Studie

Innovationsindikatoren Chemie 2014

Die Chemieindustrie zählt zu den besonders innovationsstarken Branchen der deutschen Wirtschaft. Über drei Viertel der Chemieunternehmen führen regelmäßig Innovationen ein und fast 60 Prozent betreiben kontinuierlich Forschung und Entwicklung. Kein anderer Industriezweig weist so hohe Werte auf. Doch um einen starken Innovationsstandort Chemie in Deutschland zu erhalten, muss die Politik gemeinsam mit Industrie und Sozialpartnern die richtigen Rahmenbedingungen setzen.

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Forschung
10.02.2015

Im Jahr 2013 hat die Chemieindustrie in Deutschland 7,3 Milliarden Euro für die Entwicklung und Einführung neuer Produkte und Prozesse ausgeben - darunter etwa 4,0 Milliarden für Forschung und Entwicklung (FuE). Deutschland ist damit international der drittgrößte FuE- und Innovationsstandort in der Chemie. Siebeneinhalb Prozent der Beschäftigten (rund 24.000 - Stand 2012) arbeiten im Bereich Forschung und Entwicklung.

FuE- und Innovationsprozesse in der Chemieindustrie finden zunehmend auf einer internationalen Ebene statt. Rund ein Viertel der Ausgaben für Forschung und Entwicklung deutscher Chemieunternehmen erfolgen an Auslandsstandorten. Die 15 größten deutschen Chemieunternehmen haben zwischen 2005 und 2013 ihre FuE-Ausgaben mit einer Jahresrate von 5,1 Prozent erhöht. Ihr Anteil an den FuE-Ausgaben der Chemieindustrie in den OECD-Ländern stieg dadurch deutlich von gut 16 auf fast 21 Prozent. Seit 2010 hat auch die FuE-Dynamik am Standort Deutschland wieder an Fahrt gewonnen. Die in Deutschland getätigten Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der chemischen Industrie lagen 2013 um rund 20 Prozent über dem Wert von 2010.

Das Außenhandelsvolumen mit forschungsintensiven Chemiewaren erreichte nach dem starken Rückgang im Jahr 2009 in den Jahren 2011 bis 2013 wieder neue Spitzenwerte. Deutschland erzielt gegenüber den meisten wichtigen Handelspartnern einen Exportüberschuss. Der Welthandelsanteil Deutschlands bei forschungsintensiven Chemiewaren lag 2013 bei 8,6 Prozent, das ist Rang zwei hinter den USA.

Gut qualifizierte Mitarbeiter und eine starke Wissenschaft sind unverzichtbar für eine erfolgreiche Chemieindustrie. Erfreulich ist, dass die Anzahl der Studienanfänger in der Chemie wieder ansteigt (2013: plus 32 Prozent gegenüber 2006). Neben der akademischen Ausbildung ist die anspruchsvolle und qualitativ hochwertige berufliche Ausbildung das zweite Standbein für den Qualifikationsnachwuchs in der Chemie. Entgegen dem deutschlandweiten Trend ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Bereich von typischen Chemieberufen 2011 und 2012 wieder deutlich gestiegen, nicht nur in Labor-, sondern gerade auch in Chemieproduktionsberufen. Das ist angesichts der stark zunehmenden Alterung der Belegschaften ein wichtiges Signal. Zudem nutzen viele ausgebildete Fachkräfte die Möglichkeit zur Aufstiegsqualifizierung zum Meister beziehungsweise Chemietechniker.

Ein hohes Qualifikationsniveau der Mitarbeiter ist ein wichtiger Erfolgsfaktor im Innovationswettbewerb. So konnten 2013 durch das betriebliche Vorschlagswesen Gesamteinsparungen in der chemischen Industrie (inklusive Pharmaindustrie und Gummi-/Kunststoffverarbeitung) von fast 900 Millionen Euro erzielt werden. Um die Qualifikationen und Kompetenzen der Mitarbeiter zu sichern und auszubauen, investieren Chemieunternehmen in bedeutendem Umfang in die betriebliche Weiterbildung (knapp 1.500 Euro je Mitarbeiter im Jahr 2010). Von 2005 bis 2012 stiegen die Weiterbildungsaufwendungen der Chemieindustrie um 27 Prozent an und damit stärker als in den meisten anderen Industriebranchen.

Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag des Verbands der Chemischen Industrie und mit Unterstützung der IG BCE.

Die gemeinsame Studie von ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) und NIW (Niedersächsisches Institut für Wirtschaftsforschung) im Auftrag des Verbands der Chemischen Industrie e. V. und der IG BCE untersucht die Innovationsleistung der deutschen Chemieindustrie und stellt anhand ausgewählter Indikatoren aktuelle Entwicklungen und Trends bei Forschung und Innovation im Wissenschafts-, Technologie- und Industriefeld Chemie dar.

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