Mein Arbeitsplatz

Pionierin auf Streife

Bei Infracor in Marl kommt keiner an Jil Topcu vorbei: Als  Fachkraft für Schutz und Sicherheit kontrolliert sie jeden, der aufs Gelände will. Schon als Kind wollte die 26-Jährige Polizistin werden. Heute geht sie Streife für den Werkschutz - und ist seit 1938 die erste Frau in diesem Beruf im Chemiepark Marl.

Michael Cintula

Jil Topcu ist Fachkraft für  Schutz und Sicherheit bei Infracor in Marl.
16.04.2013
  • Von: Andrea Lammert
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"Viele denken, Fachkraft für Werkschutz ist ein reiner Männerberuf. Auch bei uns im Chemiepark Marl gab es seit Bestehen nur Männer auf diesem Gebiet. Bis ich vor sieben Jahren als erste weibliche Verstärkung dazukam.

Ich wollte schon als Kind Polizistin werden. Das war mein großer Traum. Immer nur im Büro zu sitzen und auf einen Bildschirm zu schauen, das konnte ich mir nicht vorstellen. Ich brauche einen abwechslungsreichen Beruf – den habe ich hier im Werkschutz gefunden. Und eigentlich ist die Tätigkeit ganz ähnlich wie bei der Polizei.

Man geht auf Streife übers Gelände, es kommt hin und wieder zu Verkehrsunfällen, und manchmal müssen wir auch Diebstählen nachgehen. Mit den 15 000 Beschäftigten ist es hier wie in einer kleinen Stadt. Fachkraft für Werkschutz ist mein Traumberuf. Ich komme viel mit Menschen zusammen. Und ich kann mein detektivisches Talent nutzen, um bei der Aufklärung kleiner Delikte zu helfen.

Michael Cintula

Jil Topcu ist Fachkraft für  Schutz und Sicherheit bei Infracor in Marl.
 Es ist ein gutes Gefühl, seit 1938 die erste Frau im Werkschutz zu sein. Insgeheim wussten alle längst um die Lücke: Männliche Besucher wurden kontrolliert, gerade wenn sie in empfindliche Bereiche des Geländes gingen. Forschungsergebnisse und Firmengeheimnisse sollten schließlich im Chemiepark bleiben. Aber die Frauen, die oftmals noch dazu die größeren Taschen hatten, hatte bislang niemand überprüft. Ich war sozusagen die Pionierin im Marler Werkschutz.

Nach mir kamen noch sechs weitere weibliche Auszubildende. Ich finde, gemischte Teams sind eine Bereicherung für den Arbeitsplatz. Mittlerweile sehen das auch meine männlichen Kollegen so. Nicht nur der Umgang untereinander wird höflicher, die verschiedenen Sichtweisen bringen auch neuen Wind in alte Arbeitsabläufe."

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