Technologietrends und Innovationen

Glas- und Keramiktechnologien

Die Herstellung von Glas beruht – vom Grundprinzip her – noch heute auf Rohstoffen und Techniken, deren Nutzung Jahrtausende zurückliegt.
Naturgemäß haben sich die Technik und die angewandten Produktionsverfahren, aber auch die Qualitäten der Rohstoffe bzw. der eingesetzten Rohstoffmischungen weiterentwickelt. 

SCHOTT

Produktion von Spezialfloatglas Geschützt mit Thermoanzügen stehen zwei Mitarbeiter von SCHOTT Jenaer Glas GmbH an einer Anlage zur Produktion von Spezialfloatglas.
11.06.2013
  • Von: Axel Stefan Sonntag
Schlagworte

Auffällig ist dabei, wie einzelne technische Weiterentwicklungen immer wieder zu weltweiten Umbrüchen führen, mit dramatischen Effekten für die Arbeitnehmer – ob Arbeitsplatzvernichtung oder die Entstehung ganz neuer Beschäftigungsfelder.

Flachglas: Bruchsicher, transparent, kratzfest

Ein tiefer Einschnitt entstand beispielsweise aus der systematischen Suche nach verbesserten Herstellungsverfahren für Glasscheiben. Dem Unternehmen Pilkington gelang vor Jahrzehnten der technologische Durchbruch zum so genannten Floatglas (Flachglas). Das Floatglasverfahren ist die heute übliche Form zur Herstellung von Flachglas. Die Vorteile: Die bis zu zwei Millimeter dünnen Scheiben sind so transparent, dass sie sich allein deshalb schon hervorragend als Schaufenster-Glas eignen. Außerdem bildet Floatglas praktisch keine Blasen. Darüber hinaus ist es besonders bruchsicher, eignet sich also ebenso als Sicherheitsglas. Weil Floatglas nicht anfällig für Kratzer ist, greift auch die Möbelindustrie gerne darauf zurück (zum Beispiel für Tischplatten und Tür-Vitrinen).
Wie die Politik die Entwicklungen auf dem Glas-Markt mitbestimmt, zeigt exemplarisch die Verpackungsverordnung. Das einst vom damaligen Bundesumweltminister Klaus Töpfer durchgesetzte Papier bescherte uns in letzter Konsequenz das „Dosen-Pfand“ bzw. die generelle Pfand-Abgabe von 25 Cent auf nahezu alle Einweg-Getränkeverpackungen. Wo es früher fast alle Getränke in Glasflaschen zu kaufen gab, gibt es sie heute fast nur noch als (pfandfreie) Karton- oder PET-Variante. Ein großes Manko für die Glas-Industrie, denn sie muss deshalb heutzutage mit deutlich weniger Altglas auskommen. Dabei sind die Scherben ein wichtiger Rohstoff für neues Glas.

Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich mit den Energiepreisen

Die Glasherstellung gehört zu den energieintensiven Industriebranchen. Das führt neben ökologischen Herausforderungen auch zu handfesten ökonomischen Problemen. Denn die Möglichkeiten, den Verbrauch durch den effektiveren Einsatz von Brennern und durch Wärmerückgewinnung zu senken, gelten als weitgehend ausgereizt. Beim Rohstoff Glas senkt eine hohe Altglasquote den Energieverbrauch zwar unmittelbar, aber bestimmte Mindesttemperaturen gelten beim heutigen Stand der Technik als zwingend notwendig. Gerade deshalb sind stabile und wettbewerbsfähige Energiekosten so wichtig, um die bestehenden deutschen Industriestrukturen nachhaltig zu sichern.
 

Nach oben