Energiewirtschaft

Vor großen Herausforderungen

In der deutschen Energiewirtschaft arbeiten etwa 120.000 Beschäftigte. Die hiesige Stromversorgung basierte im Jahr 2010 zu 23,7 % auf Braunkohle, 22,6 % auf Kernenergie, 18,7 % auf Steinkohle, 16,5 % auf erneuerbare Energien, 13,6 % auf Erdgas und 4,9 % auf weiteren Energieträgern.

Volker Rauch, shutterstock.com

Umspannwerk Umspannwerk

Am 30.06.2011 hat der Deutsche Bundestag die erst am 28.10.2010 beschlossene Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke vor dem Hintergrund der Nuklearkatastrophe in Fukushima zurückgenommen und zugleich beschlossen, bis zum Jahr 2022 aus der Nutzung der Kernenergie auszusteigen. Dieser Entscheidung vorangegangen war eine intensive Diskussion in der so genannten Ethik-Kommission, in der auch die IG BCE durch ihren Vorsitzenden Michael Vassiliadis vertreten war. Sie kam zu dem Ergebnis, dass ein Ausstieg bis zum Jahr 2022 bewältig werden kann. Durch diesen Beschluss und die damit im Zusammenhang stehenden weiteren Facetten wird nicht nur die Energiewirtschaft, sondern werden auch Unternehmen und private Haushalte vor großen Herausforderungen stehen, den nicht immer einfachen Weg in eine CO2-arme und weitgehend auf erneuerbare Energien basierende Energieversorgung zu beschreiten.

Aus Sicht der IG BCE müssen daher moderne Kohle- und Gaskraftwerke eine Brückenfunktion einnehmen, um jederzeit die Systemstabilität der Elektrizitätsversorgung gewährleisten zu können.

Durch den hohen Einsatz von Braun- und Steinkohlekraftwerken sowie Kernenergie ist die deutsche Elektrizitätserzeugung bislang weitgehend von den Schwankungen der internationalen Energiemärkte unabhängig. Insbesondere die Energieträger Öl und Gas spielen bei uns in der Stromerzeugung nur eine untergeordnete Rolle. Diese Struktur entstand aufgrund politischer Vorgaben in den 70er und 80er Jahren.  Vor dem Hintergrund der beiden Ölkrisen 1973 und 1979/1980 wurde diese Energiepolitik von einem breiten gesellschaftlichen Konsens getragen.

Mit der Einführung des Erneuerbaren Energiengesetzes (EEG) im Jahre 2000 nahm sowohl die Erzeugungskapazität als auch die Lieferung elektrischer Arbeit von Anlagen auf Basis erneuerbarer Energien deutlich zu - ganz besonders die Windenergie.

In den kommenden beiden Jahrzehnten steht die deutsche Kraftwirtschaft wegen Stilllegung alter Anlagen vor der Herausforderung, Kraftwerke mit rund 40.000 Megawatt (MW) Leistung neu zu bauen. Hinzu kommen die Anforderungen durch die Integration der erneuerbaren Energien in das System bei Wahrung der Systemstabilität. Der Ausstieg aus der Kernenergie könnte diesen Bedarf auf bis zu 60.000 MW steigern.

Die Energiewirtschaft hat neben einer wettbewerbsfähigen und sicheren Versorgung zugleich die Aufgabe, den Ausstoß von Treibhausgasen in die Erdatmosphäre weiter zu verringern. Der deutsche Kraftwerksbau gilt dabei nach wie vor als weltweit führend. Durch erhebliche Verbesserungen der Wirkungsgrade von Kraftwerken wurden allein im Bereich der Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern Effizienzverbesserungen erreicht, die den weltweiten Durchschnitt um bis zu 50 Prozent übertreffen.

Der schwierige Weg zur Energiewende: Regierung ohne klare Linie

Von herausragender Bedeutung für die Kohleverstromung sind die Technologien zur Abtrennung und Speicherung von Kohlendioxid (CO2), die so genannte CCS-Technologie. Mit Hilfe von CCS könnten die CO2-Emissionen aus der Nutzung von fossilen Brennstoffen in Kraftwerken oder anderen industriellen Großanlagen drastisch reduziert werden. Erste Testanlagen laufen in Deutschland bereits, größere Pilotkraftwerke sollten folgen. Der Erprobung und großflächige Einführung von CCS könnte weltweit dazu beitragen, die zum Klimaschutz angestrebten CO2-Reduktionsziele zu erreichen. Denn die Nutzung von fossilen Brennstoffen, insbesondere Kohle, wird weltweit steigen. Allerdings: Auch im Jahr 2011 setzte die Bundesregierung die EU-CCS-Richtlinie nicht in nationales Recht um. Das Pilotprojekt am Standort Jänschwalde wurde daraufhin abgesagt, eine wichtige Chance vertan.

Sorge bereiten der IG BCE die Umsetzungsschritte auf dem Weg zur Energiewende: Die Bundesregierung hat in der Energiepolitik keine klare Linie.  Der Netzausbau kommt nicht voran, in neue Kraftwerke wird nicht investiert. Vor diesem Hintergrund erneuert Vassiliadis die Forderung der IG BCE nach einem Energieministerium, das die Energiewende mit ihren ökonomischen, sozialen und ökologischen Aspekten koordiniert und steuert. Gleichzeitig plant die Gewerkschaft einen eigenen Monitoring- und Begleitprozess der Energiewende.

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