Mein Arbeitsplatz

Baggern erwünscht

Nadja Bochinsky ist Großgeräteführerin im Tagebau Garzweiler. Sie ist damit verantwortlich für den 8000 Tonnen schweren Bagger und die tägliche Förderung von Braunkohle von bis zu 110.000 Kubikmetern.

Frank Rogner

Nadja Bochinsky, Baggerführerin im Braunkohletagebau Garzweiler. Nadja Bochinsky, Baggerführerin im Braunkohletagebau Garzweiler.
16.04.2013
  • Von: Julia Osterwald
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Ich dachte immer, Frauen können nicht auf den Bagger. Im Tagebau in Garzweiler sind alle Baggerführer Männer. Und jetzt bin ich schon seit fünf Monaten dabei, als erste Großgeräteführerin. Ursprünglich habe ich bei RWE Industriemechanikerin gelernt.

Dann hat mich mein Betrieb für einen fünfmonatigen Fachlehrgang zur Großgeräteführerin vorgeschlagen. Ich wollte das unbedingt. Und nun habe ich gerade meine Prüfung abgelegt – und bestanden. Im Februar habe ich mit der Ausbildung angefangen. Ich bin zweimal in der Woche zur Schule gegangen, dort habe ich gelernt, wo die Schalter und Notschalter sind und wo man sich einquetschen kann.

© Julia Osterwald / Frank Rogner

 Aber so richtig lernt man das Gerät erst kennen, wenn man es bedient. Ich bin auf der Beladung angelernt worden, dort verteile ich den Abraum, den der Bagger abträgt, auf die Bandanlage. Aber ich fahre auch den Bagger. Das ist immer noch aufregend.

Obwohl mittlerweile vieles per GPS angezeigt wird, muss man aufpassen, dass die Arbeitsabläufe funktionieren. Außerdem ist so ein Achttausend-Tonnen-Bagger ja kein Auto, sondern ein Millionen-Gerät, für das ich die Verantwortung trage, da muss man sich konzentrieren.

Manchmal verstopfen große Brocken den Trichter, durch den der Abraum transportiert wird. Dann muss ich das Band stoppen und die Brocken mit dem Kran rausholen. Oder es geht irgendwo anders am Bagger etwas kaputt.

Am Anfang haben die Männer die Poster mit nackten Frauen im Mannschaftsraum abgehängt oder wollten mir Arbeit abnehmen. Sie sagen auch schon mal 'Prinzessin' zu mir. Aber ich will nicht anders behandelt werden. Die Poster habe ich wieder aufgehängt und Arbeit lasse ich mir auch nicht abnehmen. Ich packe lieber mit an.

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