Mein Arbeitsplatz

Prost! Santé! Skål!

"Keine Maschine kann die Arbeit von uns Powerfrauen ersetzen", sagt Julitta Götz. Sie ist seit 1977 Verpackerin beim Bierdeckelhersteller Katz in Weisenbach.

Sebastian Berger

Julitta Götz verpackt Bierdeckel.
28.02.2014
  • Von: Axel Stefan Sonntag

"An meine ersten Bierdeckel, die ich 1977 genau hier verpackt habe, kann ich mich noch sehr genau erinnern: farbenfrohe Eisvögel- und Blumenmotive einer großen deutschen Brauerei. Dass der Bierdeckel zum Bier gehört, war damals logisch. 2014 nicht mehr: Heute verschweiße und verpacke ich auch Untersetzer, die ein englischer Whisky-Hersteller bei uns ordert. Oder die eine Partei für ihre Wahlwerbung nutzt.

Wir produzieren und stanzen rund 500 verschiedene Formen. Und die sind längst nicht mehr nur rund oder viereckig: Die Königskrone einer dänischen Biermarke sticht bei deren Untersetzer als kleine »Nase« heraus. Ich hatte auch schon Bierdeckel in Form des Westerwaldes mit tatsächlich allerlei Ecken und Kanten auf dem Tisch.

Eben weil solche Sonderformate so unterschiedlich sein können, verpacken meine Kolleginnen und ich diese bis heute per Hand. Da kann keine Maschine die Arbeit von uns Powerfrauen ersetzen! So kann ich uns wohl durchaus bezeichnen, schließlich sind bis heute allein 8.140.000.000 Bierdeckel durch meine Hände gegangen – oder anders ausgedrückt: im Schnitt eine Million pro Schicht.

Auch wenn man es als Außenstehender nicht glauben mag: Das sind acht Stunden harte Arbeit, die nicht nur ins Handgelenk – Stichwort Karpaltunnel –, sondern auch in den Rücken gehen. Besonders, wenn sich die Palette mit den ausgestanzten Deckeln dem Ende zuneigt und wir uns bücken müssen. Deshalb ist uns die Hebebühne, in die mein Betrieb vor einigen Jahren investiert hat, eine echte Hilfe.

Trotzdem kommt es bei meiner Arbeit auch auf Geschicklichkeit an: Wenn die Bierdeckel mit einem glänzenden Schriftzug bedruckt sind, müssen wir beim Greifen aufpassen. Ebenso, wenn manch ein Kunde sie aus Kostengründen immer dünner haben will. Da rutschen sie einem doch schon mal schneller aus der Hand als sonst. Aber nach 37 Jahren habe ich eine gewisse Übung in der Sache. Und schon lange damit aufgehört, mir von jedem Motiv eines mit nach Hause zu holen. Denn es waren mit der Zeit einfach zu viele." 

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