Herausforderung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz

Nanomaterialien

»Nanotechnologie« und »Nanomaterialien« waren bis vor kurzem ein Thema vor allem für Spezialisten. Erst in jüngster Zeit hat es die Presse und die breitere Öffentlichkeit erreicht.

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Nanotechnologie

Was sich hinter beiden Begriffen genau verbirgt, lässt sich nicht leicht beschreiben. Klar ist nur, dass es um eine Technologie geht, die sich »kleinster« Strukturen bedient, es geht um Partikel, die aus wenigen Hundert bis einigen Tausend Atomen oder Molekülen bestehen – aber was ist daran neu, was ist daran Besonderes?

Der Begriff »Nanotechnologie« kann irreführend sein, denn bei der Nanotechnologie handelt es sich nicht um eine einzige Technologie oder Wissenschaft. Vielmehr bezeichnet der Begriff ein multidisziplinäres Gebiet, das Prozesse, Konzepte, Anwendungen und Materialien aus den Bereichen Physik, Chemie, Biologie, Ingenieurwissenschaften und Elektronik verwendet, deren gemeinsame Charakteristik diejenige der Größe im Nanobereich ist. Wegen der ganz unterschiedlichen Teilbereiche, die unter »Nanotechnologie « zusammengefasst werden, haben sich viele Fachleute angewöhnt, von »Nanotechnologien« zu sprechen, also den Begriff in der Mehrzahl zu verwenden.

Nanotechnologien und Nanomaterialien

»Nanotechnologien« bezeichnen ein breites Feld neuer Technologien, die – wie andere neue Technologien – Chancen und Risiken mit sich bringen. Um eine neue Technologie interessant zu machen, wird viel über die Chancen und Potentiale geredet und geschrieben. Aus unserer Sicht müssen jedoch auch die Risiken thematisiert und bewertet werden.

Notwendig ist eine rationale Debatte über die neuen Technologien. Verschweigen und Verharmlosen der Risiken löst fast unweigerlich Abwehrreaktionen aus, die häufig nicht nur rational begründet sind. Außerdem kann es auch dazu führen, dass die Entwickler und Träger der neuen Technologien deren Risiken unterschätzen und die Vorsorge vor vermeidbaren Risiken oder vor den Folgen von Schäden und Havarien vernachlässigen. Wenn sich dann Unfälle ereignen oder Schäden einstellen, verstärkt dies fast immer offen oder unterschwellig vorhandene Vorbehalte gegen die neuen Technologien als Ganzes. Schnell werden dann die unterschiedlichen Anwendungen der Technologien undifferenziert in einen Topf geworfen
und unterschiedslos abgelehnt.

Damit eine derartige Situation nicht entsteht, soll diese Broschüre helfen,

  • die Vielfalt der »Nanotechnologien« zu verstehen,
  • zu erkennen, dass es sich bei Nanomaterialien um eine Vielzahl unterschiedlicher Stoffe mit völlig unterschiedlichen Eigenschaften und Wirkungen handelt, mit denen ein weites Spektrum verschiedenartiger Anwendungen entwickelt wird,
  • zu verdeutlichen, dass erprobte Arbeitschutzmaßnahmen geeignet sind, Gesundheitsrisiken
  • bei Tätigkeiten mit Nanomaterialien genauso zu vermeiden, wie dies für andere chemische Stoffe alltägliche Praxis ist,
  • bewährte Arbeitsschutzstrukturen zu nutzen, um Tätigkeiten mit Nanomaterialien in das vorhandene Arbeitschutz-Managementsystem im Betrieb zu integrieren.

Die Entwicklung, Herstellung und Verwendung von Materialien im Nanomaßstab – das heißt von Nanomaterialien – kann nach dieser Beschreibung als ein Teilbereich der Nanotechnologien verstanden werden. Nanomaterialien sind chemische Stoffe – zum Teil mit besonderen Eigenschaften. Wegen dieser besonderen Eigenschaften können von ihnen besondere Gefahren für Gesundheit und Umwelt ausgehen und damit besondere Herausforderungen für den Arbeitsschutz darstellen.

Welche Aufgabe haben Betriebsräte?

Wenn es um das Thema »Gesundheits- und Umweltschutz bei Tätigkeiten mit Nanomaterialien« geht, sind Betriebsräte gefragt. Ganz allgemein haben sie die Aufgabe zu überwachen, dass der Arbeitgeber seinen Verpflichtungen zum Schutz der Gesundheit der Beschäftigten sowie zum Schutz der Umwelt nachkommt. Betriebsräte haben umfassende Mitbestimmungerechte bei der konkreten Ausgestaltung dieses Schutzes. Wenn das Wissen über mögliche gesundheits- und umweltgefährdende Eigenschaften von Nanomaterialien noch sehr begrenzt ist, sind ihre Aktivitäten besonders wichtig.

In der Broschüre sind Antworten auf folgende Fragen zu finden:

  • Welche Vorgaben des Arbeitsschutzes sind bei Tätigkeiten mit Nanomaterialien zu beachten?
  • Welche Leitfäden und Empfehlungen für Tätigkeiten mit Nanomaterialien werden angeboten, mit deren Hilfe Betriebe ihren Verpflichtungen im Arbeitsschutz nachkommen können?
  • Welche Möglichkeiten haben Betriebsräte, um einen optimalen Schutz der Gesundheit der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit Nanomaterialien zu erreichen?
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