Glasindustrie

Längst mehr als Flasche und Fenster

Die deutsche Glasindustrie beschäftigt in Betrieben mit mehr als 50 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 2018 im Durchschnitt rund 51.000 Arbeitnehmer in 274 Werken. 2018 zählte die Branche 2.661 Beschäftigte oder 5,5 Prozent mehr als 2017. 2018 belief sich der Gesamtumsatz der Hersteller von Glas und Glaswaren auf rund 9,4 Milliarden Euro. In keinem anderen Land in Europa gibt es so viele Glas produzierende Betriebe wie in Deutschland.

Werner Bachmeier

Für feine Düfte: Flacon-Produktion bei Gerresheimer im Frankenwald. Für feine Düfte: Flacon-Produktion bei Gerresheimer im Frankenwald.
  • Von: Axel Stefan Sonntag
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Die deutsche Glasindustrie umfasst Flachglaserzeugung, Flachglasveredelung und -bearbeitung, Spezialglas und technische Gläser, Glasfaserherstellung sowie Hohlglas (Behälter-, Kristall- und Wirtschaftsglas).

Gemessen an der Beschäftigtenzahl besitzt die Flachglasveredelung mit rund 45 Prozent den größten Anteil, gefolgt von der Hohlglasherstellung mit 26,5 Prozent und der Herstellung von Spezialglas und technischen Gläsern mit 13,1 Prozent.

Automobil- und Bauindustrie sorgen für Nachfrage

Wichtige Absatzmärkte der Glasprodukte sind die Bauindustrie, die Ernährungs- und Getränkeindustrie, die Fahrzeughersteller sowie der Bereich Chemie, Pharma und Kosmetik.

Einen wesentlichen Anteil an der konjunkturellen Entwicklung der Glas-Branche hatte zuletzt die Bauindustrie. Hiervon profitierten in sehr starkem Maße die Flachglasherstellung sowie der Verarbeitungs- und Veredelungsbereich. Ebenfalls hatten die Automobilhersteller einen positiven Einfluss auf die Auslastung der deutschen Flachglashütten. Die positive Entwicklung wurde Mitte 2018 etwas gestoppt, weil die Fahrzeughersteller mit dem neuen Emissionsmessverfahren größere Probleme hatten als vorzusehen war.

Die deutsche Glasbranche ist besonders innovationsstark und auf die zukünftigen Anforderungen der Märkte gut vorbereitet. Im Fokus technologischer Produktinnovationen stehen derzeit folgende Schwerpunkte:

  • Laserglas für Autonomes Fahren; dünnere Fahrzeugscheiben (Leichtbau) und Flaschen;
  • Optische Anwendungen in Augmented- und Virtual Reality; das Marktpotenzial der Verschmelzung realer/virtueller Welt wird weltweit auf ca. 200 Mrd. US-Dollar in 2022 geschätzt;
  • Hochreine Glasfaser für endoskopische Anwendungen (global wachsender Markt);
  • Fläschchen, Ampullen und Karpulen für Pharmaverpackungen versprechen ebenfalls einen wachsenden Markt;
  • Für Forschungszwecke wird ein Wachstum von sog. Microarrays mit beschichteten Glassubstraten (z.B. für die Krebsdiagnose) sowie Beleuchtungslösungen mit sensorüberwachten LED-Lichtquellen und hochflexibler Glasfaseroptik prognostiziert;
  • Glasröhren zur Erzeugung von Mikroalgen in Photo-Bioreaktoren sind kürzlich erstmals zum Einsatz gekommen;
  • Glas-Metall- und Glaskeramische Einschmelzgläser für Brennstoffzellen, elektrische Durchführungen für Flüssiggasanwendungen in Tieftemperaturschiffen oder Spezialtanks,
  • Mit dimmbarem Sonnenschutzfensterglas lässt sich der Licht- und Wärmeeintrag individuell regeln und kann somit die Klimaanlage ersetzen.
  • Neue glaskeramische Lösungen (z.B. für Whiteboards) finden im Rahmen innovativer Bürokonzepte verstärkt Anwendung sowie
  • Glaskeramik-Segmente für Teleskope (Erforschung des Weltalls).

Damit Innovationen wie diese auch weiterhin möglich sind, braucht es ein hohes Qualifikationsniveau der in der Glasindustrie Beschäftigten. Nur mit dem entsprechenden Know-how bleiben die Unternehmen auch in Zukunft in der Lage, ihre führende Stellung in der EU und der Welt zu halten.

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