Mein Arbeitsplatz

Kraftwerker macht Dampf

Reinhard Elfert (46) ist Kraftwerkmeister im neuen Kohlekraftwerk Datteln 4 von Uniper.

Christian Burkert

"Wenn das Kraftwerk qualmt, bedeutet das Wohlstand für alle. Auch für unsere Kritiker", sagt Reinhard Elfert.
27.10.2017
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Ich gehöre seit eineinhalb Jahren zum Inbetriebsetzungs-Team für das neue Kohlekraftwerk Datteln 4. Gemeinsam arbeiten wir daran, dass die Anlage nächstes Jahr in Betrieb geht. Zu meiner Aufgabe zählt die Inbetriebsetzung des Kessels mit den Nebenanlagen, Ölfeuerung, Kohlefeuerung, Frischluftgebläse und Saugzuggebläse. Jedes Aggregat muss für sich funktionieren; Wir unterscheiden dabei kalte, warme und heiße Inbetriebsetzung, kurz: IBS. Ich erkläre das mal am Beispiel der Pumpenstation für die – jetzt kommt ein schönes Wort – Wasserlanzenbläserpumpen. Über die Wasserlanze wird der Kessel künftig mehrmals am Tag von Asche befreit, die an der Wand zu Ruß verklebt.

Vereinfacht gesagt, ist diese Asche schlecht für den Wirkungsgrad der gesamten Anlage. Der Kessel muss Dampf in genau der richtigen Qualität erzeugen können. Und ich muss unter anderem die Pumpenstation für die Wasserlanze kontrollieren. Auf dem Foto bin ich am entsprechenden Druckmessgestell zu sehen. In der kalten IBS prüfen wir die Anlage für sich, in der warmen IBS setzen wir sie unter Spannung und lassen auch Wasser laufen. In der heißen Phase geht die Pumpe in Betrieb. Das tun wir nach und nach mit allen Aggregaten, die am Ende perfekt zusammenlaufen müssen.

Schon jetzt bin ich auch dabei, ein Spezialistenteam zusammenzustellen. Als Kraftwerkmeister bin ich in gut einem Jahr – also nach der IBS – in Datteln 4 für die Verfahrens- und Prozessoptimierung zuständig. Derzeit ist mein Arbeitsplatz vorwiegend das 115 Meter hohe Kesselhaus. Auf 16,50 Meter liegt die Kraftwerkwarte, wo ich sämtliche Prozessdaten einsehen und beobachten kann. Und doch lassen sich nicht alle Probleme vom Kesselpult lösen, manchmal hilft nur der Griff zum Vorhammer.

Meine Arbeit liegt mir im Blut; seit 1992 arbeite ich in Datteln. Ich weiß auch, dass unsere Branche oft kritisiert wird. Aber wenn das Kraftwerk qualmt, bedeutet das Wohlstand für alle. Auch für unsere Kritiker. Bewusst wird mir das besonders in der Weihnachtszeit. Heiligabend werden zu Hause die Rollläden runtergelassen und alles glitzert festlich. Und du bist im Kraftwerk auf Schicht und machst Strom – auch für die Weihnachtsbeleuchtung.

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