Gesetzliche Krankenversicherung

Anspruch auf Medikationsplan

Schon seit Oktober 2016 haben gesetzlich Krankenversicherte, die mindestens drei verordnete Medikamente nehmen, Anspruch auf einen Medikationsplan. So sollen unkontrollierte Wechselwirkungen von Medikamenten eingedämmt werden.

josemoraes, iStockphoto

Produktion von Medikamenten Produktion von Medikamenten
22.12.2016
  • Von: Rolf Winkel und Hans Nakielski
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Rund 500.000 Notaufnahmen in deutschen Kliniken gehen auf das Konto von so genannten Medikationsfehlern. Das schätzt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Eine gesetzliche Neuerung soll helfen, das Problem zu lindern. Seit Oktober 2016 haben gesetzlich Krankenversicherte einen Rechtsanspruch auf einen Medikationsplan – soweit sie drei oder mehr verordnete Medikamente nehmen. Für privat Versicherte kann der Medikationsplan auf freiwilliger Basis erstellt und aktualisiert werden.

Betroffen sind insbesondere ältere Menschen, die mehrere Arzneien nehmen. Häufig sind sie bei mehreren Ärzten verschiedener Fachrichtungen in Behandlung, die schlimmstenfalls gar nichts darüber wissen, was ihre Kollegen verschrieben haben. Zudem nehmen die Versicherten häufig noch zusätzlich nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Unkontrollierte Wechselwirkungen sind dabei nicht auszuschließen.

Diese sollen durch den Medikationsplan, der auf freiwilliger Basis ohnehin bereits vielen Patienten ausgehändigt wird, soweit wie möglich verhindert werden. Den Medikationsplan erhalten die Patienten ausgehändigt. Wichtiger ist aber wohl, dass der Arzt – sowohl der Allgemeinmediziner als auch der Facharzt – so einen besseren Überblick über die Gesamtmedikation eines Patienten erhält. Die meisten Praxissoftwaresysteme bieten einen automatischen Arzneimittelsicherheits-Check an. Die Software soll Alarm schlagen, wenn Medikamente problematische Wechselwirkungen verursachen.

Festgeschrieben ist der neue Rechtsanspruch im so genannte E-Health-Gesetz, das bereits Ende 2015 in Kraft getreten ist. Dadurch wurde der neue § 31a (»Medikationsplan«) ins Sozialgesetzbuch (SGB) V eingefügt. Ärzte sind danach verpflichtet, »bei der Verordnung eines Arzneimittels den Versicherten«, der mindestens drei verordnete Arzneimittel erhält, über den Anspruch auf einen Medikationsplan zu informieren. Ab 2018 soll der Medikationsplan auch elektronisch auf der Gesundheitskarte abrufbar sein.

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