Technologietrends und Innovationen

An der Schwelle zum Zeitalter nachwachsender Rohstoffe

In Ostasien und in den nahöstlichen Ölstaaten entstehen hochmoderne Chemiezentren von bislang nie gekannter Größe.

BASF

Produktion bei der BASF Produktion bei der BASF
27.05.2013
  • Von: Michael Weisbrodt

Die Industrie dort verfügt über günstige Kostenstrukturen und befindet sich nahe bei den wichtigsten Abnehmern. Die entscheidende Frage dabei: Verläuft der technologische Fortschritt in Mitteleuropa, vor allem in Deutschland so, dass die Chemieindustrie hunderttausenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern weiterhin gesicherte Arbeitsplätze bieten kann? Die meisten Signale deuten auf „Ja“.

Die Chemische Industrie in Deutschland verfügt über ein imposantes und sehr breit aufgestelltes Innovationspotential. Doch dem Chemie-Raum Mitteleuropa droht zugleich ein massiver „Innovationsstau“, mit gefährlichen Lücken in den so genannten Wertschöpfungsketten.

Pessimismus ist aber völlig unangebracht. Der Technologiestandort Deutschland verfügt gerade auf dem Feld der Chemie über eine solche Bandbreite an aktuellen oder bevorstehenden Innovationen, dass er aufgeschlossenen jungen Menschen eine zuverlässige Lebensperspektive bieten kann.

Effizienzwunder Katalysatoren

Der wohl umfassendste aller Innovationstrends ist mit dem Fachwort „Katalys“ verbunden – dem Einsatz spezieller Wirkstoffe, die neue chemische Reaktionen ermöglichen oder bekannte Reaktionen verbessern. Solche Katalysatoren haben für die ganze Breite der Chemieindustrie Bedeutung.

Denn viele Möglichkeiten, chemische Reaktionen durch simples Einsparen von Energie effektiver und kostengünstiger zu machen, sind inzwischen ausgereizt. Die Erforschung und der Einsatz von Katalysatoren ist der Königsweg dazu, die Chemie umweltschonender, energiesparender und vielfältiger zu gestalten.

Nobelpreis nach Deutschland

Katalysatoren sind Stoffe, die im Produktionsprozess anwesend sein müssen, ohne selbst verbraucht zu werden. Die oberflächliche Berührung des Katalysator-Stoffs eröffnet einer Chemikalie die Möglichkeit, sich mit einer anderen zu verbinden oder von einer anderen zu lösen. Obwohl in der Industrie nur noch wenige chemische Prozesse ohne den Einsatz von Katalysatoren ablaufen, steht die Erforschung der entsprechenden Oberflächen-Prozesse noch am Anfang. Deutschland nimmt in diesem Forschungswettlauf einen Spitzenplatz ein, wie 2007 der Nobelpreis für den Forscher Gerhard Ertl bewies, einem Mitbegründer der modernen Oberflächen-Chemie. Ergebnisse der Grundlagenforschung münden hier mit oft erstaunlicher Geschwindigkeit in neue Produkte oder Produktionsverfahren.

Die Katalyse-Reaktionen laufen in Maßstäben von Millionstel Millimetern ab und gehören deshalb zum so genannten „Nano“-Bereich. Forschung, Entwicklung und Produktion haben hier in den vergangenen Jahren erheblich an Schwung gewonnen.

Nach oben