Photovoltaik

Hochtechnologie in schwerem Fahrwasser

Im Jahr 2012 waren in Deutschland noch rund 90.000 Arbeitnehmer direkt und indirekt in der Photovoltaikindustrie tätig. Die Beschäftigtenzahlen werden 2013, wie schon in den vergangenen zwei Jahren, weiter fallen. Die weltweiten Überkapazitäten, die gravierenden Preisrückgänge und eine langsamer wachsende Nachfrage haben zu einer schweren Krise bedeutender Unternehmen der deutschen Photovoltaikindustrie geführt. Dies gilt insbesondere für die Photovoltaikzellen- und Modulhersteller. 

Sven Doering / Agentur Focus

Produktion von Solarmodulen bei SolarWorld. Produktion von Solarmodulen bei SolarWorld.
01.03.2012
  • Von: Axel Stefan Sonntag

Getrieben hat diese Entwicklung vor allem die gezielte industriepolitische Strategie Chinas, größter Photovoltaik-Produzent der Welt zu werden. Dieses Ziel hat das Land mittlerweile erreicht, allerdings klagen auch die dortigen Hersteller über zu hohe Kapazitäten.

Zu geringe Investitionsbereitschaft

Die krisenhafte Lage deutscher Photovoltaik-Unternehmen hat noch weitere Ursachen, zu denen insbesondere zu dünne Finanzierungsdecken und auch unternehmensstrategische Fehlentscheidungen zählen. Grundsätzlich investiert die Photovoltaik-Branche in Deutschland im Vergleich zu anderen Branchen wenig in Forschung und Entwicklung. Aus industriepolitischer Sicht scheint die gesetzliche Einspeisevergütung im Bereich der Photovoltaik allein nicht genügend Anreize zu bieten, international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen ist für die IG BCE eine aktive Industriepolitik für die Photovoltaik-Industrie unerlässlich. Die Bundesregierung muss sich zum „Produktionsstandort Photovoltaik Deutschland“ bekennen und durch ihr politisches Handeln die Zukunft der Branche sichern.

Ostdeutsche Solar-Industrie sichern

Ein besonderer Produktionsschwerpunkt von Zell- und Modulherstellern der Photovoltaik-Industrie hat sich in den östlichen Bundesländern herausgebildet. Dort wurden in diesem Bereich viele neue Industriearbeitsplätze geschaffen. Dieses wichtige industrielle Cluster muss in Ostdeutschland gehalten werden.

Zur Photovoltaik-Industrie gehören aber auch Hersteller chemischer Vorprodukte, Silizium- und Waferproduzenten, Hersteller von Solarzellen und -modulen, Systemanbieter und Dienstleister für Installation und Wartung. Die Photovoltaik-Industrie ist in den Wirtschaftsstatistiken bisher nicht eindeutig gekennzeichnet. So gehören beispielsweise auch Teilbereiche der Glasindustrie, der Elektrotechnik, des Maschinenbaus, der chemischen Industrie, des Handwerks und der Energieerzeugungsbranche zu ihr.

100 GW Leistung installiert

Die Technik an sich ist eine Hochtechnologie mit hohem Innovations- und Ausbaupotenzial. Mittlerweile ist der weltweite Durchbruch geschafft. Die Systempreise sinken weiter signifikant. Insgesamt dürften 2012 bereits rund 100 Gigawatt (GW) Photovoltaik-Leistung installiert sein – in etwa doppelt so viel wie 2010. Circa ein Drittel davon wurde allein in Deutschland installiert (zum Vergleich: ein großes konventionelles Kraftwerk kommt auf eine Leistung von rund 1 GW).

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Solaranlage
Zurzeit sind rund 85 Prozent aller Photovoltaik-Zellen auf der Basis von Silizium hergestellt. Händler bieten diese als mono- und polykristalline Solarzellen an. Neben den kristallinen Solarzellen gibt es die neuere Dünnschichttechnologie (amorphes Silizium, CIS- oder Cadmium-Tellurid-Zellen). Diese Technologie hat zwar geringere Wirkungsgrade als kristalline Zellen, besitzt jedoch andere Vorteile: Die Produktion ist kosteneffizienter, sie verbraucht weniger Material und Energie.

Noch im Anfang der Entwicklung stehen die organischen und Farbstoff-Solarzellen. Sie bestehen aus Materialien der organischen Chemie, meist in Form von Polymeren. Organische Solarzellen könnten sich zu flexiblen, teilweise transparenten und hauchdünnen Modulen verarbeiten lassen.

Allen drei Zellentechnologien werden noch weitere Entwicklungssprünge zugetraut. Die Frage, ob bzw. welche dieser Technologien sich durchsetzen, ist zurzeit noch offen. Auch dieser Umstand erhöht die Unsicherheit im Photovoltaik-Markt. 

Aktive Industriepolitik für die Photovoltaik-Industrie

„Unterm Strich“ benötigen Hersteller und Arbeitnehmer also dringend mehr Sicherheit und Perspektive. Die Forderungen der IG BCE lauten daher:

  • Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) muss so gestaltet werden, dass die Branche in Deutschland langfristig sichere Rahmenbedingungen erhält.
  • Unverzügliche Bereitstellung von Finanzierungs- und Kredithilfen und Bürgschaften über einen zu schaffenden Fonds für Unternehmen, die einen zukunftsfähigen Businessplan haben. Analog zum ehemaligen Deutschlandfonds entscheidet über die Gewährung von Hilfen ein fach- und sachkundiger Ausschuss.
  • Einrichtung eines Branchendialoges „Deutsche Photovoltaik-Industrie“ der deutschen Bundesregierung zur Zukunftssicherung der Branche unter Federführung des Bundeskanzleramtes zur Schaffung einer nationalen Plattform „Photovoltaik“.
  • Erhöhung öffentlicher Aufwendungen der „Förderinitiative Innovationsallianz Photovoltaik“ von 100 auf 500 Millionen Euro mit Schaffung eines Förderschwerpunkts „Anwendungsforschung“.
  • Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung.
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