10. Jahrestagung für Schwerbehindertenvertreter

„Niemand darf ausgeschlossen werden“

Wie können wir die Rechte von Menschen mit Behinderung stärken? Antworten auf diese Frage suchten rund 200 Schwerbehindertenvertreter (SBV) auf der 10. SBV-Jahrestagung der IG BCE in Hannover. Die Teilnehmer erarbeiteten einen „Aktionsplan Inklusion“, mit dem die Arbeitsbedingungen von Menschen mit Behinderung in ihren Betrieben verbessert werden sollen. Der Plan richtet sich aber auch an andere Gruppen, etwa ältere Beschäftigte.

Dirk Egelkamp Fotografie

Edeltraud Glänzer begrüßte rund 200 Schwerbehindertenvertreter bei der 10. Jahrestagung. Edeltraud Glänzer begrüßte rund 200 Schwerbehindertenvertreter bei der 10. Jahrestagung.
07.09.2016
  • Von: Alexander Reupke

„Ihr seid der Motor für Inklusion“, rief Edeltraud Glänzer, stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, den Teilnehmern zu. Ihr Einsatz sei wichtig angesichts der vielfältigen Herausforderungen; dazu gehören die demografische Entwicklung und die Zunahme von psychischen Erkrankungen. „Wir brauchen mehr Prävention in den Betrieben, damit es gar nicht erst zu Erkrankungen kommt“, sagte Glänzer.

„Es ist klasse, dass über 80 Prozent aller Schwerbehindertenvertreter in unseren Branchen Mitglied der IG BCE sind“, sagte Glänzer. So sei eine höhere Durchsetzungskraft gewährleistet.

Das Thema Inklusion solle gemeinsam vorangebracht werden. Denn: „Niemand darf ausgeschlossen werden“, sagte Glänzer. Um das zu schaffen, erarbeiteten die Teilnehmer Ideen für einen „Aktionsplan Inklusion“. Darin sollen konkrete Maßnahmen festgehalten werden, mit denen die Arbeitsbedingungen von Menschen mit Behinderung in den Betrieben verbessert werden sollen. Sobald der Plan gegen Ende dieses Jahres beschlossen ist, können Unternehmen sich freiwillig zu den Maßnahmen bekennen. „Diversity ist das Zauberwort in den Unternehmen. Wir müssen es aber durch Inklusion ersetzen“, forderte Glänzer.

Die zahlreichen Ideen entwickelten die Teilnehmer in Workshops, die sich um die Themen Arbeitsplätze, Ausbildung und Barrierefreiheit drehten. So soll der Arbeitgeber beispielsweise für den Brandfall Fluchtmöglichkeiten für behinderte Menschen sicherstellen, da sie den Fahrstuhl dann nicht nutzen können.

Die SBV sollte bei jedem Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM) dabei sein. Dieses Verfahren soll Mitarbeitern nach einer langen Krankheitsphase den Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichen. Bisher kann die SBV beteiligt werden – sie muss es aber nicht.

Doch alle Teilnehmer waren sich einig, dass die Präventionsarbeit gestärkt werden solle, damit es möglichst nicht zu längeren Fehlzeiten komme. Es soll beispielsweise mehr Gesundheitsangebote geben. Und die Betriebe sollen eine bessere Ernährung der Mitarbeiter sicherstellen. Für diese Aufgaben sollte der Arbeitgeber ein bestimmtes jährliches Budget für Präventionsarbeit bereitstellen.

Wie gehen wir mit behinderten Auszubildenden um? Die Schwerbehindertenvertreter schlugen vor, feste Ausbildungspaten als Ansprechpartner bei Problemen einzurichten. Eine soziale Woche soll die Ausbilder sensibilisieren und Berührungsängste abbauen. Zudem solle eine verbindliche Ausbildungsquote für behinderte Menschen festgelegt werden.

Diese Ideen sollen in den „Aktionsplan Inklusion“ münden, der bis zum Jahr 2018 umgesetzt werden soll.

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