Aufstockungsbetrag des Arbeitgebers mindestens noch 20 Prozent des Teilzeitbruttos. Bei 1.500 Euro Bruttogehalt müssen also mindestens 300 Euro zusätzlich gezahlt werden – diese sind sozialversicherungsfrei. In vielen Tarifverträgen – so auch in der Chemie- und Papierindustrie – gibt es aber noch günstigere Aufstockungs-Regelungen.

Rentenplus: Auch die Rentenversicherungsbeiträge der Altersteilzeitler werden aufgestockt – auf 90 Prozent der Beiträge, die bei einem Job mit unveränderter Arbeitszeit gezahlt würden.

Arbeitgeber-Förderung: Falls die ATZ schon vor 2010 begonnen hat, übernimmt die Bundesagentur für Arbeit unter Umständen für den Arbeitgeber die im Altersteilzeitgesetz vorgesehene (Mindest-)Aufstockung des Gehalts sowie das Plus bei der Rente. Dafür muss die Firma aber den freiwerdenden (Teilzeit-)Arbeitsplatz aber mit einem Arbeitslosen oder einem zuvor Ausgebildeten besetzen. Meist gibt es keine Förderung, weil diese Voraussetzung nicht erfüllt wird. Seit 2010 werden neue Fälle von ATZ ohnehin nicht mehr von den Arbeitsagenturen gefördert. Doch ungeförderte Altersteilzeit gibt es auch künftig noch.

Insolvenzsicherung: Altersteilzeitler verzichten zunächst bei der Vollzeitarbeits-Phase auf die Auszahlung eines Teils ihres Lohns und sparen diesen für die «passive» Phase der ATZ auf. Damit geben sie ihrer Firma quasi einen Kredit. Deshalb muss in jedem Fall geklärt sein, wer für den gesparten Lohn einsteht, wenn das Unternehmen in die Insolvenz geht.

Teilzeit: Auch wer bereits Teilzeit arbeitet, kann in Altersteilzeit gehen. Tipp: Wenn möglich, sollte die Arbeitszeit dann spätestens zwei Jahre vor dem Wechsel in ATZ erhöht werden. Denn dann steigt auch der Lohn in der späteren ATZ.

Krankheit: Wer gesundheitlich schon stark angeschlagen ist, sollte die Finger von der ATZ lassen. Bei längerer Krankheit drohen Altersteilzeitlern nämlich Nachteile: Denn das Krankengeld wird nur auf Grundlage des niedrigeren Teilzeit-Bruttoentgelts berechnet und Anspruch auf den Aufstockungsbetrag haben Langzeitkranke erst in der passiven Phase der Altersteilzeit.

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