Werkfeuerwehrleute

Als Ausbildungsberuf gefragt

Der Ausbildungsberuf Werkfeuerwehrmann ist inzwischen gefragt. Rund zehn Jahre hat es gedauert bis am 1. August 2009 das Berufsbild in trockenen Tüchern war. Derzeit gibt es rund 250 Werkfeuerwehr-Azubis deutschlandweit. Doch welche Entwicklungs-und Aufstiegsmöglichkeiten gibt es für sie? Eine Fachtagung der IG BCE am 20. Februar in Kassel versuchte Antworten zu geben. 

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Technische Prüfung und Übung der Werksfeuerwehr bei BASF Polyurethanes
25.02.2013
  • Von: Heinrich Kronlage
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Werkfeuerwehrleute zählen unter den hochspezialisierten industriellen Beschäftigtengruppen derzeit zu den Sorgenkindern. Einerseits macht das inzwischen etablierte Berufsbild die Ausbildung attraktiv. Junge Menschen interessieren sich zunehmend dafür. Aber natürlich wollen sie auch wissen, welche Entwicklungs- und Karriereschritte nach der Ausbildung möglich sind.  Andererseits türmen sich in den Jahren vor der Rente die Probleme. Jenseits von 60 ist die große Mehrheit der Feuerwehrleute nicht mehr einsatzfähig. Doch während die verbeamteten Beschäftigten der öffentlich-rechtlichen Wehren problemlos in den Ruhestand wechseln können, schauen die Werkfeuerwehrleute in die Röhre. Die Politik hat ihnen mit den verschärften Regelungen zur Altersteilzeit und der Verschiebung der Rentenaltersgrenze auf 67 den Ausstieg verbaut.

Vor diesem Hintergrund, so Edeltraud Glänzer, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE, sei der Schulterschluss mit dem Sozialpartner unerlässlich. „Gemeinsam mit dem Bundesarbeitgeberverband Chemie suchen wir das Gespräch mit der Politik um zu befriedigenden Lösungen für die Beschäftigten zu kommen“, betonte Glänzer auf der Fachtagung und dämpfte zugleich zu hohe Erwartungen. Mit schnellen Erfolgen sei im Wahljahr 2013 nicht zu rechnen.      

Rentenzugang und Beschäftigungsmöglichkeiten von Älteren, Gestaltung der Arbeitsbedingungen und Gesunderhaltung sowie die Nachwuchsförderung vor allem für den gehobenen Dienst bilden die Themenschwerpunkte für die Zielgruppe der Werkfeuerwehrleute. Mit dem Demografie-Tarifvertrag für die chemische Industrie ist der IG BCE ein wichtiger Schritt für den flexiblen Übergang in die Rente gelungen, so Edeltraud Glänzer. Jetzt müsse der Gesetzgeber endlich die zur weiteren Umsetzung nötigen Instrumente schaffen. Von großer Bedeutung sind daher Qualifizierungsangebote für ältere Werkfeuerwehrleute, die an den vorgeschriebenen Gesundheitsprüfungen scheitern. „Mit 60 Jahren ist die Arbeit unter schwerem Atemschutz nicht mehr zu schaffen“, so Glänzer. Es müssten alternative Beschäftigungsmöglichkeiten in den Unternehmen geschaffen werden. Geprüft wird derzeit, ob man für Weiterqualifizierungen auf Gelder des Europäischen Sozial-Fonds (ESF) zurückgreifen kann. Daneben erfordern die besonderen Belastungen der Werkfeuerwehrleute durch Schicht- und Bereitschaftsdienste einen genauen Blick auf Arbeitsbedingungen und Gesunderhaltung. „Dazu gehört ein intelligentes betriebliches Gesundheitsmanagement. Die Anstrengungen des Einsatzdienstes lassen sich nur  begrenzt reduzieren. Umso wichtiger sind Angebote für ein gezieltes Training, auch auf den Wachen in den Betrieben.“  

