Mein Arbeitsplatz

Keramikschlicker statt Teig

Marvin Disch (23) ist Industriekeramiker beim Porzellanhersteller Duravit im baden-württembergischen Hornberg.

Benjamin Doerr

Industriemechaniker Martin Disch bearbeitet ein Waschbecken mit dem Hobel. Als Industriekeramiker beim Porzellanhersteller Duravit produziert Martin Disch Waschtische, Toilettensitze und Urinale.
01.03.2013
  • Von: Axel Stefan Sonntag
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"Waschbecken produzieren? Habe ich gelernt. Neue Waschbecken entwickeln? Habe ich auch gelernt, denn ich habe zwei Industriekeramiker-Abschlüsse. Bei dem mit Schwerpunkt Verfahrenstechnik habe ich die Serienproduktion von Sanitärkeramik erlernt, also Waschtische, Toilettensitze oder Urinale. Der Abschluss für Modelltechnik befähigt mich, neue Produkte zu entwickeln und zu modellieren. Jetzt entwickele ich aus Gips sogenannte Mutterformen, also Arbeitsformen, in die später die Keramik gegossen wird.

Benjamin Doerr

Industriekeramiker Marvin Disch zeigt eines seiner Arbeitsgeräte: Einen Zirkel. Von wegen Maschinen: Marvin Disch arbeitet noch ganz handmännisch mit Zirkel, Messer, Messschieber und Hobelblatt.

Einfach ausgedrückt: Ich stelle eine Backform her, in die ein Kuchenteig kommt. Nur dass der Teig in meinem Fall Keramikschlicker ist. Das Geschehen im Brennofen, durch den die Mutterform muss, ist hochkomplex. Denn bei etwa 1280 Grad Celsius schwindet die Keramikmasse, die Form verzieht sich. Dann ragt der linke Rand des Waschbeckens plötzlich weiter hinaus als der rechte. Wenn ich da nicht aufpasse, überträgt sich dieser Fehler auf die gesamte spätere Serie. Also beseitige ich solche "Deformationen" – ganz handmännisch mit Zirkel, Messer, Mess- Schieber und Hobelblatt.

Benjamin Doerr

Industriekeramiker Marvin Disch beseitigt Deformationen an den frisch gegossenen Formen per Hand. Deformationen an frisch gegossenen Keramikformen beseitigt Marvin Disch in Handarbeit.

Natürlich immer mit der Überlegung, dass sich im Anschluss alles noch serienreif produzieren lassen muss. Es gibt viele verschiedene Formen, Artikel-Nummern und unzählige Maße. Die muss ich alle drauf haben – eine ziemliche Herausforderung. Laut IHK schaffe ich das aber offenbar gut: Über deren Auszeichnung zum landesweit besten Azubi meines Ausbildungsberufes habe ich mich echt gefreut. Ich kann von der Arbeit ruhigen Gewissens auch mal abschalten, beispielsweise als ehrenamtlicher Skisprung-Trainer. Mit Kindern zu arbeiten macht mir genauso viel Spaß wie meine frühere Tätigkeit in der JAV.

Das Berusbild:

Industriekeramiker Modelltechnik fertigen Modelle und Formen aus Gips, Kunststoff oder Metall für die Produktion von keramischen Gegegnständen. Mehr im Internet unter:

www.ihk-berlin.de

 

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