Pharmastandort Deutschland

Positionen und Vorschläge der IG BCE

Die IG BCE setzt sich dafür ein, die Interessen der Beschäftigten in der Pharma-Industrie, den Mitgliedern in der gesetzlichen Krankenversicherung und den Leistungserbringern der Gesundheitswirtschaft in eine vernünftige Balance zu bringen. Dabei richtet sie ihr besonderes Augenmerk auf gute Arbeitsbedingungen und die Zukunftsfähigkeit der deutschen Pharma-Industrie. 

nikesidoroff - Fotolia.com

Forschung
08.10.2015
  • Von: Axel Stefan Sonntag
Schlagworte

Nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2015 rd. 110.000 Menschen in Betrieben beschäftigt, die pharmazeutische Produkte herstellen. Der Umsatz mit Arzneimitteln betrug 2014 weltweit rd. 937 Milliarden Euro, wobei der größte Anteil auf Nordamerika, Europa und Japan entfällt. Insbesondere für die Schwellenländer wird aufgrund des wachsenden Wohlstandes, der damit verbundenen Zunahme von Zivilisationskrankheiten und der demografischen Entwicklung eine zunehmende Bedeutung der Arzneimittelmärkte vorausgesagt.

Herausforderungen durch demographischen Wandel

Die Branche steht vor großen Herausforderungen: Die Menschen in den entwickelten Industrienationen werden dank des medizinisch-technischen Fortschritts immer älter. Das eröffnet auf der einen Seite ein wachsendes Beschäftigungspotenzial in der Gesundheitswirtschaft. Auf der anderen Seite steigen die Kosten für die Behandlung von Krankheiten kontinuierlich an.

Die politischen Akteure setzen deshalb auf verstärkte Regulierung. Die Pharma-Industrie wiederum reagiert mit Kostensenkungsprogrammen, Personalabbau, der Ausgliederung von Service-Funktionen und Vertrieb sowie mit der Verlagerung ihrer Wirkstoffproduktion in Niedriglohnländer.

Vor diesem Hintergrund sieht die IG BCE Handlungsbedarf vor allem in folgenden Feldern:

  • Planungssicherheit: Die gesetzlichen Regelungen im Gesundheitsbereich allgemein und in der Pharma-Industrie im Besonderen müssen generell verlässlich, planbar und widerspruchsfrei sein. Konkret muss ein Ordnungsrahmen für die pharmazeutische Industrie einen schnellen Marktzugang für innovative Arzneimittel sichern und Markteingriffe der Politik müssen für die Unternehmen nachvollziehbar, transparent und kalkulierbar erfolgen.
  • Finanzierung: Die Preise im Kernmarkt der gesetzlichen Krankenversicherung müssen so gestaltet sein, dass sie den Pharma-Unternehmen Raum lassen zur Weiterentwicklung von Innovationen. Hier geht es um einen verantwortlichen und fairen Ausgleich zwischen Pharma-Herstellern und Leistungsträgern. Die gesetzliche Krankenversicherung muss zurückkehren zur paritätischen Beitragsfinanzierung und die Finanzautonomie der Kassen wieder herstellen. 
  • Steuerliche Forschungsförderung: Für die Sicherung des Pharma-Standortes Deutschland und der Arbeitsplätze in dieser Branche fordert die IG BCE u. a. die Absenkung des Mehrwertsteuersatzes für Arzneimittel und eine nachhaltige Forschungsförderung durch verbesserte steuerliche Anrechnungsfähigkeit von Forschungsinvestitionen.
  • Patientenorientierung: Gesundheitspolitik darf sich nicht einseitig auf Arzneimittelpreise fixieren. Vielmehr muss sie sich auf die Verbesserung der Versorgungsqualität ausrichten. Das Gesundheitswesen muss sich stärker an den Bedürfnissen der Patienten orientieren. Die IG BCE strebt eine stufenweise Optimierung der Versorgungslandschaft an – unter Einbeziehung der Krankenkassen und Leistungserbringer. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist die Auflösung der bestehenden sektoralen Grenzen im Gesundheitssystem.

Nach oben