Als Erfolgsmodell bezeichnete Edeltraud Glänzer, dass „es uns als Initiative aus der Chemie heraus als Sozialpartner gelungen ist, das Berufsbild des Werkfeuerwehrmanns beziehungsweise der Werkfeuerwehrfrau im Jahr 2009 als Probeverordnung erlassen zu bekommen. Inzwischen werden jährlich knapp 250 Auszubildende ausgebildet, die ab diesem Jahr auch einheitliche IHK-Abschlussprüfungen absolvieren.“  Allerdings, so Glänzer, werde erst in vier Bundesländern ausgebildet, doch sei die Nachwuchsförderung enorm wichtig, denn „unserer Werkfeuerwehren kämpfen schon jetzt mit einem sehr hohen Durchschnittsalter. Da kann der altersbedingte Abgang zum massiven Problem werden.“

Nachwuchs sichern und Beschäftigungsfähigkeit erhalten

Sozusagen die demografische Brille setzte Jürgen Warmbier, Leiter der Werkfeuerwehr Merck KGaA, auf: „Das Durchschnittsalter der Belegschaften steigt, ältere Mitarbeiter bleiben länger im Betrieb und Nachwuchskräfte werden allmählich knapp. Das betrifft gleichermaßen die Werkfeuerwehren.“ Personalgewinnung und Personalentwicklung sind für Warmbier die Schlüsselbegriffe. Über die eigene Ausbildung im Unternehmen und über duale Studiengänge kann ein Großteil des Nachwuchses rekrutiert werden. Durch Praktikumsplätze für Schüler und Studenten als Vorstufe könne das Interesse geweckt werden. Interne Personalentwicklung und Qualifizierung sowie attraktive Karrieremöglichkeiten sollen zugleich die Bindung an das Unternehmen fördern.

Personalentwicklung als zweite Säule ist für Jürgen Warmbier ebenso wichtig. „Wir müssen die Beschäftigungsfähigkeit durch Weiterbildung und Nachqualifizierung erhalten.“ Mit einer nachhaltigen Weiterqualifizierungsstrategie lasse sich die „Gesundheitsfalle“ für ältere Werkfeuerwehrleute entschärfen. „Die Berufsbilder Werkfeuerwehrtechniker und Industriemeister Fachrichtung Brandschutz bieten sich dazu an.“

Aktuelle Studien belegen, so Warmbier, dass lediglich drei bis vier Prozent der Feuerwehrleute über 60 Jahre noch als einsatzfähig gelten. „Die konditionellen Grundfertigkeiten sind nicht mehr vorhanden. Das ist eine Altersfrage und lässt sich nur bedingt verbessern.“ Deshalb müssten etwa Langzeitkonten, altersgerechte Arbeitszeitmodelle und angepasste Stellenstrukturen den Weg in die Rente flankieren.

Duale Berufszugänge gewinnen an Bedeutung

Das duale Studium gewinnt an Bedeutung. Die Verzahnung von universitärem Studium mit praxisorientierter Ausbildung  im Betrieb schafft einen guten Zugang in die Arbeitswelt. Das gilt auch für die Ausbildung von Feuerwehrleuten, zumal für den gehobenen Werkfeuerwehrdienst ein Bachelor oder gleichwertiger Studiengang Voraussetzung ist. Gleichwohl gebe es Nachbesserungsbedarf, so Dr. Roland Goertz, Universitätsprofessor für Abwehrenden Brandschutz an der Bergischen Universität Wuppertal: „Vieles, was Bestandteil der Laufbahnausbildung ist, existiert auch als Lehrmodul in der Hochschulausbildung. Daher wünscht sich Goertz, der nach Chemiestudium und Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften eine Ausbildung für den höheren feuerwehrtechnischen Dienst absolvierte, eine Modifikation der Ausbildungsinhalte um Doppelungen zu vermeiden. „Viele Fertigkeiten bringt der Student von der Uni mit. Und im Betrieb soll er diese noch einmal lernen, weil es so in der Ausbildungsordnung steht.“

Als Amtsleiter für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz in Erfurt sowie als Leiter der Branddirektion Karlsruhe hat Roland Goertz zudem alle Details der öffentlich-rechtlichen Feuerwehren und ihrer Laufbahnregelungen kennen gelernt. Beim Blick über die Grenzen wünscht sich der akademische Brandschützer manches Mal einen stärker an die Inhalte orientierten „unkonventionellen und kreativen Umgang. Ich habe bei einer Tagung den für Basel verantwortlichen Leiter für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungsdienst kennen gelernt. Der Mann war Landwirt.“

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