Gesetzliche Krankenversicherung

Psychotherapeuten müssen offene Sprechstunden anbieten

Wer Hilfe eines Psychotherapeuten benötigt, soll künftig seltener auf einer Warteliste landen, sondern frühzeitig in einer psychotherapeutischen Sprechstunde betreut werden. Ab April 2017 können gesetzlich Krankenversicherte solche Sprechstunden in Anspruch nehmen. Das regelt die neue Psychotherapeuten-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses  (G-BA).

Psychotherapie
22.12.2016
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Ab April 2017 ändert sich für gesetzlich Versicherte mit psychischen Problemen zweierlei:

Erstens: Psychotherapeuten mit Kassenzulassung müssen dann zusätzlich zu den bisherigen Leistungen  Sprechstunden für Patienten anbieten. Dort soll geklärt werden, ob und wie schwer der Patient erkrankt ist. Der Psychotherapeut soll anschließend die Behandlung entweder selbst übernehmen oder vermitteln.

Zweitens:  Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen werden dann auch Sprechstundentermine bei Psychotherapeuten vermitteln. Eine ärztliche Überweisung an einen Psychotherapeuten muss dabei nicht vorgelegt werden.

Um die oft lange Wartezeit auf einen Termin bei einem Facharzt zu verkürzen, wurden bereits Anfang 2016 bei den Kassenärztlichen Vereinigungen „Terminservicestellen“ eingerichtet.  Sie sollen dafür sorgen, dass Patienten innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin erhalten. Dafür bleibt den Servicemitarbeitern eine Woche Zeit. Termine beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden müssen die Terminservicestellen nicht vermitteln.

Ab April 2017 müssen diese Terminservicestellen gesetzlich Versicherten auch einen Sprechstunden-Termin bei einem Psychotherapeuten vermitteln.

Einen Anspruch des Versicherten auf einen Termin bei einem bestimmten Psychotherapeuten  gibt es allerdings nicht. Die Patienten können aber den angebotenen Termin auch ablehnen und (weiter) auf einen Behandlungstermin bei ihrem Wunsch-Therapeuten warten. Die Neuregelung soll dazu führen, dass gesetzlich krankenversicherte Patienten nicht mehr so lange auf einen Termin beim Psychotherapeuten warten müssen wie bisher. Bisher dauert es im Schnitt drei Monate bis zu einem Erstgespräch mit einem Psychotherapeuten.

Das Sprechstunden-Angebot soll in der nächsten Zeit flächendeckend ausgebaut werden. Psychotherapeuten mit Kassenzulassung sollen ab April 2017  – so die Vorgabe des Gemeinsamen Bundesausschusses – pro Woche mindestens 100 Minuten Sprechstunden anbieten, bei einem halben Versorgungsauftrag des Therapeuten sind es 50 Minuten. Den Umfang ihres Sprechstundenangebots  müssen die Psychotherapeuten an die Kassenärztliche Vereinigung melden. Ursprünglich war im Beschluss des G-BA die Formulierung enthalten, dass Therapeuten eine Sprechstunde anbieten „können“. Diese Kann- Bestimmung wurde vom Bundesgesundheitsministerium beanstandet und nun in der überarbeiteten Fassung der Psychotherapie-Richtlinie gestrichen. Der G-BA geht davon aus, dass bis „spätestens am 1. April 2018 eine ausreichende Zahl von Sprechstunden angeboten wird“.

Ein erwachsener Patient kann im Rahmen der Sprechstunden bis zu 6 x 25-minütige Termine erhalten – Kinder, Jugendliche und deren Eltern bis zu 10 x 25-minütige Termine. Eltern können auch ohne ihre Kinder Termine in der Sprechstunde wahrnehmen. Am Ende des Sprechstundengesprächs  sollen die Patienten einen Befundbericht erhalten,  der auch für Personen ohne psychotherapeutische oder medizinische Kenntnisse verständlich  ist.  Darüber  hinaus  werden  der  Patientin  oder  dem  Patienten Empfehlungen für das weitere Vorgehen gegeben.

Mehr Gruppentherapie, weniger Probesitzungen

Außer der psychotherapeutischen Sprechstunde hat der G-BA noch weitere Verbesserungen für die Versorgung psychisch Kranker beschlossen. So wurden die Hürden für eine Gruppentherapie gesenkt. Diese ist künftig bereits für drei Patienten möglich. Bisher mussten mindestens sechs Patienten in einer Gruppe sein.  Zudem gilt: Wer eine Therapie macht, muss sich künftig spätestens nach der vierten Sitzung entscheiden, ob er nicht doch lieber zu einem anderen Therapeuten wechseln möchte. Bislang ist der Wechsel des Therapeuten noch bis nach der fünften Sitzung erlaubt.

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